Durchschnittsgehalt in Deutschland: So groß fallen Gehaltsunterschiede bezogen auf Branche, Standort und Geschlecht aus

Durchschnittseinkommen in Deutschland: So fallen die Unterschiede aus - Copyright: Getty Images/ Anchiy
Durchschnittseinkommen in Deutschland: So fallen die Unterschiede aus - Copyright: Getty Images/ Anchiy

Das Durchschnittsgehalt in Deutschland beträgt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes monatlich 4105 Euro (Stand 2022). Dabei handelt es sich um ein durchschnittliches Bruttogehalt, also ein Gehalt vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsabgaben.

Verdient ihr weniger als dieses Brutto-Durchschnittseinkommen, verwundert das insofern wenig, als es von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist. Es entscheiden beispielsweise das Geschlecht, Alter, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes, Bundesland, der Beruf, Bildungsabschluss, die Branche, Unternehmensgröße oder Tarifbindung über das durchschnittliche Einkommen.

Fakt ist: Nur ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland verdienen dem Statistischem Bundesamt zufolge mehr als das Durchschnittsgehalt. Doch wie sinnvoll ist es eigentlich Gehälter im Durchschnitt zu betrachten und wie gravierend wirken sich einzelne Faktoren tatsächlich auf die Gehälter der Deutschen aus?

Was ist das Durchschnittsgehalt in Deutschland?

Das Durchschnittseinkommen ist der Mittelwert der Bruttogehälter aller rentenversicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland. Es wird jährlich vom Statistischen Bundesamt erhoben. Zudem wird es von der Bundesregierung unter Zustimmung des Bundesrats festgestellt und veröffentlicht.

Die Daten beziehen sich dabei stets auf das sogenannte arithmetische Mittel, also das durchschnittliche Bruttoeinkommen. Einen genaueren Einblick in die Gehaltsstrukturen Deutschlands würde jedoch der Median der Gehälter liefern. Das Mediangehalt ist die Zahl, die genau in der Mitte aller Gehaltswerte liegt.

Mediangehälter bieten im Gegensatz zu Durchschnittsgehältern den Vorteil, dass sie nicht durch Ausreißer verunreinigt sind. Ausreißer sind zum Beispiel Gehälter von Spitzenverdienern. Beim arithmetischen Mittel wird dagegen das gesamte Einkommen durch die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten geteilt. Die Folge dieser Betrachtungsweise? Millionengehälter fallen genauso schwer ins Gewicht, wie sehr geringe Gehälter.

Ihr wollt ein hohes Gehalt ohne Führungsverantwortung? In diesen fünf Jobs ist das möglich.
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Wie hoch war das Durchschnittsgehalt in Deutschland im Jahr 2022?

Im Jahr 2022 lag das Durchschnittseinkommen in Deutschland bei 49.260 Euro brutto im Jahr. Diese Daten gehen aus der jährlichen Erhebung des Statistischen Bundesamtes hervor. Wichtig dabei zu betonen ist, dass zusätzliche Zahlungen wie Boni und Urlaubs- oder Weihnachtsgeld hierbei nicht berücksichtigt werden.

Auf dieser Grafik wird die statistische Verteilung der Gehälter der Deutschen ersichtlich. Es zeigt sich eine rechtschiefe Verteilung. Meint: Knapp zwei Drittel der Beschäftigten beziehen Monatsgehälter, die geringer als das Durchschnittsgehalt sind. - Copyright: Statistisches Bundesamt
Auf dieser Grafik wird die statistische Verteilung der Gehälter der Deutschen ersichtlich. Es zeigt sich eine rechtschiefe Verteilung. Meint: Knapp zwei Drittel der Beschäftigten beziehen Monatsgehälter, die geringer als das Durchschnittsgehalt sind. - Copyright: Statistisches Bundesamt

Auf den Monat runtergerechnet ergibt sich daraus ein Bruttogehalt von 4105 Euro bei einer Vollzeitstelle. Und wie viel wäre das netto? Legen wir zum Beispiel die Steuerklasse eins und das Bundesland Berlin zugrunde, würde sich daraus ein Nettogehalt von etwa 2588 Euro ergeben.

So hoch fällt das Gehalt der Deutschen im Median aus

Wer wissen möchte, wie die Mediangehälter 2023 in Deutschland ausfallen, wird unter anderem im Gehaltsreport von Stepstone* für das Jahr 2023 fündig. Wie jedes Jahr veröffentlichte das Jobportal Bruttodurchschnitts- und Bruttomediangehälter in Deutschland. Insgesamt wurden mehr als 560.000 Datensätze von Berufstätigen in Deutschland dafür ausgewertet. Das Mediangehalt liegt laut Stepstone für 2023 bei 44.074 Euro brutto im Jahr. Durchschnittlich beträgt das Gehalt dagegen 53.118 Euro jährlich – im Vergleich etwas höher als der Wert des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2022.

Diesen Einfluss hat die Branche auf das Durchschnittsgehalt

Wie hoch das Durchschnittsgehalt in Deutschland ausfällt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig – unter anderem von der Branche. Dass eine Pflegekraft etwa weniger verdient als ein Börsenmakler, ist bekannt. Doch in welchen Branchen fällt das Durchschnittsgehalt eigentlich am höchsten aus? Auch hierzu hat das Statistische Bundesland für das Jahr 2021 eine Auflistung parat.

Die Branchen mit den besten Verdiensten fanden sich grob in den Branchen „Energieversorgung“, „Information und Kommunikation“ sowie „Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen“. Die Beschäftigten verdienten hier im Durchschnitt zwischen 5207 und 5693 Euro brutto im Monat. Am wenigsten verdiente das „Gastgewerbe“ mit „nur“ 2138 Euro monatlich.

Geht man in Sachen Branche noch tiefer in die Analyse, zeigt sich, dass die Branche „Gewinnung von Erdöl und Erdgas“ an vorderster Stelle in Sachen Durchschnittsgehalt rangiert: 6617 Euro monatlich sind hier im Durchschnitt angegeben. Es folgt die Branche „Kokerei und Mineralöl­verarbeitung“ mit 6410 Euro monatlich im Durchschnitt und „Rundfunkveranstalter“ mit 6018 Euro monatlich im Durchschnitt. Am schlechtesten schneiden die Branche „Gastronomie“ (2156 Euro monatlich) und „Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ (2494 Euro monatlich) ab.

 - Copyright: Statistisches Bundesamt
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Diesen Einfluss hat das Geschlecht auf das Durchschnittsgehalt in Deutschland

Wie hoch das Durchschnittseinkommen ausfällt, hängt zudem vom Geschlecht ab. Bis heute erhalten Frauen im Schnitt weniger Gehalt für die gleiche Arbeit als Männer. Laut Statistischem Bundesamt betrug das durchschnittliche Bruttoeinkommen im Jahr 2021 bei Männern in Vollzeit 23,20 Euro pro Stunde, während es bei Frauen nur 19,12 Euro waren. Diese Lohnlücke wird als Gender Pay Gap bezeichnet – wobei zwischen einem bereinigten und unbereinigtem Gender Pay Gap unterschieden wird.

Der unbereinigte Gender Pay Gap erfasst die Differenz der Gehälter ohne Berücksichtigung der Berufe, Karrierelevel und Qualifikationen. Er liegt derzeit bei 18 Prozent. Das meint: 2021 haben Frauen rund 18 Prozent weniger Geld für ihre Arbeit erhalten als ihre männlichen Kollegen. In Westdeutschland fiel diese Lohnlücke mit 19 Prozent sogar deutlicher aus als im Osten, wo sie nur sechs Prozent betrug. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, diese Lohnlücke bis 2030 auf zehn Prozent zu senken.

Der bereinigte Gender Pay Gap rechnet jenen Teil des Verdienstunterschiedes heraus, der auf strukturelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern zurück­zuführen ist, wie Unterschiede im Hinblick auf Beruf, Branche, Beschäftigungs­umfang (Teil- oder Vollzeit), Qualifikation oder Karrierelevel. Er beträgt derzeit sieben Prozent.

Die Ursachen dafür, dass Frauen weniger verdienen als Männer, sind vielfältig. Oft arbeiten Frauen in schlechter bezahlten Berufen und Branchen. Bis heute finden sich beispielsweise in gut bezahlten Branchen wie dem Finanz- oder IT-Wesen Männer in der Überzahl und in schlechter bezahlten Berufen wie der Pflege oder Sozialarbeit arbeiten vorrangig Frauen. Überdies erreichen Frauen seltener Führungspositionen, die überdurchschnittlich vergütet werden.

Nicht zuletzt wird die Verdienstungleichheit dadurch erhöht, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und seltener am Erwerbsleben teilnehmen – etwa weil sie sich um die Kindererziehung kümmern. Aber: Selbst dann, wenn Frauen gleich qualifiziert sind wie Männer und den gleichen beruflichen Werdegang haben, erhalten sie mitunter weniger Gehalt.

Diesen Einfluss hat das Bundesland auf das Durchschnittseinkommen in Deutschland

Wie hoch das Durchschnittsgehalt in Deutschland ausfällt, hängt zuletzt auch mit dem Bundesland zusammen. Das höchste durchschnittliche Gehalt zahlt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Hamburg: Durchschnittlich kann man als Angestellter hier 5209 Euro brutto im Monat verdienen (Stand 2021). Danach folgen Hessen (5016 Euro monatlich) und Baden-Württemberg (4814 Euro monatlich). Auf dem letzten Platz landet Mecklenburg-Vorpommern. Hier verdienen Vollzeitbeschäftigte mit 3467 Euro brutto im Monat am wenigsten.

Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Während alle alten Bundesländer die vorderen Plätze eins bis elf belegen, landen die ehemaligen Länder der DDR auf den hinteren Plätzen. Einzige Ausnahme: Berlin. Hier kann man im Durchschnitt ein Einkommen von 4662 Euro pro Monat erwarten.

Ihr wollt ganz genau wissen, welches Durchschnittsgehalt euch in Deutschland bezogen auf eure Branche, euren Job, euren Wohnort sowie weitere Faktoren zusteht? Dabei helfen kann euch der Interaktive Gehaltsvergleich vom Statistischen Bundesamt.

Deutsche Nettolöhne im Vergleich mit anderen europäischen Staaten

Bleibt zuletzt die Frage, wie gut das Durchschnittsgehalt der Deutschen eigentlich im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ausfällt. Eine Antwort darauf liefert die „GfK Kaufkraft Europa 2022“-Erhebung. Die Ergebnisse des Marktforschungsinstituts zeigen, dass die Kaufkraft der Deutschen 2022 auf 24.807 Euro pro Kopf angestiegen stieg. Das heißt: So viel Geld hatte jede Person in Deutschland im Schnitt netto inklusive staatlicher Transferzahlungen wie Renten, Arbeitslosen- und Kindergeld zur Verfügung. Noch nicht abgezogen von diesem Wert sind jedoch Ausgaben wie Lebenshaltungskosten, Versicherungen, Miete und Nebenkosten wie Gas oder Strom, Bekleidung oder die Sparrate.

 - Copyright: https://www.gfk.com/de/presse/kaufkraft-deutschland-2022
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Im Vergleich mit 42 anderen europäischen Ländern landet Deutschland mit dieser Kaufkraft auf Platz acht. Am besten verdienen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Liechtenstein mit einem Nettoeinkommen von 66.204 Euro im Jahr. Auf Platz zwei liegt die Schweiz mit 41.758 Euro, dicht gefolgt von Luxemburg, wo Vollzeitbeschäftigte ein durchschnittliches Nettogehalt von 37.015 Euro bekommen.

Das Schlusslicht bildet die Ukraine. „Dort haben die Menschen durch den Krieg im Land nur noch 1540 Euro pro Kopf und damit etwas mehr als neun Prozent des europäischen Durchschnitts zur Verfügung“, schreibt das Marktforschungsinstitut.

*Stepstone gehört wie Business Insider zur Axel Springer SE.

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