Welches Gesicht zeigt Sané?

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Welches Gesicht zeigt Sané?
Welches Gesicht zeigt Sané?

Was Leroy Sané draufhat, musste Niklas Süle am Sonntag beim Training der deutschen Nationalmannschaft erfahren. In einer Spielform forderte der 25 Jahre alte Star des FC Bayern den Ball von Manuel Neuer, bekam ihm prompt, bestach mit einem starken ersten Kontakt, tunnelte Süle und traf mit einem wuchtigen Schuss zum 1:0. "Geil Leroy", schrie Robin Gosens.

Da war er wieder, der Weltklasse-Sané!

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Das Manko des Super-Technikers ist jedoch, dass er diese Weltklasse nicht immer zeigt. Zu selten regelmäßig. Dafür oft nur Durchschnittsleistungen. Manchmal taucht er völlig ab. Aus dem Nichts erzielt er manchmal Traumtore. Jene, die man von ihm erwartet, nachdem die Bayern zwei Jahre alles versucht haben, um ihn zu verpflichten - bis er im vergangenen Sommer mit 45 Millionen Euro der Rekordtransfer und einer der Topverdiener im Kader wurde.

Sané und der DFB? Eine komplizierte Beziehung

"Ich weiß, dass ich keine herausragende Saison gespielt habe", sagte Sané am Samstag selbstkritisch. Er sei jedoch ein Typ, der die Dinge schnell abhake und nach vorne blicke.

Dennoch ein kurzer Blick zurück: In seiner Premieren-Saison kommt er für die Bayern auf 44 Pflichtspieleinsätze, zehn Tore und zwölf Assists. Eine gute, aber keine herausragende Quote. Flick ließ ihn nie fallen, baute ihn immer wieder auf. Einen unangefochtenen Stammplatz hatte er aber nicht. Unvergessen, wie er Sané im Top-Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen (2:1) am 19. Dezember erst ein und 36 Minuten später wieder auswechselte.

Und Sané und der DFB? Es ist eine komplizierte Beziehung. Unvergessen auch, wie ihn Joachim Löw 2018 überraschend aus dem WM-Kader strich, obwohl er damals bei Manchester City zum besten Rookie in der Premier League gewählt wurde.

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Für Sané "der größte Rückschlag" seiner noch jungen Karriere, wie er selbst zugab. Es war wohl die Einstellung, die Löw nicht gefiel. Zu viel Lässigkeit, zu wenig Zug. Nach dem WM-Debakel holte er ihn jedoch zurück und ausgerechnet Sané war es, der mit Toren und tollen Aktionen plötzlich für den Umbruch im DFB-Kader stand. Nach seiner Nicht-Teilnahme an der WM 2018 erzielte er alle seine sechs Länderspieltore.

Sané wirkt manchmal wie ein Einzelgänger

Sané ist, wie er ist. Kein Lautsprecher. Öffentlich fast schon schüchtern. Er ist ein Freigeist. Im EM-Trainingslager wirkt er manchmal wie ein Einzelgänger. Manchmal lacht er an der Seite von Süle, Serge Gnabry, Thomas Müller. Manchmal wirkt er in sich gekehrt.

Stehen alle Spieler an der Taktiktafel, um etwas zu trinken, liegt Sané schon mal Meter entfernt alleine auf dem Boden und schüttelt seine Waden aus. Niemand nimmt ihm das übel. Jeder weiß, dass Sané bei dieser EM ein Unterschiedsspieler sein kann und sein will.

Und doch hat man immer wieder das Gefühl, dass bei Sané noch mehr geht. Noch mehr Zauber, noch mehr Weltklasse. Seine Mitspieler wissen um seine Extraklasse, fordern von ihm aber auch Einiges ein. Als er vor zwei Tagen einem Ball nicht nachging, fauchte ihn Emre Can an, brüllte laut: "Leroy!"

Löw führte Vieraugengespräch mit Sané

Wenig später hatte er wieder eine entscheidende Aktion, nahe der Weltklasse.

Im SPORT1-Interview sagte er selbstbewusst: "Nach einem Kurzeinsatz als sehr junger Spieler bei der EM 2016 und der Nicht-Nominierung 2018 wird es für mich das erste große Turnier als etablierter Nationalspieler sein. Dieser Rolle möchte ich gerecht werden. Ich möchte so viele Einsatzminuten wie möglich sammeln und den maximalen Erfolg mit der Mannschaft haben."

Im ersten EM-Test gegen Dänemark am kommenden Mittwoch in Innsbruck wird Sané auf der linken Außenbahn starten.

Übrigens: Am Ende des Geheimtrainings am Montagmittag führte Löw ein Vieraugengespräch mit Sané. Während seine Mitspieler Torschüsse mit Manuel Neuer und Kevin Trapp übten, prüfte Sané Bernd Leno am anderen Tor. Alleine.