"Dune": So wurde das Sci-Fi-Epos zum Kino-Mythos

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Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson spielen die Hauptrollen in "Dune". (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)
Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson spielen die Hauptrollen in "Dune". (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Schon zweimal ist die Verfilmung des Science-Fiction-Bestsellers "Dune" gescheitert. Nun hat Denis Villeneuve das "'Star Wars' für Erwachsene" gedreht - und dem Mythos ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

"Dune" - der Name allein schon ist ein Mythos. Nicht nur, weil Frank Herberts Vorlage seit ihrem Erscheinen im Jahr 1965 als einer der ganz großen Romane der Science-Fiction gilt. "Dune" ist auch deshalb ein Mythos, weil die bisherigen Versuche, das komplexe Werk zu verfilmen, gescheitert sind. Nun aber hat sich Denis Villeneuve, frankokanadischer Filmemacher und spätestens seit dem Drogenthriller "Sicario" der vielleicht bedeutendste Regisseur der Gegenwart, des Stoffes angenommen. Und er hat der "Dune"-Saga ihr bislang bestes Kapitel hinzugefügt.

Timothée Chalamet spielt Paul Atreides, einen jungen Mann, dessen Familie die Kontrolle über den Wüstenplaneten Arrakis übernehmen soll. Auf Arrakis wird das Spice abgebaut, ein Rohstoff, der unverzichtbar ist in der Welt von "Dune". Denn das Spice, das es nur hier gibt, macht es möglich, durchs Weltall zu reisen. Und mehr noch, es hat auch die Fähigkeit, das Leben der Menschen zu verlängern und ihr Bewusstsein zu erweitern. Doch Pauls Familie ist nicht die einzige, die Interesse hat an Arrakis, und so entbrennt ein Kampf um die Vormacht im Universum, unter dem vor allem die Fremen leiden, die Ureinwohner von Arrakis. Oscar Isaac spielt Leto Atreides, Pauls Vater, Rebecca Ferguson ist Lady Jessica, Letos Partnerin. Josh Brolin ist als Pauls Mentor zu sehen, Stellan Skarsgård spielt den Bösewicht Baron Harkonnen.

Denis Villeneuve (links) drehte "Dune" in Ungarn, Jordanien und Abu Dhabi. Neben ihm: Javier Bardem als Fremen-Anführer Stilgar. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)
Denis Villeneuve (links) drehte "Dune" in Ungarn, Jordanien und Abu Dhabi. Neben ihm: Javier Bardem als Fremen-Anführer Stilgar. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Salvador Dalí als Weltraum-Imperator

Große Namen sind sicher nicht genug, um einen Film zum Erfolg zu machen, schon gar nicht ein Mammut-Projekt wie "Dune". Das musste schon David Lynch äußerst schmerzhaft feststellen, als er sich Anfang der 80er-Jahre an eine Verfilmung von Herberts Roman machte. Sein "Wüstenplanet", so der deutsche Verleihtitel, bot Stars wie Jürgen Prochnow und Sting auf, wurde aber dennoch zum Desaster. "Ich wusste, dass ich mich auf etwas einließ, für das ich nicht der Richtige war", schrieb Lynch Jahre später in seiner Autobiografie. Sein "Wüstenplanet" verschlang Unsummen und wurde von den Produzenten im Schneideraum derart verstümmelt, dass 1984 schließlich ein Film in die Kinos kam, den man kaum verstand. Immerhin, für Kyle MacLachlan, der damals den Paul Atreides spielte, war "Dune" der Beginn einer Weltkarriere.

Dass "Dune" ein schwieriger Stoff ist, hätte Lynch eigentlich wissen können. Schon Jahre vor ihm hatte sich ein nicht weniger extravaganter Regisseur an dem Epos versucht: Alejandro Jodorowsky. Der Chilene war mit Filmen wie "El Topo" und "Der heilige Berg" zum Underground-Liebling geworden". 1975 hatte man Jodorowsky mit den Dreharbeiten zu "Dune" beauftragt, ein Großprojekt, an dem er nur scheitern konnte.

Sein "Dune" aber hatte das Zeug zum Meisterwerk, das zeigen die vielen Storyboards, die von damals erhalten sind und die in der Dokumentation "Jodorowskys Dune" zu sehen sind. Kein Geringer als Salvador Dalí sollte die Rolle von Imperator Shaddam IV. übernehmen, für 100.000 Dollar pro Minute Leinwandzeit, Pink Floyd die Musik komponieren, H. R. Giger das Setdesign entwerfen. Als bereits zwei Millionen Dollar ausgegeben waren, zogen sich die Produzenten zurück, und Jodorowskys vielleicht bester Film wurde nie gedreht.

Paul Atreides (Timothée Chalamet) steht im Zentrum von "Dune". (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)
Paul Atreides (Timothée Chalamet) steht im Zentrum von "Dune". (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Ein Projekt in guten Händen

Mit Denis Villeneuve hat "Dune" nun einen Regisseur gefunden, der Erfahrung hat mit kostspieligen Großprojekten. Der 1967 in Quebec geborene Filmemacher machte 2010 mit dem Drama "Die Frau die singt - Incendies" auf sich aufmerksam, drehte später den Entführungsthriller "Prisoners" (mit Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal) sowie das geheimnisvolle Psychodrama "Enemy". Mit "Sicario" inszenierte er einen der spannendsten Filme der letzten Jahre, bevor er 2016 schließlich seinen ersten Science-Fiction-Film drehte: In "Arrival" ließ er Außerirdische auf der Erde landen und eine Linguistin mit den Wesen Kontakt aufnehmen. "Arrival", das war einer der ungewöhnlichsten Beiträge zum Science-Fiction, ein Nachdenken über das Sein und die Sprache und gleichzeitig unglaublich fesselnd. Ein Jahr später das nächste Meisterwerk, "Blade Runner 2049", die Fortsetzung von Ridley Scotts Kultfilm und mindestens so groß wie das Original.

"'Dune' ist meine Welt", hat Villeneuve vor ein paar Jahren gesagt. Nicht weniger als ein "'Star Wars' für Erwachsene" wollte er drehen - Ähnliches übrigens erwarteten die Produzenten einst von David Lynch. Villeneuves "Dune" ist tatsächlich ein gigantisches Werk geworden, in dem jedes Bild nur ein Ziel hat: komplette Überwältigung. Die Kamera schwelgt in endlosen Bildern des Wüstenplaneten, der Soundtrack von Hans Zimmer beschwört eine geheimnisvolle Vergangenheit herauf, Timothée Chalamet als Paul Atreides ist hervorragend besetzt. Frank Herberts Roman handelt auch vom fragilen Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt, eine Botschaft, die heute kaum relevanter sein könnte und die Villeneuve in seinem Film aufgreift.

Chani (Zendaya) gehört zum Stamm der Fremen und verliebt sich in Paul Atreides. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)
Chani (Zendaya) gehört zum Stamm der Fremen und verliebt sich in Paul Atreides. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Fortsetzung folgt?

Eigentlich war ein Filmstart für Weihnachten 2020 geplant, doch daraus wurde aufgrund der Pandemie nichts. Am 16. September läuft "Dune" nun endlich an - in Deutschland nur in den Filmtheatern, in den USA parallel zum Kinostart auch beim Streamingdienst HBO Max, der dem Filmstudio Warner gehört. Für Regisseur Villeneuve, den man vor dieser Entscheidung offenbar nicht nach seiner Meinung gefragt hatte, ein Unding. "Hier gibt es überhaupt keine Liebe für das Kino oder fürs Publikum", wetterte er in einem Gastbeitrag für das Branchenblatt "Variety" und schob an anderer Stelle hinterher: "Warner Bros. hat vielleicht das 'Dune'-Franchise getötet."

Mittlerweile scheint sich Villeneuve beruhigt zu haben und gibt sich fest entschlossen, "Dune" fortzusetzen. Denn der Film, der nun in die Kinos kommt, behandelt nur die erste Hälfte von Frank Herberts Roman. Er hätte nie zugesagt, "Dune" zu drehen, wenn er die Handlung des Buches in einen einzigen Film hätte quetschen müssen, sagte der Regisseur im vergangenen Jahr im Interview mit "Vanity Fair": "Diese Welt ist zu komplex." Eine Fortsetzung ist also fest eingeplant, man muss Villeneuve nur lassen. 165 Millionen US-Dollar hat sein Film angeblich gekostet, Geld, das in Corona-Zeiten nicht ganz so leicht wieder eingespielt werden kann. Villeneuve jedenfalls gibt sich zuversichtlich: Schon im kommenden Jahr wolle er mit den Dreharbeiten beginnen, sagte der Regisseur vor wenigen Tagen.

Der Herrscher Leto Atreides (Oscar Isaac) bekommt die Erlaubnis, auf dem Planeten Arrakis das Spice abzubauen. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)
Der Herrscher Leto Atreides (Oscar Isaac) bekommt die Erlaubnis, auf dem Planeten Arrakis das Spice abzubauen. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)
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