DUH wirft Handelsketten "Boykott" bei Rücknahme alter Elektrogeräte vor

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert, dass die Rückgabe von alten Elektrogeräten auch zwei Jahre nach Einführung der Annahmepflicht für Händler noch nicht überall funktioniert. Das hätten Tests in 52 Filialen großer Handelsketten gezeigt

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert, dass die Rückgabe alter Elektrogeräte auch zwei Jahre nach Einführung der Annahmepflicht für Händler noch nicht überall funktioniert. Das hätten Tests in 52 Filialen großer Handelsketten gezeigt, wie der Umweltschutzverein am Montag mitteilte. Bei rund einem Drittel hätten Testbesucher Altgeräte nicht oder erst nach mehrmaligem Beharren abgeben können. In vielen Fällen hätten auch fehlende oder falsche Informationen die Rückgabe erschwert.

Seit dem 24. Juli 2016 können Verbraucher alte Elektrogeräte kostenlos bei Händlern zurückgeben, die Elektrogeräte auf einer Fläche von mindestens 400 Quadratmetern verkaufen. Bei Onlinehändlern gilt die Versand- und Lagerfläche.

"Viele Verbraucher wissen bis heute nicht, unter welchen Voraussetzungen und bei welchen Händlern sie ausgediente Elektroaltgeräte abgeben können", kritisierte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Viele Händler würden die gesetzlichen Regeln "boykottieren" und so die gesetzlichen Sammelquoten unterlaufen. "Stattdessen landen wert- und schadstoffhaltige Elektrogeräte im Restmüll, in der Umwelt oder sie werden im schlimmsten Fall ins Ausland exportiert".

So hätten die Tester in einigen Filialen keine schriftlichen Informationen zur Rückgabepraxis gefunden. Anderswo sagten Mitarbeiter, dass Energiesparlampen keine Elektroaltgeräte seien und im Hausmüll entsorgt werden könnten. Wieder andere sagten, dass Altgeräte nur zurückgegeben werden könnten, wenn Neugeräte gekauft würden. Weitere verlangten bei Lieferung eines Neugeräts unzulässigerweise Gebühren für die Mitnahme des Altgeräts.

Resch kritisierte, dass die Bundesländer die Rücknahmepflicht nicht kontrollierten. Er forderte, dass sie bei Verstößen konsequent Bußgelder verhängen sollen.

Positivbeispiele für reibungslose Rücknahme durch geschulte Mitarbeiter seien die Baumärkte Toom und Obi. Bei Bauhaus, Ikea, Möbel Höffner, Conrad, Globus, Real, Medimax, Toom und Hornbach werde zudem separat auf die Abgabe von alten Energiesparlampen und LED-Lampen hingewiesen. Das ist laut DUH wichtig, da viele Verbraucher nicht wissen, dass es sich dabei ebenfalls um Elektroaltgeräte handelt.

Insgesamt fallen in Deutschland laut DUH etwa 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr an. Wie Zahlen der Stiftung Elektro-Altgeräte Register zeigen, wurde die gesetzliche Sammelquote für Elektroaltgeräte von 45 Prozent für das Jahr 2016 voraussichtlich nicht erreicht. Laut DUH werden jedes Jahr mindestens 400.000 Tonnen Elektroschrott illegal exportiert. Welche katastrophalen Folgen die illegale Entsorgung von Elektroschrott im Ausland hat, zeige der Dokumentarfilm "Welcome to Sodom ? dein Smartphone ist schon hier", der am 2. August 2018 in die deutschen Kinos kommt.