DTM-Rennen Hockenheim 1: Nico Müller gewinnt und vertagt Titelentscheidung

Markus Lüttgens
·Lesedauer: 5 Min.

Nico Müller (Abt-Audi) hat das Samstagsrennen beim Finale der DTM-Saison 2020 auf dem Hockenheimring gewonnen und damit seine Titelchancen gewahrt. Der Schweizer setzte sich in einem umkämpften Rennen mit mehreren Führungswechseln gegen seinen Meisterschaftsrivalen Rene Rast (Rosberg-Audi) durch und verkürzte damit den Rückstand in der Gesamtwertung auf 13 Punkte.

Ergebnisse Hockenheim

Dritter wurde Rasts Teamkollege Jamie Green. Robin Frijns (Abt-Audi), der vor dem Samstagsrennen rechnerisch ebenfalls noch Titelchancen hatte, kam auf auf Rang sieben ins Ziel. Mit nun 56 Punkten Rückstand auf Rast kann er nicht mehr Meister werden.

"Was für ein Krimi!", sagt Müller nach der Zieldurchfahrt. "Die Pace war glaube ich ziemlich ausgeglichen zwischen Rene und mir, aber auch Jamie. Am Ende waren wir ein bisschen stärker, und die wichtigen, wichtigen 25 Punkte sind auf dem Konto. Jetzt voller Fokus auf morgen!"

Duell der Meisterschaftsrivalen prägt das Rennen

Das Duell der beiden Meisterschaftsrivalen, die zusammen aus der ersten Reihe gestartet waren, prägte das gesamte Rennen. Das begann schon beim Start. Müller kam von Startplatz zwei aus etwas besser weg als Polesetter Rast und setzte sich in der ersten Kurve auf der Innenbahn gegen seinen Meisterschaftsrivalen durch.

Nach einer leichten Berührung musste Rast durch die Auslaufzone fahren und verlor damit die Führung. Ein hartes, aber auch nach Ansicht der Rennleitung faires Manöver, welches nur der Auftakt zu einem packenden Zweikampf war.

Nachdem Müller auch nach einem Safety-Car-Restart in Runde 6 die Oberhand behielt, wagte Rast mit Hilfe von DRS und Push-to-pass in der Spitzkehre am Ende der Parabolica mehrmals einen Angriff. In Runde 9 war Rast damit erfolgreich, einen Konter von Müller wehrte er in Runde 13 und 14 an gleicher Stelle ab. Dabei kam es zweimal zu einer Berührung der beiden Autos. "Er fährt am Kurveneingang ständig in mich rein", beschwerte sich Müller am Boxenfunk.

Schlechter Boxenstopp wirft Rast zurück

Das Duell der beiden Audi-Rivalen beruhigte kurzzeitig in Runde 17, als Müller zum Pflichtstopp an die Box kam. Eine Runde später zog Rast nach, doch die Rosberg-Mannschaft verschenkte beim Reifenwechsel einige Sekunden. Dadurch fiel Rast nicht nur hinter Müller, sondern auch hinter den früh gestoppten Frijns und Green zurück.

Allerdings nur kurz. Mit Hilfe des DRS ging Rast an seinen beiden Markenkollegen vorbei und machte sich auf die Jagd nach Müller, der zwischenzeitlich um gut 3,5 Sekunden enteilt war. Rast gelang es, die Lücke innerhalb von fünf Runden zuzufahren. Einen ersten Angriff des Titelverteidiger wehrte Müller in Runde 27 noch ab, einen Umlauf später saugte sich Rast auf der Parabolica vorbei und übernahm die Führung.

Nach einer zweiten Safety-Car-Phase, die nach einem Abflug von BMW-Pilot Timo Glock in der Sachs-Kurve notwendig war, kam es zu einem Schlussspurt über vier Runden. Beim Restart behauptete Rast zunächst die Spitze, zwei Runden vor dem Rennende ging Müller aber vor der Haarnadelkurve vorbei und ließ sich die Führung bis ins Ziel nicht mehr abnehmen - auch weil Rast nicht richtig über die Anzahl der noch zu fahrenden Runden informiert war.

Rast: Da ist allerhand schief gelaufen

"Das war kein gutes Rennen. Da sind einige Dinge schief gelaufen", sagt Rast. "Ich hätte gewinnen können, wenn ich gewusst hätte, dass die letzte Runde bereits lief. Als ich die Start-Ziel-Linie überfuhr, habe ich auf die Anzeige geschaut – und da stand: noch zwei Runden. Ich habe also Nico absichtlich nicht überholt, weil ich in der letzten Runde DRS und Push-to-pass haben wollte."

"Dann war ich so schockiert, als ich über Start-Ziel fuhr und das Rennen vorbei war. In der Runde davor hatte es geheißen, dass es noch zwei Runden geht. Ich weiß nicht, was da schief gelaufen ist, aber das hat uns heute den Sieg gekostet", so Rast.

"En unglaubliches Rennen bis zur Zielflagge. Es war ein sehr harter Kampf zwischen Nico und Rene - manchmal vielleicht ein bisschen zu hart, aber noch okay", beurteilt Audi-Motorsportchef Dieter Gass das Duell seiner Piloten. "Für das Finale morgen hätte es nicht besser enden können. Es ist noch alles offen, beide können noch die Meisterschaft gewinnen." Mit 13 Punkten Vorsprung ist dabei aber Rast klar im Vorteil. Ein zweiter Platz hinter Müller würde ihm im letzten Saisonrennen für DTM-Titel Nummer drei reichen.

Strafe kostet Rockenfeller Rang fünf

Mit Rang drei fuhr Green zum zweiten Mal in dieser Saison und zum ersten Mal seit dem Auftaktrennen Anfang August in Spa-Francorchamps auf das Podium. Allerdings hätte der Brite unfreiwillig fast noch in den Titelkampf eingegriffen. Zwei Runden vor den Rennende fuhr er seinem Teamkollegen Rast am Ausgang der Haarnadelkurve leicht ins Heck. Die Berührung blieb aber folgenlos.

Vierter wurde Loic Duval (Phoenix-Audi), auf Rang fünf kam sein Markenkollege Mike Rockenfeller ins Ziel. Gegen ihn verhängte die Rennleitung allerdings eine Zeitstrafe von 0,3 Sekunden, weil er in der letzten Rennrunde Jonathan Aberdein abgedrängt hatte.

Startcrash eliminiert Wittmann und Newey

Dadurch wurde der Südafrikaner als bester BMW-Pilot auf Rang fünf und Rockenfeller auf Rang sechs gewertet. Frijns, Robert Kubica (ART-BMW), Philipp Eng und Sheldon van der Linde (beide RBM-BMW) komplettierten die Top 10.

Für Marco Wittmann (RMG-BMW) und Harrison Newey (WRT-Audi) war das Rennen bereits in der ersten Kurve beendet. Ausgelöst wurde die Kollision durch einen schlechten Start von Kubica, der auf dem Weg in Richtung Kurve 1 zwischen Newey und Wittmann eingeklemmt wurde.

Wittmann zog zu früh nach innen, berührte das Auto von Kubica und wurde von dort aus in das Auto von Newey gedreht. Während der Pole nach der Kollision weiterfahren konnte, landeten die Autos von Newey und Wittmann in Reifenstapel.

Mit Bildmaterial von Audi.