DTM 2021 auf der Nordschleife? Nürburgring irritiert

Sven Haidinger
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Die Überraschung war groß, als die DTM in ihrer Online-Präsentation bei der Vorstellung des Kalenders für die Saison 2021 plötzlich neben den zwei Nürburgring-Varianten Sprint- und Grand-Prix-Strecke auch die legendäre Nordschleife als mögliches Layout nannte. Für viele Fans und Piloten würde ein Traum in Erfüllung gehen, wenn die DTM tatsächlich von 20. bis 22. August über die 20,832 Kilometer lange Kultstrecke geleitet wird.

Einziges Problem: Beim Nürburgring weiß man nichts davon! "Das war mit uns nicht abgestimmt", zeigt sich ein Sprecher der Nürburgring 1927 GmbH im Gespräch mit 'Motorsport.com' von der Präsentation irritiert. "Wir haben für nächstes Jahr die Sprintstrecke im Kalender stehen. Das steht erstmal fest."

Dazu kommt, dass sich auch das Interesse an einem Wechsel auf die Nordschleife in Grenzen hält, wie der Nürburgring-Sprecher festhält: "Insbesondere durch Corona stehen gerade andere Themen im Fokus. Hierzu gehört nicht, die DTM auf der Nordschleife fahren zu lassen."

Berger: Streckenvarianten noch nicht klar

Dabei hatte DTM-Boss Gerhard Berger in der Pressekonferenz noch gemeint, man befände sich "in der Diskussion", welche Streckenvariante man 2021 nutzen wolle, habe "aber noch keine endgültige Lösung dafür". Eine Diskussion, die man offenbar nicht mit den Betreibern des Nürburgrings geführt hat.

Ursprünglich war es Bergers Idee gewesen, den Großteil des Rennens auf dem normalen Kurs zu fahren und nur die letzte Runde als Highlight über die Nordschleife zu führen. Davon scheint der Österreicher aber nun abgekommen zu sein: "Das war mal ein Plan mit der letzten Runde, aber entweder macht man ein Rennen auf der Nordschleife oder wir fahren auf dem Grand-Prix-Kurs oder auf der kurzen Strecke."

Man habe bei der Entscheidung aber "keinen Zeitdruck. Wir haben jetzt den Kalender raus, wir fahren zum Nürburgring und wir werden uns in den nächsten Monaten ganz in Ruhe die Themen anschauen, das Für und Wieder abwägen und dann entscheiden."

DTM-Rennen im August wäre äußerst kostspielig

Eines ist aber jetzt schon klar: Sollte es tatsächlich dazu kommen, was aus derzeitiger Sicht unrealistisch ist, dann wäre ein DTM-Rennen auf der Nordschleife äußerst kostspielig. Das liegt an der Streckenmiete der durch die Eifel führenden Kultstrecke, die nur in Kombination mit dem normalen Kurs nutzbar ist. Dadurch wäre auch die Organisation deutlich aufwändiger: Für ein Rennwochenende würde man 450 bis 500 Streckenposten benötigen.

Und auch das Timing wäre ungünstig: Wenn man die Nordschleife mieten will, dann ist der August einer der teuersten Monate, da man die gerade am Wochenende beliebten Touristenfahrten absagen müsste. Diese stellen eine wichtige Einnahmequelle für die Betreiber dar.

Auch vertraglich wirft die DTM-Präsentation Fragen auf: Denn als sportlicher Ausrichter hat die DTM-Dachorganisation ITR ab 2021 den AvD nominiert, während der Nürburgring einen Vertrag mit dem ADAC Nordrhein als sportlicher Ausrichter besitzt. Wie die Angelegenheit gelöst wird, ist aktuell unklar.

Mit Bildmaterial von Audi.