Dschihadisten-Witwen: Der schwere Weg nach Hause

Was wird aus Frauen, deren Männer auf Seiten der Miliz Islamischer Staat kämpften und dabei ihr Leben ließen? euronews-Reporter Hans von der Brelie ist nach Bosnien und Herzegowina gefahren. In Lepenica, einem Dorf im Norden des Landes, besuchte er Alema Dolamic. Ihre Schwester war mit einem IS-Kämpfer verheiratet, der sie mit nach Syrien nahm. Dort kam der Mann ums Leben, Alemas Schwester lebt heute in Syrien mit anderen Witwen unter einem Dach – wo genau, ist unbekannt.

„Im ersten Augenblick war ich völlig schockiert und sehr überrascht. Ich konnte es fast nicht glauben“, so Dolamic. „Vorher hat meine Schwester Syrien nie erwähnt. Das war mitten im Krieg. Sie hat sogar ihr achtjähriges Kind mit nach Syrien genommen. Ich glaube, meine Schwester ist stark von ihrem neuen Ehemann beeinflusst worden. Die bosnischen Eltern ihres Mannes arbeiteten in Österreich, er wurde dort geboren, er war in Österreich gemeldet. Meine Schwester hat ihn über Facebook kennengelernt, sie haben im Januar 2014 geheiratet und schon im Oktober desselben Jahres sind sie nach Syrien gereist“, sagt sie.

Alemas Schwester hat zwei Kinder in Syrien zur Welt gebracht. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen dem Roten Kreuz und den Regierungen der Ursprungsländer der Dschihadisten-Witwen. Wann und wie könnte man die Frauen nach Hause holen? Übers Internet hält Alema Kontakt zu ihrer Schwester. Und sie spricht mit den bosnischen Behörden. Seit einem halben Jahr bemüht sich Alema in Vollzeit um die Heimkehr ihrer Schwester.

„Ihr Mann ist im Februar 2017 in Syrien umgekommen“, erzählt Dolamic. „Es ist eine Regelung des sogenannten Islamischen Staates, dass jede Frau, die ihren Mann verloren hat, in einem speziellen Haus untergebracht wird, einer sogenannten Moudafa. Dort werden Witwen von Dschihadisten einquartiert, sie müssen dann einen anderen Mann heiraten. Jemand holt sie ab, nimmt sie mit, dann müssen sie heiraten, ablehnen dürfen sie das nicht. Glücklicherweise ist das meiner Schwester nicht passiert, sie hat einen Ausweg gefunden. Im September 2017 habe ich eine Nachricht meiner Schwester bekommen, in der sie schrieb, dass sie einen Mann getroffen habe, der ihr bei der Flucht helfen wollte. Doch dafür brauchte sie Geld. Sie hat mich um Unterstützung gebeten - ich habe ihr geholfen. In ihren Nachrichten schreibt sie, dass sie sich schuldig fühle, nach Syrien gegangen zu sein, sie bedauert zutiefst, was passiert ist. Sie würde gerne nach Hause kommen und wieder ein normales Leben führen“, berichtet Dolamic.