Nachhaltigkeits-VCs investieren Millionen in dieses Berliner Drohnen-Startup

Das Saatgut, das von der Drohne getragen wird, kann in dosierten Portionen über Waldgelände verteilt werden.
Das Saatgut, das von der Drohne getragen wird, kann in dosierten Portionen über Waldgelände verteilt werden.

Vor rund zwei Jahren wurde Australien von verheerenden Buschbränden heimgesucht. Überall im Land wüteten Feuer, besonders an der Ostküste. Mehr als 24 Millionen Hektar nahmen die Brände ein. Übrig blieben zerstörte Landschaften, die nun wieder aufgeforstet werden sollen. Diverse Förderprogramme arbeiten dabei mit Saatdrohnen, um verbrannte Gegenden mit Samen von beispielsweise Eukalyptusbäumen wiederzubeleben.

Ein ähnliches Konzept verfolgt das Berliner Startup Skyseed. Denn auch Deutschland hat ein Dürreproblem: Allein zwischen 2018 und 2021 sind einer Untersuchung des Deutschen Luft- und Raumfahrtverbands zufolge 501.000 Hektar Wald aufgrund der anhaltenden Trockenheit zerstört worden. Umgerechnet sind das über 700.000 Fußballfelder. „So kann es definitiv nicht weitergehen“, sagt Ole Seidenberg im Gespräch mit Gründerszene. Er ist einer der drei Gründer des Berliner Startups, das hierzulande brachliegende Waldflächen mit Drohnen aufforsten will.

Neben Better Ventures investieren auch Waldbesitzer

Dafür hat das Startup im Rahmen einer Seed-Finanzierung nun zwei Millionen Euro erhalten. Angeführt wird die Runde von der nachhaltigkeitsorientierten VC-Firma Wi Venture, Rivus Capital sowie Better Ventures. Hinter dem Angel-Club Better Ventures steckt unter anderem der Kartenmacherei-Gründer Christoph Behn sowie der Signavio-Gründer Nicolas Peters. Neben kleineren VC-Firmen wie CK Venture von Conny Hörl und Katja Ruhnke haben sich auch einige Business Angels beteiligt: darunter Frederik Pfisterer, Gründer des Fintech-Unicorns Mambu und von Solarize sowie Benjamin Minack, Gründer der Agentur Ressourcenmangel. Auch Waldbesitzer wie Lucas von Fürstenberg und Gabriel von dem Bussche haben mit investiert.

Das Startup baut Drohnen, die etwa doppelt so groß sind wie die kleinen Filmdrohnen, die beispielsweise Urlauber nutzen. Das Fluggerät transportiert eine durchsichtige Box, worin sich Saatgut befindet, das in dosierten Portionen über Waldgelände geflogen werden kann. Ein Drohnenpilot steuert das Gerät über einen Mini-Computer. Entweder händisch oder per Befehl: Die Software gibt beispielsweise vor, wie hoch und weit die Drohne fliegen darf und welche Route sie fliegen soll. In größeren Waldgebieten kann der Pilot obendrein vorgeben, ab welcher Koordinate das Fluggerät automatisch den Rückflug antreten soll.

25.000 Euro Kosten pro Drohne

Billig ist das Ganze mit 25.000 Euro pro Drohne nicht. Eine allein kostet in der Anschaffung etwa 15.000 Euro, so Seidenberg. Die Aufrüstung mit zusätzlichen Akkus, Stativen, der Samen-Behälter und Co. weitere 10.000 Euro. Das Startup baut die Drohnen nicht selbst, sondern kauft sie von Drittanbietern – und stattet sie mit einer eigenen Software aus. Zurzeit seien zwei Drohnen im Einsatz. Mit diesen habe Skyseed seit der Gründung Anfang 2021 mehrere Hektar Land besät – und erstes Geld generiert. Zuletzt bezahlte sie ein Forstamt nahe Freiburg sowie ein privaten Waldbesitzer im Sauerland.

Das Skyseed Gründertrio: Ole Seidenberg, Dominik Wind und sein Bruder Simon Wind.
Das Skyseed Gründertrio: Ole Seidenberg, Dominik Wind und sein Bruder Simon Wind.

Die Kunden leihen nicht die Drohnen aus, sondern zahlen für die Dienstleistung. Zuletzt seien das etwa ein Forstamt nahe Freiburg sowie ein privater Waldbesitzer im Sauerland gewesen, sagt der Gründer. In der Regel kostet ein aufgeforsteter Hektar zwischen 2.000 und 6.000 Euro. Im Preis enthalten ist unter anderem die Beratung, bei der sich Mitarbeitende des Startups den Wald vor Ort anschauen und gemeinsam mit dem Kunden entscheiden, welches Saatgut sich für den Aufbau eines Mischwaldes eignen würde. Die Samen bestellt Skyseed von einem Händler. Die Kosten pro Hektar würden so stark variieren, da die Preise für Agrarrohstoffe wie Saatgut derzeit enormen Schwankungen unterworfen seien, sagt Seidenberg.

Mithilfe der Skyseed-Drohnen soll die Wiederbewaldung einfacher und schneller vonstatten gehen. In der Regel werden die Setzlinge händisch in den Boden gesteckt, meist Hunderte davon. Die Pflanzen würden in Baumschulen gezüchtet und oftmals aufgrund ungewohnter Bedingungen wie beispielsweise Wassermangel im Wald häufig nicht überleben. Die Fluggeräte können indes in kurzer Zeit großflächige Gebiete mit Samen bestücken – und können sich von Beginn an an das Terrain anpassen. Obendrein würden sie das Unfallrisiko minimieren, da gefährliche Waldflächen wie Steilhänge für Menschen nur schwer zugänglich seien, so Seidenberg.

Selbst die Ampel-Regierung bringt im aktuellen Koalitionsvertrag zum Ausdruck, dass sie Saatdrohnen fördern will. Ob der Bund die Maßnahmen tatsächlich einleiten wird, ist noch unklar.

Startup stellt außerdem eigene Palettierung für Saatgut her

Neben dem Drohnengeschäft hat Skyseed eine eigene Palettierung für das Saatgut entwickelt, die eigenen Angaben zufolge nur aus organischen Materialien besteht – und auf schädlichen Kunststoff verzichtet. Diese Art Hülle ummantelt jedes einzelnes Saatkorn und schützt vor Insekten und Vögel, die die millimetergroßen Körner sonst auffressen würden. Außerdem soll die Schicht mehr Wasser speichern und den einzelnen Samen besser vor Frost schützen, erklärt Seidenberg. Fängt das Saatkorn im Frühling schließlich an zu keimen, quellt die Ummantelung auf und wird kompostiert.

Die Idee für Skyseed hatten Seidenberg und die beiden Brüder Dominik Wind und Simon Wind. Derzeit beschäftigen sie acht Mitarbeiter. Das Gründertrio arbeitete vorher für eine Agentur, die mittelständische Firmen und Konzerne im Bereich Nachhaltigkeit berät. Doch irgendwann seien sie mit ihren Vorschlägen auf taube Ohren gestoßen und starteten mit ihrer Drohnen-Firma daher ein eigenes Projekt.

Der Artikel erschien im April 2022 und wurde aufgrund der aktuellen Finanzierung aktualisiert.

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