Drohender Abschied: Das ist Reals Plan mit Ronaldo

Maximilian Lotz

Die verbale Streicheleinheit für Cristiano Ronaldo kam von höchster Stelle.

"Cristiano ist ein guter Typ, den ich immer verteidigen werde - als Fußballer und als Person", sagte Real Madrids Präsident Florentino Perez im Radiointerview mit Onda Cero.

Diese Rückendeckung hatte Ronaldo nach Bekanntgabe der Steuerermittlungen gegen ihn zuletzt vermisst - was ihn dazu veranlasst hatte, seinen Abschied von Real anzukündigen. "Ich verlasse Real Madrid. Ich habe eine Entscheidung getroffen. Es gibt kein Zurück mehr", wurde Ronaldo in der Marca zitiert.

Real-Präsident Perez redet Klartext

Geht es nach Präsident Perez, ist die Sache ebenfalls entschieden - allerdings genau andersherum: "Ronaldo ist ein Spieler von Real Madrid und wird es auch bleiben", sagte der 70-Jährige am Dienstag der Marca.

Ronaldo selbst hüllte sich zuletzt öffentlich in der Angelegenheit in Schweigen und konzentriert sich stattdessen beim FIFA Confederations Cup mit Europameister Portugal rein aufs Sportliche.

Spätestens am 31. Juli muss er sich wieder äußern. Dann soll er vor der ersten Kammer seines Heimatorts Pozuela de Alarcon Stellung zu den Vorwürfen der Steuerhinterziehung in Höhe von 14,7 Millionen Euro nehmen. Ronaldo droht eine siebenjährige Haftstrafe.


"Wir alle müssen unseren steuerlichen Pflichten nachkommen, aber ich habe keine Zweifel bei Cristiano. Er hat nichts verheimlicht", sagte Perez nun - und übte Kritik an den spanischen Medien: "Die Unschuldsvermutung wurde nicht respektiert. Darüber ist er sauer, das weiß ich."

Gutes Verhältnis zu Ronaldo

Perez stellte sich nun demonstrativ vor seinen Schützling - aber reicht das, um Ronaldo vom Bleiben zu überzeugen?

Natürlich wolle er auch noch persönlich nach dem Confed Cup das Gespräch mit Ronaldo suchen, kündigte Perez an: "Nach acht Jahren habe ich eine gute Beziehung zu ihm. Er identifiziert sich sehr mit dem Klub. Cristiano ist keiner, mit dem man ein Geschäft macht."

So wie 2012, als Perez den abwanderungswilligen Superstar mit einer Gehaltserhöhung zum Bleiben überreden konnte, gibt sich das Vereinsoberhaupt der Königlichen auch jetzt gelassen.

Zum einen, weil er Alternativen hat: Aus den eigenen Reihen ist der erst 21-jährige Marco Asensio auf dem besten Weg zum Superstar. Seinem Tor im Champions-League-Finale gegen Juventus ließ er einen Dreierpack in Spaniens Auftaktspiel bei der U-21 EM folgen.


Auch Isco oder James Rodriguez können auf der offensiven Außenbahn wirbeln.

Dass Letztere vor dem Abschied stehen sollen, verneinte Perez jüngst. Es gebe keine Angebote - im Übrigen auch nicht für Ronaldo. Weder von Paris Saint-Germain, noch von Manchester United.

Ronaldos Optionen schwinden

Der englische Rekordmeister steht jüngsten englischen Medienberichten zufolge einer Verpflichtung des viermaligen Weltfußballers eher skeptisch gegenüber. Trainer Jose Mourinho habe schon Ende der vergangenen Saison Geschäftsführer Ed Woodward eine Liste seiner Wunschspieler übermittelt - ohne Ronaldos Namen.

Das hohe Alter des mittlerweile schon 32-Jährigen sowie die komplizierten Wechselmodalitäten schrecken United offenbar ab.


Zwar würde die utopische Ausstiegsklausel in Höhe von einer Milliarde Euro wohl nicht zum Tragen kommen, aber selbst die gehandelten 200 Millionen Euro könnten nur ganz wenige Klubs zahlen.

Wohl noch nicht einmal PSG. Aufgrund der Katar-Krise bekäme der Scheich-Klub wohl nicht genügend Geld von seinem Hauptsponsor Qatar Investment Authority zur Verfügung gestellt.

Auch deshalb gibt man sich bei Real gelassen. Ronaldos Vertrag läuft noch bis 2021. "Cristiano ist eine Person, die Dinge einhält. Wenn er gehen will, dann nicht des Geldes wegen", glaubt Perez.

Wie man Ronaldo damit aber auch einen Verbleib schmackhaft machen kann, weiß Perez nur zu gut.