Drohende Evergrande-Pleite in China lässt auch deutsche Zulieferer für E-Autos zittern

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Die drohende Pleite des chinesischen Konzerns Evergrande betrifft nicht nur die Immobiliensparte des Unternehmens. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern auch in andere Branchen investiert. Neben Versicherungen, Mineralwasser und Fußball gehört auch eine E-Auto-Sparte zu den breit aufgestellten Unternehmungen, die „China Evergrande New Energy Vehicle Group“ angestellt hatte. Dass in Folge der finanziellen Schieflage nun ein Verkauf der Autosparte im Raum steht, hat auch Folgen für deutsche Automobilzulieferer. Denn wie die „Wirtschaftswoche“ (WiWo) berichtet, hatte Evergrande schon 2019 mit der deutschen Hofer-Gruppe das Gemeinschaftsunternehmen Evergrande Hofer Powertrain gegründet, um Produktionskapazitäten aufzubauen. Und das Münchener E-Auto-Startup will in den schwedischen Fabriken der National Electric Vehicle Sweden (NEVS) produzieren – seit Ende 2020 ist NEVS eine Evergrande-Tochter.

Dabei habe Evergrande-Gründer Xu Jiayin eigentlich große Pläne für den E-Auto-Ableger gehabt. Bis 2025 sollte die New Energy Vehicle Group zum größten und stärksten E-Auto-Anbieter der Welt werden, heißt es laut "WiWo", mit jährlich einer Million verkaufter Autos. Zum Vergleich: Tesla hat im Jahr 2020 weltweit knapp 500.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Auch bei den Modellen wollte Evergrande den Marktführer aus den USA überholen und 15 neue Modelle herausbringen.

Hofer-Gruppe sollte Evergrande helfen, Produktionskapazitäten aufzubauen

Passiert sei davon allerdings wenig. Auf der Automesse in Shanghai dieses Jahr präsentierte Evergrande Automotive zwar neun neue E-Modelle, in Serie wird laut "WiWo" bisher aber keines davon gebaut. Die Aktivitäten der E-Auto-Sparte beschränken sich bislang also auf den Einstieg in andere Unternehmen wie vorübergehend beim E-Auto-Startup Faraday Future, den Zukauf der schwedischen Automarke Saab und die Kooperation mit der deutschen Hofer-Gruppe.

Die Hofer-Gruppe sollte Evergrande eigentlich dabei helfen, Produktionskapazitäten aufzubauen. Mitte 2019 ging daraus das Joint Venture Evergrande Hofer Powertrain mit Firmensitz in Berlin hervor, an dem der chinesische Großkonzern zwei Drittel der Anteile hält, berichtet "WiWo". Ziel des Gemeinschaftsunternehmens sei es, eine von Hofer entwickelte Antriebseinheit, die Electric Drive Unit, zu industrialisieren und 15.000 Stück davon zu produzieren. Auch das sei bisher allerdings ausgeblieben.

Wie es angesichts der möglichen Evergrande-Pleite weitergehe, sei unklar. Auch ein Sprecher habe das gegenüber der "WiWo" offengelassen und lediglich erklärt, dass das Joint Venture „offen für weitere Partnerschaften“ sei – bereit, weitere Ingenieurs-, Industrialisierungs- und Produktionsprojekte anzunehmen. Das dürfte auch nötig sein. Denn laut der letzten verfügbaren Bilanz von 2019 belaufen sich die Verbindlichkeiten des Unternehmens auf 56,2 Millionen Euro.

Sono Motors will bei Evergrande-Tochter NEVS in Schweden produzieren

Neben der Hofer-Gruppe dürfte auch das Münchener E-Auto-Startup Sono Motors einen bangen Blick auf den kriselnden chinesischen Konzern werfen. Das Unternehmen baut Elektroautos mit Solardächern und will sein erstes Modell, den Sion, in der ehemaligen Saab-Fabrik im schwedischen Trollhättan produzieren lassen, heißt es laut "WiWo". Die Fabrik gehört aber dem Nachfolgeunternehmen von Saab, der National Electric Vehicle Sweden. Und die wiederum war Ende 2020 vollständig von Evergrande übernommen worden – für bis zu zwei Milliarden Dollar.

Dabei ist Sono Motors laut "WiWo" nach langer Entwicklungszeit aktuell auf der Zielgeraden in Richtung Serienproduktion und hatte gerade erst neues Kapital eingesammelt. Beim Startup gebe man sich trotz der Evergrande-Turbulenzen zuversichtlich, dass die Produktion des Sion von etwaigen Restrukturierungen bei NEVS unberührt bleiben werde. Bei den Vorbereitungen der Serienproduktion ab 2023 laufe alles nach Plan, sagte das Unternehmen der "WiWo".

sb

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