Jeder Dritte ist unglücklich in seinem Job. Warum die Kündigung nicht der einzige Ausweg ist

Auch diesem Herrn sei gesagt: Kündigung ist nur ein Weg. Zufrieden werden im Job kann man auch anders. - Copyright: Lawrence Manning/ Getty
Auch diesem Herrn sei gesagt: Kündigung ist nur ein Weg. Zufrieden werden im Job kann man auch anders. - Copyright: Lawrence Manning/ Getty

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte die Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey eine Studie über die Jobzufriedenheit der Europäer. Besser: Die JobUNzufriedenheit. Knapp ein Drittel der 16.000 befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, rund 1.300 davon aus Deutschland, gaben an, aktuell über einen Jobwechsel nachzudenken. Und das trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage, der stetig eingehenden Berichte von Firmen, die hunderte Mitarbeiter auf einen Schlag entlassen.

Dazu kommen dann noch eine erschreckend große Menge von Menschen, die nicht planen, ihren Job zu kündigen, aber so unzufrieden sind, dass sie nicht mehr bereit sind, hundert Prozent zu geben. Das Phänomen des "Quiet Quittung", das im vergangenen Jahr medial groß die Runde gemacht hat, ist real und die Studienbetreiber von McKinsey haben auch das berücksichtigt: Europaweit 21 Prozent derer, die angeben, nur noch ein geringes Engagement für ihren aktuellen Job aufbringen zu können, haben nicht vor tatsächlich zu gehen, sind also Quiet Quitter. „Wenn ein Drittel ausscheidet und ein Fünftel der Verbleibenden unzufrieden ist, sind das 44% der Belegschaft, die unmotiviert sind“ rechnen die Berater von McKinsey vor.

Was können Arbeitgeber machen?

Speziell in Deutschland seien die drei wichtigsten Gründe für die akute Wechselwilligkeit laut der Studie unzureichende Vergütung (39%), Unzufriedenheit mit Führungskräften (36%) und Mangel an beruflicher Entwicklung und Beförderung (34%). Der wichtigste Grind für den Verbleib am Arbeitsplatz hingegen sei, logisch eigentlich, eine angemessene Vergütung (50%). Darüber hinaus hielten aber auch Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft im Team (39%) und die Möglichkeit, flexible Arbeitsmodelle zu leben (38%) Leute bei der Stange.

Laura Venz ist Juniorprofessorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Leuphana Universität in Lüneburg und beschäftigt sich häufig mit der Frage, wie Arbeit gestaltet werden kann, damit Menschen glücklich sind. Arbeitgeber könnten daran etwas drehen, sagt sie. Vor allem, in dem sie sich auf das Thema einlassen und sich überhaupt mal fragen würden: 'Wie geht es Euch eigentlich?' Entsprechend sagt Venz: „Eine anonyme Mitarbeiterbefragung ist ein gutes Mittel, ein allgemeines Stimmungsbild einzuholen.” Und nicht nur das: Oft würden so etwas oder auch fixe, halbjährige Rückmeldegespräche als Wertschätzung empfunden.

Und weil Wertschätzung so wichtig sei, dürfe nach einer solchen Befragung dann ruhig auch kurzfristig und fast schon symbolisch mit einem kleinen Neujahrs-Geschenk oder Ähnlichem reagiert werden. „Ein Zeichen, dass man erkannt hat, dass es Unzufriedenheiten gibt, ist immer gut”, so Venz. Allerdings sollte es nicht allein dabei bleiben: „Ein Präsent als Zeichen der Wertschätzung wird kontraproduktiv, wenn dem nichts folgt, was die Zustände tatsächlich verändert.” Also: Gespräche, Workshops und idealerweise Input von außen. Denn externe Coaches können ehrlicher Feedback geben und werden auch besser gehört und verstanden als Leute aus dem eigenen Betrieb.

Was können Arbeitnehmer tun?

Anne Kipple gibt Coachings für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Sie berät oft Menschen, die sagen: "Am liebsten möchte ich kündigen, irgendwie scheint mir das der einzige Weg aus meiner Misere". Das sei meist vorschnell, so die Coachin. „Da haben wir das Denken unserer Konsumgesellschaft im Kopf: Gefällt mir nicht mehr – also weg und Neues her.” Das funktioniere nur bei Jobs nicht, sagt die Expertin. Während neu kaufen bequem sei, könne neu anfangen eine Herausforderung bedeuten. Da vielen das bei genauerem Nachdenken auch bewusst ist, folgt der Idee „Ich kündige” oft – nichts. Und das sei auch gut so, findet Kipple. Denn die Chancen auf Zufriedenheit im alten Job stehen gut, wenn man an sich selbst arbeitet.

Der erste Schritt, so die Expertin, sei es, das Gefühl der Jobunzufriedenheit zu konkretisieren: Was genau stört? Ärger mit den Kollegen? Monotone Aufgaben? „In einigen Fällen stellt sich an diesem Punkt heraus, dass die empfundene Unzufriedenheit einen anderen Ursprung als die Arbeit hat. Das sind oft sonstige, private Probleme, die man auf den Job-Haufen wirft.”

Der nächste Schritt sei ein Soll-Ist-Abgleich: Wie wünsche ich mir meine Arbeit, mit der ich zufrieden sein kann? Die Antworten darauf sind generations- und persönlichkeitsabhängig, so Kipple. Und dann kann man sich fragen: Und was muss ich tun, das zu erreichen? Die Antwort, so die Coachin, sei häufig: Kommunikation. Aus- und ansprechen, was man will. Mit dem Chef über Weiterentwicklung sprechen. Mit den Kollegen den Dauerzwist thematisieren – dazu muss bisweilen die eigene Komfortzone verlassen werden, oder Hilfe in Anspruch genommen werden, aber das ist zielführend.

Auch Änderungen des eigenen Verhaltens helfen: „Was mache ich, wie ernähre ich mich, wie bewege ich mich, wie tue ich mir gut? Wie gehe ich mit mir um, was ist mein Zeitmanagement?” Manches davon mag klein und trivial klingen, wichtig aber sei zu erkennen: Jeder hat es selbst in der Hand, wie zufrieden er oder sie ist.