RKI: «Gravierende Folgen, wenn wir nicht gegensteuern»

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«Bitte verreisen Sie möglichst nicht, weder im Inland noch ins Ausland»: RKI-Chef Lothar Wieler.
«Bitte verreisen Sie möglichst nicht, weder im Inland noch ins Ausland»: RKI-Chef Lothar Wieler.

Das Robert Koch-Institut warnt die Bevölkerung in Deutschland vor In- und Auslandsreisen. Unterdessen kippt die Stimmung in der Bevölkerung - aber nicht gegen konsequente Corona-Maßnahmen.

Berlin (dpa) - Das Robert Koch-Institut hat vor einer gefährlichen dritten Welle in der Pandemie gewarnt und um einen Reiseverzicht zu Ostern gebeten.

«Es gibt sehr deutliche Signale, dass diese Welle noch schlimmer werden kann als die ersten beiden Wellen», sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass wieder mehr Menschen schwer erkranken, dass Kliniken überlastet und dass viele Menschen auch sterben werden.»

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Das Impfen allein könne diese Entwicklung noch nicht aufhalten. Für die Osterzeit empfahl Wieler nur Treffen im engsten Familienkreis - und sonst mit Maske am besten draußen. «Bitte verreisen Sie möglichst nicht, weder im Inland noch ins Ausland.» Bisher habe Umsicht eine viel schlimmere Situation verhindern können. «Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Und wenn wir nicht sofort gegensteuern, dann werden die Folgen gravierend sein. Da ist sich die Wissenschaft einig», sagte Wieler.

Aktuelle Umfrage

Einer aktuellen Umfrage zufolge sind gut ein Drittel der Menschen in Deutschland für härtere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie.

In einem ZDF-«Trendbarometer» der Forschungsgruppe Wahlen befürworteten 36 Prozent der Befragten rigidere Mittel, 26 Prozent halten die aktuellen Maßnahmen dagegen schon für übertrieben. 31 Prozent sagten, die Regeln seien gerade richtig.

Die inzwischen wieder gekippte Osterruhe bezeichneten 54 Prozent als «nicht richtig», 41 Prozent stuften sie dagegen als «richtig» ein.

Mehr als 10 Prozent der Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft

Etwas mehr als 10 Prozent der Menschen in Deutschland haben mindestens die erste Dosis der Corona-Impfung erhalten. Insgesamt seien mehr als 12 Millionen Dosen verabreicht worden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Die zweite Dosis haben bereits 4,4 Prozent der Menschen bekommen, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts von Freitagmorgen hervorgeht.

Im April werden 15 Millionen Impfdosen erwartet, sagte Spahn. Das seien mehr, als im ganzen ersten Quartal verimpft worden seien. Das mache deutlich, "wie die Impfkampagne an Dynamik gewinnen kann und gewinnen wird". Alle aus der 2. Prioritätsgruppe - unter anderem Menschen ab 70 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen und bestimmte Berufsgruppen - sollten nun in die Impfkampagne einbezogen werden.

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Spahn wies darauf hin, dass die Impfungen bei älteren Menschen schon deutlich Wirkung zeigen. So sei die 7-Tage-Inzidenz bei Menschen über 80 Jahren von über 290 Anfang Januar auf jetzt 55 gefallen. Am aktuellen Infektionsgeschehen seien sie "unterdurchschnittlich" beteiligt. Auch die Corona-Ausbrüche in den Pflegeheimen seien deutlich zurückgegangen, von über 370 pro Woche Ende des vergangenen Jahres auf aktuell weniger als 20 pro Woche.

Spahn mahnt Länder: Corona-'Notbremse' konsequent umsetzen

Spahn hat angesichts steigender Corona-Infektionszahlen weiter zu Vorsicht auch für die Osterzeit gemahnt. Er appelliere an die Länder, die vereinbarte "Notbremse" bei hohem Infektionsgeschehen konsequent anzuwenden, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Die Bürger bitte er, sich an Ostern sowie davor und danach idealerweise nur draußen mit anderen zu treffen. Das Eindämmen von Ansteckungen bleibe auch bei anziehenden Impfungen wichtig. "Je höher die Inzidenz, desto weniger hilft das Impfen, um die Zahlen zu drücken."

Spahn erläuterte, momentan stiegen die Zahlen zu schnell, und die ansteckenderen Virusvarianten machten die Lage besonders gefährlich. "Wenn das so ungebremst weitergeht, laufen wir Gefahr, dass unser Gesundheitssystem im Laufe des April an seine Belastungsgrenzen kommt." Die Zahl der Intensivpatienten in Kliniken steige schon stärker.

Dieses Osterfest sei noch nicht wieder so zu gestalten wie gewohnt, sagte der Minister. Deutschland sei wahrscheinlich "im letzten Teil dieses Pandemie-Marathons" angekommen. Das Ziel sei in Sicht, aber eben noch ein ganzes Stück weg. "Gerade im letzten Teil des Marathons wirkt nicht selten jeder weitere Schritt wie eine Tortur." So gehe es vielen in dieser Phase.

Die von Bund und Ländern vereinbarte "Notbremse" sieht vor, Öffnungen zurückzunehmen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region oder einem Land an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100 steigt. Diese Zahl der neuen Fälle pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen stieg bundesweit weiter auf 119,1, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag bekannt gab.

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