Dress for Success


Es klingt wie ein billiger Mode-Slogan oder eines der vielen Internet-Start-ups, die Shopping-Muffeln das Outfit für den Job fertig zusammengestellt vor die Haustür liefern. Das war auch meine Vermutung, als ich bei dem Dinner zum 100-jährigen Bestehen der Zeitschrift Forbes neben dem operativen Vorstandsmitglied (COO) Wendy Longwood saß. Innerlich war ich darauf eingestellt den nächsten Pitch eines weiteren der vielen „hippen“ New Yorker Jungunternehmen zu hören. Umso überraschter war ich, dass mir erstens niemand Kleidung verkaufen wollte und das Unternehmen zweitens schon 20 Jahre alt ist. Eine halbe Ewigkeit im Gegensatz zu den vielen hippen Unternehmen, die sich in Manhattan tummeln.

Tatsächlich ist „Dress for Success“ eine ziemlich geniale wohltätige Angelegenheit. Angefangen hat es als eine Art Altkleidersammlung für Business-Outfits in Manhattan, um Frauen für ihre Bewerbungsgespräche auszustatten. Das Angebot richtete sich vor allem an Frauen aus schwierigen Verhältnissen, ehemalige Drogen- oder Alkoholabhängige, Obdachlose oder auch frisch Geschiedene oder Mütter, die wegen der Kinder so lange draußen waren, dass der Einstieg in die Arbeitswelt schwerfällt. Und das fängt bei der Kleidung an.


Viele dieser Frauen sind auf den Job angewiesen, weil sie das Geld brauchen. Das heißt im Umkehrschluss: Sie haben kein Budget für schicke Kleidung, um einen guten Eindruck beim Bewerbungsgespräch zu hinterlassen. Da kommt „Dress for Success“ ins Spiel. Die Organisation kleidet die Frauen ein, hilft beim Make-up und probt mit ihnen das Vorstellungsgespräch. „Das ist immer wieder bewegend, zu beobachten, wie sich diese Frauen auf einmal in einem ganz anderen Licht sehen“, erzählt Longwood.

Der erste Eindruck zählt. Die richtige Kleidung kann helfen, den Job zu bekommen. Aber wie die Gründer schnell merkten, reicht das allein nicht. Die Frauen waren oft nach wenigen Monaten wieder da. Also begann die Organisation zu coachen, damit die Frauen ihren Job auch langfristig behalten. Heute ist „Dress for Success“ ein berufsbegleitendes Netzwerk mit Bewerbungstraining, Weiterbildung – und natürlich einer Kleiderkammer für den großen Auftritt.


Wie bei vielen Initiativen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen reicht es eben oft nicht, die Türen nur zu öffnen. Ohne Mentoren oder Coaches sind Menschen, die von zu Hause keine Unterstützung haben, oft verloren. Das gilt an Universitäten ebenso wie in der Berufswelt.

Mittlerweile ist das vermeintliche Start-up im ganzen Land und weltweit zu finden. Für die Expansion hat „Dress for Success“ ein Franchise-Modell gewählt: Jeder, der will, kann eine eigene Filiale eröffnen. Wir sind schließlich in Amerika. Da gilt das Business-Modell auch für wohltätige Non-Profits. Das ist wohl auch ein Grund, warum es so gut funktioniert.