Dreierkette? So könnte Löw jetzt die Taktik ändern

Florian Plettenberg, Martin Hoffmann, Jochen Stutzky, Onur Özdamar

Was macht Joachim Löw anders, was macht er besser?

Es ist die große Frage, die sich die Fußball-Nation vor dem zweiten Gruppenspiel des DFB-Teams gegen Schweden (Sa., ab 19.30 Uhr im LIVETICKER) stellt, nachdem der Auftakt gegen Mexiko gründlich schief ging.

Mittlerweile gibt es Indizien, welche große Änderung der Bundestrainer in Sachen Aufstellung und Taktik erwägt: Er könnte mal wieder mit einer Dreierkette in der Abwehr agieren.

Hummels: "Wir machen nicht das Gleiche"

Wie die Bild berichtet, experimentierte Löw in einem nicht-öffentlichen Training am Mittwoch viel herum, mischte im Trainingsspiel Stammspieler und Reservisten, simulierte Überzahl-Situationen und eben auch mit einer Dreier-Abwehr.

Am Tag darauf deutete auch Mats Hummels im Gespräch mit den Journalisten an, dass Löw gegen Schweden einiges umwerfen könnte. "Es könnte alles sein", berichtete er auf SPORT1-Nachfrage: "Auf jeden Fall machen wir nicht das Gleiche wie gegen Mexiko, das ist klar - ob jetzt personell oder taktisch."

Für eine Abwehr-Umstellung zeigt Hummels sich ausdrücklich offen: Die Dreierkette sei "immer ein Thema", das Team habe damit "teilweise sehr gute Erfahrungen gemacht. Ob es gegen Schweden, die wir sehr defensiv erwarten, so kommen wird, weiß ich nicht. Es ist aber auf jeden Fall eine Option."


Dreierkette kann doppelter Gewinn sein

Die Idee hinter der Dreierkette ist klar: Ein Abwehrspieler wird geopfert, um einen Mittelfeldspieler zu gewinnen - und verbessert im Idealfall beide Mannschaftsteile.

Die Dreierkette schafft Überzahl im Mittelfeld, was gegen die tief stehenden Schweden nicht schaden wird. In der Rückwärtsbewegung wiederum wird die Dreierkette faktisch zur Fünferkette und schafft dann auch hinten mehr Kompaktheit.

Mit einer 3-4-3-Variante bietet sich Löw die Option, das gegen Mexiko nicht überzeugende Duo Toni Kroos und Sami Khedira mit Ilkay Gündogan zu ergänzen, ohne einen der beiden herausrotieren zu müssen.

Aber wie genau könnten Dreier-Abwehr und Vierer-Mittelfeld dann aussehen?

Setzt Löw auf Rüdiger, Ginter, Süle?

Mats Hummels und Jerome Boateng sollten - auch wenn sie sich gegen Mexiko selbst nicht in Bestform präsentierten - weiterhin gesetzt sein. Ihnen zur Seite gestellt werden könnten Antonio Rüdiger (links), Matthias Ginter (rechts) oder ihr Bayern-Kollege Niklas Süle (dazwischen).


Für Variante 3 spricht, dass Süle, Hummels und Boateng am meisten miteinander vertraut sind. In dieser Konstellation allerdings haben sie auch bei Bayern noch nicht zusammengespielt.

Mit der Entscheidung, auf wen Löw hinten setzen würde, hängt dann auch die Frage zusammen, welche Außenverteidiger ins Mittelfeld vorrücken: der wieder genesene Jonas Hector links oder Joshua Kimmich rechts.

Scholl schimpfte, aber beim Confed Cup lief's

So oder so: Es wird große Diskussionen geben, wenn Löw die Viererkette auflösen sollte, das weiß er aus eigener Erfahrung.

Als er im EM-Halbfinale gegen Italien 2016 auf eine Dreierkette setzte, fachte der damalige ARD-Experte Mehmet Scholl eine aufgeregte Debatte an. Löw hat sich davon nicht beeindrucken lassen, setzte auch im Confed Cup 2017 auf die Dreierkette. Im Finale gegen Chile hielten Rüdiger, Shkodran Mustafi und Ginter erfolgreich die Abwehr dicht.


Löw hat das in der Ansicht bestärkt, dass taktische Flexibilität auch und gerade in wichtigen Spielen kein Tabu ist.

Der Bundestrainer weiß aber auch: Mit ein paar Wischern an der Taktiktafel ist es nicht getan, auch die Umsetzung muss eine andere sein. Hummels ist das ebenfalls bewusst.

"Es geht darum, dass man das, was man spielt, schlau und gewissenhaft ausführt", sagt er: "Wenn es jetzt nur um plakative Dinge wie Wille und Einstellung geht, dann werden wir mit Sicherheit zumindest daran etwas ändern. Alles andere ist dann eben auch Chefsache in dem Fall vom Trainer. Wir werden sicher ein anderes Gesicht zeigen."

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