Schuldsprüche gegen drei Weiße wegen Ermordung von schwarzem Jogger Ahmaud Arbery

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Nach den auf Video festgehaltenen tödlichen Schüssen auf den schwarzen Jogger Ahmaud Arbery im US-Bundesstaat Georgia sind die drei weißen Angeklagten wegen Mordes verurteilt worden. Die Geschworenen befanden den Todesschützen Travis McMichael, seinen Vater Gregory und deren Nachbarn William Bryan am Mittwoch nach knapp zwölfstündigen Beratungen des Mordes und weiterer Anklagepunkte schuldig. Den drei Männern droht lebenslange Haft, das genaue Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt.

Nach den Schuldsprüchen brach vor dem Gerichtsgebäude der Stadt Brunswick, vor dem sich Unterstützer der Familie Arbery versammelt hatten, Jubel aus. Die Menschen riefen: "Sagt seinen Namen - Ahmaud Arbery."

"Es war ein langer Kampf, es war ein harter Kampf", sagte Arberys Mutter Wanda Cooper-Jones vor dem Gerichtsgebäude. Der bekannte Bürgerrechtsaktivist Al Sharpton sagte, die Schuldsprüche zeigten, dass "das Leben von Schwarzen zählt". Black Lives Matter - Das Leben von Schwarzen zählt - ist das Motto von Anti-Rassismus-Protesten in den USA.

US-Präsident Joe Biden begrüßte den Urteilsspruch, betonte aber, im Kampf gegen Rassismus liege vor den USA noch ein weiter Weg. "Die Schuldsprüche zeigen zwar, dass unser Justizsystem seine Arbeit macht, aber das allein ist nicht genug", erklärte der Präsident. Die USA müssten "eine Zukunft der Einheit und der geteilten Stärke aufbauen, in der niemand wegen seiner Hautfarbe Angst vor Gewalt hat".

Seine Regierung werde daran arbeiten, dass eine Gleichbehandlung vor der Justiz für alle US-Bürger "Realität" werde, erklärte Biden. Auch Vizepräsidentin Kamala Harris - die erste Afroamerikanerin in dem Amt - betonte, die USA hätten noch "Arbeit" vor sich.

Arberys in einem Video festgehaltener Tod hatte im vergangenen Jahr für Empörung und Entsetzen gesorgt. Die nun verurteilten Männer hatten den Afroamerikaner am 23. Februar 2020 in einem Vorort von Brunswick mit zwei Autos verfolgt. Sie hatten den 25-jährigen Jogger nach eigenen Angaben für einen Einbrecher gehalten und beriefen sich auf ein damals in Georgia geltendes Gesetz, das Bürgern die Festnahme von Verdächtigen erlaubte.

Ein von Bryan aufgenommenes Video zeigt, wie der 35-jährige Travis McMichael und sein 65-jähriger Vater dem rennenden Arbery mit ihrem Pickup den Weg versperren. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen dem mit einem Gewehr bewaffneten Travis McMichael und Arbery. Der Afroamerikaner geht dann von mehreren Schüssen getroffen zu Boden. Travis McMichael beteuerte später vor Gericht, er habe in Selbstverteidigung gehandelt, weil Arbery ihn angegriffen habe.

Der Fall war politisch aufgeladen: Arberys Tod führte - zusammen mit dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Mai 2020 - zu den landesweiten Anti-Rassismus-Protesten im Sommer vergangenen Jahres. Für Empörung sorgte, dass die Justiz erst gegen die drei weißen Männer aktiv wurde, als das Video von dem Vorfall Monate später publik wurde. Zuletzt gab es dann Kritik daran, dass in der zwölfköpfigen Jury nur ein schwarzer Geschworener saß.

Der Prozess endete nun wenige Tage nach dem umstrittenen Freispruch für den 18-jährigen Kyle Rittenhouse in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin. Rittenhouse, der im August 2020 am Rande von Anti-Rassismus-Protesten zwei Demonstranten erschossen und einen dritten schwer verletzt hatte, war am Freitag in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Seine Anwälte hatten vor Gericht erfolgreich auf Selbstverteidigung plädiert.

fs/noe

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