Mindestens sechs Tote bei neuen Protesten in Myanmar

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Demonstranten halten zum Zeichen des Protests drei Finger in die Höhe

Bei neuen Protesten in Myanmar sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Bei einer Demonstration in der zweitgrößten Stadt Mandalay töteten Sicherheitskräfte am Samstag mindestens drei Menschen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP und ein Arzt berichteten. Zuvor waren in Yangon in der Nacht drei Menschen getötet worden, die gegen nächtliche Festnahmen protestierten. Bei landesweiten Mahnwachen für getötete Demonstranten widersetzten sich hunderte Menschen einer nächtlichen Ausgangssperre.

Seit der Machtübernahme des Militärs gehen die Menschen in Myanmar zu Zehntausenden auf die Straße. Die Sicherheitskräfte gehen brutal gegen die Demonstranten vor und setzen dabei offenbar auch gezielt tödliche Gewalt ein. Seit dem Putsch am 1. Februar wurden nach UN-Angaben schon mehr als 70 Menschen getötet.

Auch am Samstag gab es wieder im ganzen Land Proteste. Unter den Toten in Mandalay war auch der 21-jährige Saw Pyae Naing, der von seiner weinenden Schwester in einer Behelfsklinik identifiziert wurde. Mehr als 20 weitere Menschen wurden verletzt. In Pyay brachten Demonstranten einen blutenden Mann in Sicherheit und schützten sich dabei mit selbst gebastelten Schutzschilden vor den Sicherheitskräften.

In der größten Stadt Yangon, wo es zuletzt vermehrt Berichte über nächtliche Patrouillen und Festnahmen gab, kam es bereits in der Nacht zu tödlicher Gewalt. Auf einem Video, das in Online-Netzwerken geteilt und von AFP verifiziert wurde, waren Polizisten zu sehen, die im Stadtteil Thaketa drei Männer auf die Straße zerrten, schlugen und wegschleppten.

Protestierende Anwohner zogen vor die Polizeiwache. Später waren in dem Viertel Schüsse zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. "Sicherheitskräfte haben drei junge Männer festgenommen und als wir ihnen gefolgt sind, um sie zurückzuholen, sind sie gegen uns vorgegangen", sagte ein Anwohner. Dabei seien zwei Menschen erschossen worden.

Auf verifizierten Videoaufnahmen waren die aufgebahrten Leichen der beiden Toten zu sehen. "Alle haben gesagt, geh nicht raus, bleib einfach zu Hause, aber er hat gesagt, dass er rausgehen muss, weil drei Jugendliche festgenommen und auf die Polizeiwache gebracht wurden", sagte die Witwe des 37-jährigen Rikscha-Fahrers Si Thu. "Wir haben vergeblich darauf gewartet, dass er zurückkommt."

Auch im Stadtteil Hlaing gingen Anwohner auf die Straße, um gegen Polizisten und Soldaten in ihrer Nachbarschaft zu protestieren. "Die Anwohner wollen nicht, dass sie nachts in die Gegend kommen, um Leute festzunehmen", sagte ein Anwohner AFP. "Wir wollten sie vertreiben." Die Anwohner warfen demnach mit Brandsätzen, die Sicherheitskräfte setzten Knallgranaten ein. Vier Menschen seien verletzt worden.

Auf verifizierten Videoaufnahmen waren Menschen zu sehen, die sich hinter Autos versteckten, um einem Mann mit einer blutenden Schusswunde am Kopf zu helfen. Der 18-jährige Aung Paing Oo starb aber noch in der Nacht, wie sein Bruder Wai Lin Kyaw bestätigte. "Die Ärzte konnten nicht viel für ihn tun", sagte er AFP.

Am Freitagabend versammelten sich trotz der Ausgangssperre hunderte Menschen zu Mahnwachen für getötete Demonstranten - von Hpakant im Norden bis Myeik im Süden Myanmars. In Yangon setzten sich Demonstranten auf eine Kreuzung, wo sie sangen und beteten.

Am Samstagmorgen nahmen in Yangon zahlreiche Menschen an einer Trauerfeier für den am Donnerstag getöteten Chit Min Thu teil. Viele Teilnehmer hielten als Zeichen des Protests drei Finger in die Luft. "Die Revolution muss gewinnen", sagte die Witwe des Getöteten unter Tränen.

mid/gt