Drei starke Aktien, die du bis 2030 halten kannst

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

1830 wurde die Börse München gegründet und die folgenreiche französische Julirevolution verlieh dem Liberalismus europaweit einen riesigen Schub. 1930 erschütterte die Große Depression als Ursprung der Weltwirtschaftskrise die Menschheit &mash; und 2030?

Ich kann es nicht sagen, aber ich vermute, dass man in 13 Jahren vielleicht über ein stattliches Aktiendepot verfügen möchte, welches eine komfortable Rente verspricht. Hier ist eine Auswahlhilfe, sowie drei Ideen, mit denen man auf der ziemlich sicheren Seite ist: Philips (WKN:940602), DSM (WKN:A0JLZ7) und Air Liquide (WKN:850133).

Auf die richtige Auswahl kommt es an

Wer sich um über mehr als ein Jahrzehnt an eine Aktie binden will, der kann nicht auf irgendwas setzen. Insbesondere wenn die Anzahl der Positionen im Depot einstellig ist, kommt es auf jede einzelne an. Schon eine komplette Niete könnte sonst die gesamte Rendite kaputtmachen. Kurz- und mittelfristig sind zahlreiche Unternehmen super spannend. Aber es stellen sich dabei auch schwierige Fragen:

Wer weiß, ob eine der aktuell gerade Milliardengewinne-schreibenden Internetplattformen bis dahin noch benutzt wird? Oder ob das heute so aufregende Biotech 2030 noch etwas Umsatzgenerierendes in der Pipeline hat? Kann das Lithium-Unternehmen in 13 Jahren auskömmliche Preise erzielen oder finden die Hightech-Geräte des kleinen Maschinenbauers noch Absatz?

Je spezialisierter und angreifbarer das Geschäftsmodell, desto größer sind die Chancen, dass in der Zwischenzeit doch irgendetwas Einschneidendes passiert. Das heißt aber nicht, dass wir unbedingt auf langweilige Mischkonzerne setzen müssen.

Ich bevorzuge für die langfristige Anlage breit aufgestellte Spezialisten mit starker Marktposition. Damit meine ich Unternehmen, die zwar viele Zielmärkte bedienen, aber ein klar umrissenes Profil haben und mit regelmäßigen kundenorientierten Innovationen neue Umsatzpotenziale generieren.

Passende Ideen

Bleibt die Frage, in welcher Branche wir passende Unternehmen suchen sollten. Einen guten Ausgangspunkt stellen hierzu stabile langfristige Trends dar. Eine wachsende und mobilere, aber auch alternde, Weltbevölkerung benötigt Gesundheitsversorgung, sicheres Trinkwasser und ausreichend Nahrungsmittel. Gleichzeitig werden Lösungen zur Entastung der Umwelt immer dringlicher, einschließlich einer nachhaltigen Mobilität.

Aber Schluss der langen Rede, hier sind meine Picks, von denen ich glaube, dass sie bis 2030 profitabel wachsen und dabei steigende Dividenden ausbezahlen werden:

2030-Aktie Nr. 1: Philips
Das holländische Aushängeschild hat zum dritten Quartal gute Zahlen vorgelegt und das Ziel bekräftigt, mittelfristig 4 bis 6 % pro Jahr zu wachsen, bei weiter steigenden Gewinnmargen. Das zeigt, dass das Management sehr zufrieden mit seiner Entscheidung ist, den Konzern voll auf die Themen Gesundheit und Wohlbefinden auszurichten.

Dort kommt es in hohem Maße auf das Vertrauen der Nutzer und Kunden an, und Philips kann in diesem Punkt mit seiner starken Marke seine Vorteile gegenüber neuen Konkurrenten ausspielen. Der forschungsstarke Konzern erneuert auch ständig sein Produktspektrum mit aussichtsreichen Innovationen, welche immer häufiger auch digitalisiert und vernetzt werden, um sie in ganzheitliche Versorgungslösungen einzubinden. Da lauern riesige Chancen.

2030-Aktie Nr. 2: DSM
Zufällig ebenfalls aus den Niederlanden stammt die weniger bekannte DSM, welche sich auf die drei miteinander in Beziehung stehenden Themen Gesundheit, Ernährung und Hochleistungswerkstoffe konzentriert. Auch dort präsentierte das Management ein starkes 9-Monats-Ergebnis. Innerhalb von langfristigen Wachstumsbereichen gelingt es zusätzlich Marktanteile zu erobern und die Profitabilität zu steigern. Viel mehr kann man sich nicht wünschen als Aktionär.

Die Strategie, Basischemikalien zu verkaufen und dafür margenstarke Bereiche massiv auszubauen, zahlt sich offenbar zunehmend aus. In Zukunft sollen zum Beispiel Materialien für die Biomedizin, Werk- und Kraftstoffe auf Basis natürlicher Rohstoffe sowie Beschichtungen für Solarmodule für zusätzliche Impulse sorgen.

2030-Aktie Nr. 3: Air Liquide
Der französische Gasekonzern genießt derzeit noch seine wiedererlangte Nummer-1-Position und kann mit stolz geschwellter Brust auftrumpfen. Die Geschäfte laufen ausgezeichnet und die Integration von Airgas reibungslos. Zudem gibt es nur wenig direkte Konkurrenten, sodass der Margendruck eher begrenzt ist.

Gase werden in vielen Branchen benötigt und die Anwendungsbereiche werden ständig erweitert. Trends wie die Digitalisierung und der 3D-Druck eröffnen neue Potenziale. Wenn es um medizinische Anwendungen wie die Beatmung geht, gibt es sogar Kooperationen mit Geräteherstellern wie Philips, wie mir gerade aufgefallen ist.

Solidität hoch drei

Solche Unternehmen, die an das skizzierte Schema passen, sind letztlich gar nicht so selten. Statt DSM könnte man beispielsweise auch Evonik Industries (WKN:EVNK01) oder Arkema (WKN:A0JLZ0) in die engere Auswahl nehmen, je nachdem, welche Aktie gerade attraktiver bewertet ist. Sobald die Fusion von Praxair (WKN:884364) und Linde (WKN:648300) abgeschlossen ist, wird der zukünftige Marktführer ebenfalls sehr interessant.

Zudem kommen in Kürze mit Healthineers und Evoqua Water Technologies weitere Alternativen auf den Kurszettel, die alle Bedingungen für ein 2030-Investment erfüllen — da muss nur der Aktienkurs stimmen. Zusammengefasst kommt es in jedem Fall auf folgenden Dreiklang an: solide unterliegende Trends, solide Marktposition und Strategie sowie solide Bilanz. Ein Depot mit solchen Unternehmen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2030 so viel Freude machen, dass man sich womöglich auch dann noch nicht von ihnen trennen will.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Linde. Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version dieses Artikels enthielt Formulierungen mit persönlichen Empfehlungen, dies war ein Versehen, wir bedauern den Fehler. Es war nicht die Absicht des Artikels, persönliche Empfehlungen zu formulieren.

Motley Fool Deutschland 2017