Drei Spiele, die entscheidend für eine ganze Sportart sind

Franziska Wendler
·Lesedauer: 5 Min.
Drei Spiele, die entscheidend für eine ganze Sportart sind
Drei Spiele, die entscheidend für eine ganze Sportart sind

Jetzt gilt es: Nach dem historisch schlechten 12. Platz bei der Weltmeisterschaft in Ägypten ist die deutsche Handball-Nationalmannschaft beim Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin zu Siegen verdammt.

Dabei tritt das Team des Deutschen Handballbunds (DHB) am Freitag (Deutschland - Schweden ab 15.15 Uhr im LIVETICKER) in der Max-Schmeling-Halle zunächst gegen Vize-Weltmeister Schweden an, tags darauf steht das Duell mit dem EM-Vierten Slowenien an (Samstag, 15.35 Uhr).

Am Sonntag dann (15.45 Uhr) ist Afrika-Vertreter Algerien der Kontrahent im Kampf um Olympia. Das Ticket bekommen die ersten beiden Teams in der Gruppe.

Ungeachtet des schwachen WM-Abschneidens gilt das Ensemble von Bundestrainer Alfred Gislason bei vielen tatsächlich als Favorit. Auch beim ersten Widersacher Schweden.

"Wir spielen in Deutschland gegen Deutschland, und bei den Deutschen kehren Stammkräfte zurück, die bei der WM fehlten", erklärte Andreas Palicka mit Verweis auf die wieder hinzustoßenden Kieler Leistungsträger Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold.

Olympia-Qualifikation: DHB-Team gefordert

Schwedens Nationaltorhüter, sonst in Diensten der Rhein-Neckar Löwen, fügte im Gespräch mit dem Mannheimer Morgen an: "Die Deutschen können sagen, was sie wollen. Sie können auch darüber lachen, wenn ich das behaupte: Aber mit dieser Mannschaft sind die Deutschen der Favorit in dieser Gruppe."

Dem mag Fabian Wiede denn auch nicht wirklich widersprechen: "Natürlich sind alle Spieler wieder zurück, die abgesagt hatten oder verletzt waren. Wir haben schon einen sehr breiten und guten Kader. Deshalb glaube ich schon, dass wir als Favorit gelten."

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Auf SPORT1-Nachfrage sagte der Rückraum-Shooter der Füchse Berlin: "Wir haben sehr gute Spieler dazubekommen und haben es in der kurzen Zeit geschafft, uns einzuspielen. Es ist, als ob wir immer zusammengespielt hätten."

Vize-Weltmeister Schweden, gleich zu Beginn der nominell stärkste Gegner, habe vielleicht den Vorteil, "dass sie ein bisschen eingespielter sind als wir. Aber wir haben es geschafft, uns wieder so zu finden, dass wir Schweden auch besiegen können."

Allerdings fehlt den Schweden Top-Torjäger Hampus Wanne - ein schwerer Schlag.

Gensheimer will von Favoritenrolle nichts hören

Das Selbstbewusstsein soll dennoch nicht in Hochmut münden, Vorsicht ist durchaus geboten angesichts des Reinfalls beim globalen Turnier unlängst am Nil.

Vielleicht wollte Kapitän Uwe Gensheimer auch deshalb von einer Favoritenrolle nichts hören. "Wir wissen, dass einiges passieren kann, einen klaren Favoriten kann man nicht unbedingt benennen. Wer Favorit ist, ist am Ende aber auch egal. Wir haben eigentlich das Glück, dass wir das Turnier zuhause austragen können, haben jetzt aber leider keine Zuschauer zur Unterstützung. Wäre das der Fall, wären wir Favorit", erklärte der 34-Jährige auf SPORT1-Nachfrage.

Beim Deutschen Handball-Bund ist die Zielsetzung klar. Auch, weil Vizepräsident Bob Hanning mit der Goldmedaille ein überaus ambitioniertes Ziel formulierte. "Wir wollen an den Olympischen Spielen teilnehmen, das muss unser Anspruch sein", meinte er auf SPORT1-Nachfrage.

Stärkster Gegner zu Beginn

Gegen Schweden gehe es "aus der kalten Hose gleich richtig zur Sache", sagt Martin Schwalb, Trainer der Rhein-Neckar Löwen, im Gespräch mit SPORT1: "Sie sind sehr beweglich, spielen einen schnellen Ball und haben mit Andreas Palicka auch einen sehr guten Torhüter" - den Torhüter, den Schwalb bei den Löwen selbst trainiert.

Eingeschüchtert ist die Mannschaft von Alfred Gislason deswegen noch lange nicht. "Wir haben sehr viel Respekt vor den Schweden, aber keine Angst", erläuterte Gensheimer. Damit ein Sieg gelingen kann, braucht es im Vergleich zu den Auftritten bei der WM aber einige Verbesserungen.

"Wir hatten nicht die Anzahl an Ballgewinnen, wie wir es uns gewünscht haben, dazu kam, dass wir oftmals im Umschaltspiel zwei Spieler wechseln mussten. In der Formation bei der Olympia-Quali sind wir besser gerüstet", ist sich der Kapitän sicher. "Wir müssen den gegnerischen Angriff zu Würfen zwingen, die sie nicht werfen wollen – um danach schneller umzuschalten, mehr Gegenstöße zu bekommen und mehr einfache Tore zu erzielen."

Viel Raum für Verbesserungen

Für den Bundestrainer gibt es ebenfalls eine Menge Verbesserungspotenzial. "Es gibt viele Sachen, die wir gegen Schweden gut machen müssen. Sie haben einen überragenden Torhüter und eine überragende Abwehr und dementsprechend auch einen überragenden Gegenstoß. Wir müssen gut zurücklaufen, um leichte Tore zu minimieren, uns gut bewegen, schnell auf den Beinen sein und uns nicht zu sehr auseinanderziehen lassen", so Gislason.

Gelingt dies, ist ein Sieg gegen die Skandinavier durchaus möglich. Doch auch wenn ein Erfolg gegen den vermeintlich stärksten Gegner eine große Erleichterung wäre - für Olympia könnte das Team dennoch trotzdem nicht planen.

"Weder mit einem Sieg noch mit einer Niederlage im ersten Spiel wäre irgendwas entschieden. Denn am Ende kann jeder jeden schlagen", betont der Bundestrainer.

Olympia-Teilnahme "elementar" für den Handball

Auf die deutschen Handballer wartet also ein richtungsweisendes Wochenende.

"Wir warten seit über einem Jahr auf das Turnier und wissen um die Brisanz", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. Die Teilnahme an den Sommerspielen sei "elementar für unseren Sport", deswegen brauche auch niemand "einen Push". "Mögen die Spiele beginnen", sagte Kromer erwartungsfroh.

Eine Nicht-Teilnahme könnte drastische negative Folgen haben. "Wir haben das ja schon 2012 gesehen, als wir nicht bei Olympia dabei waren. Das könnte wie ein Katalysator in die negative Richtung wirken", sagte Präsident Andreas Michelmann der dpa.

Und Hanning betonte: "Die Ballsportarten brauchen die Präsenz bei den Sommerspielen, damit wir hinter dem Fußball keine Monokultur haben." Bei Spox ergänzte er: Olympia-Qualifikationen seien "für den gesamten Sport überlebenswichtig und das beschäftigt mich wirklich ganz, ganz extrem".

Es geht um die Zukunft des deutschen Handballs.