Drei Oberbürgermeister aus NRW bieten Merkel an: „Unsere Städte wollen Flüchtlinge aufnehmen“

Flüchtlinge auf einem Rettungsboot im Mittelmeer. (Bild: Getty Images)

Die Oberbürgermeister von Köln, Bonn und Düsseldorf haben sich mit einem Schreiben direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt – mit dem Angebot, in ihren Städten in Not geratene Flüchtlinge aufzunehmen, bis eine europäische Lösung gefunden sei. Zudem sprechen sie sich dafür aus, die private Seenotrettung im Mittelmeer wieder aufzunehmen.

Keine Obergrenze, keine Bedingungen, kein Wenn und Aber: In einem beispiellosen Schreiben an Angela Merkel haben Henriette Reker (parteilos) aus Köln, Thomas Geisel (SPD) aus Düsseldorf und Ashok Sridharan (CDU) aus Bonn – allesamt Oberbürgermeister ihrer Städte – der Bundesregierung ein Angebot unterbreitet: „Unsere Städte können und wollen in Not geratene Flüchtlinge aufnehmen.“

In dem Schreiben heißt es außerdem: „Wir stimmen mit Ihnen überein, dass es eine europäische Lösung für die Aufnahme, die Asylverfahren sowie die Integration oder die Rückführung von Geflüchteten geben muss. Bis eine europäische Lösung mit allen Beteiligten vereinbart ist, ist es dringend geboten, die Seenotrettung im Mittelmeer wieder zu ermöglichen und die Aufnahme der geretteten Menschen zu sichern.“

Das Schreiben in voller Länge gibt es hier:


Die drei Politiker bieten damit nicht nur dem Bund eine Kooperation in Sachen Flüchtlingskrise an, sondern auch EU-Partnern wie Spanien, Malta, Italien und Griechenland, die aktuell mit den ankommenden Menschenströmen aus Afrika heillos überfordert sind. Im vergangenen Monat hatten sich etwa Italien und Malta geweigert, Gerettete auf den Hilfsschiffen „Lifeline“ und „Aquarius“ aufzunehmen.


Die Bundesregierung hat zu dem Vorschlag bisher keine Stellungnahme abgegeben. Auch CDU und CSU schweigen sich bisher zu der Aktion aus. Innerhalb der Union herrschen seit Monaten unterschiedliche Sichtweisen, wie mit der Flüchtlingskrise umzugehen ist.

Reaktionen gab es zunächst von Mitgliedern der rechtspopulistischen AfD. Diese fielen erwartbar aus. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag von NRW, Sven Tritschler, attackierte in einem Tweet insbesondere Henriette Reker:


Roger Beckamp, baupolitischer Sprecher der AfD in NRW griff das Wort „entsorgen“ auf, das in der Vergangenheit bereits AfD-Chef Alexander Gauland verwendete.


Seit Anfang des Jahres kamen im Mittelmeer mehr als 1.400 Menschen ums Leben. Im Juni ist die Zahl mit 629 Toten besonders hoch, da seit einem Monat der Einsatz von NGOs und privaten Seenotrettern blockiert wird.