Drei Gründe für die Butter-Rally

Innerhalb eines Jahres hat sich der Preis für ein Stück Butter mehr als verdoppelt. Warum die Butterfahrt noch nicht zu Ende ist und die Preise weiter steigen könnten.


Noch nie mussten Verbraucher für Butter so viel bezahlen: 1,79 Euro kostet das klassische 250-Gramm-Päckchen mittlerweile bei Supermärkten und Discountern, nahezu doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Der Preisschub schlägt inzwischen auch auf die Konsumbereitschaft am Kühlregal durch: "Die Deutschen kaufen aktuell weniger Butter als noch vor einem Jahr", sagt Michael Griess vom Marktforschungsunternehmen Nielsen. Nach seinen Daten wurden im deutschen Lebensmittelhandel zwischen Juli 2016 und Juni 2017 insgesamt rund 278 Millionen Kilo Butter verkauft. Das sind gut 9,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Trend dürfte vor allem in den vergangenen Wochen Fahrt aufgenommen haben.

Allein im Juni, als der Butterpreis neue Rekordmarken erreichte, brach der Absatz laut den Nielsen-Daten um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein.




Dennoch brummt das Butter-Business: "Obwohl in Deutschland rein mengentechnisch weniger gekauft wird, geben die Deutschen insgesamt jedoch mehr für ihre Butter aus", sagt Griess. Seit Juli 2016 stieg der Butterumsatz um rund 212 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro. Die höheren Preise glichen die nachlassende Nachfrage mehr als aus.

Griffen Verbraucher bei früheren Preiserhöhungen verstärkt zu Margarine, werden inzwischen andere Ausweichprodukten immer beliebter. Vor allem so genannte Melanges, die zwar nach Butter schmecken, aber so streichfähig sind wie Margarine, weil sie neben Milchanteilen auch Öle enthalten, profitieren. "Während der Absatz von Margarine leicht gesunken ist und der Preis stabil bleibt, legte der Absatz von Melanges leicht zu, obwohl die Preise moderat gestiegen sind", so Griess. Ihr Anteil am Markt könnte in den kommenden Monaten weiter steigen. Denn ein Ende der Butter-Rally ist bislang jedenfalls nicht in Sicht.

Vor allem drei Gründe sind dafür verantwortlich, dass der Butterpreis derzeit nur eine Richtung kennt.

1. Die Milch macht's

Die Milchmenge, als Basis der Butterproduktion, bleibt auf niedrigem Niveau. Nach der Branchenkrise inklusive Bauernprotesten im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Landwirte ihre Produktion stark gedrosselt und damit das Angebot verknappt. Dabei spielte das im vergangenen Jahr beschlossene EU-Milchmengenreduzierungsprogramm eine Rolle. Denn Milchbauern, die weniger Milch verkaufen, erhalten dafür Fördergelder.

Die Folge: Der Bestand an Milchkühen ging bis Mai 2017 in Deutschland um 1,4 Prozent zurück. Bis die Bauern wieder mehr produzieren können, vergeht Zeit, zumal die höheren Preise erst mit Verzögerung und nicht eins zu eins bei ihnen ankommen.


Denn die Erlöse für Milchprodukte mit längerer Haltbarkeit wie Butter oder Kondensmilch machen nur etwa ein Viertel des Erzeugerpreises für Rohmilch aus. Und während Butter teurer wird, wird Magermilchpulver derzeit deutlich billiger. Die Milcherzeugerpreise als Kalkulationsmix steigen daher nur moderat. Die Händler bezahlen Molkereien und andere Lieferanten in der Regel auch erst nach ein paar Wochen. Auch die Molkereien haben feste Preise und Zahlungsziele mit ihren Vertragsbauern vereinbart. Bis das Geld bei den Landwirten ankommt, mehr Kühe im Stall stehen und die Milchmenge steigt, dauert es also.

2. Weniger Milchfett

Zwar stiegen in den vergangenen Monaten auch die Milchpreise, allerdings nicht annähernd so stark wie die Buttertarife. Das liegt vor allem an der Zusammensetzung der angelieferten Milch, deren Fettgehalt in den vergangen Monaten gesunken ist. Weniger Milchfett bedeutet zugleich, dass weniger Butter hergestellt werden kann.



Experten machen dafür teils "regionale Trockenheit" verantwortlich. So habe es im Frühjahr und zu Beginn des Sommers wenig geregnet und häufig alles andere als saftiges Gras wachsen lassen. Teils sind aber auch "geringe Grundfutterqualitäten" verantwortlich. In der Krise 2016 dürften viele Bauern schlicht am Kraftfutter gespart haben.

3. Wachsende Käse-Konkurrenz

Konsumforscher registrieren, dass die Deutschen wieder verstärkt zu Milchprodukten mit höherem Fettgehalt greifen statt zu Diätware. Das heißt: vollfett, statt kalorienreduziert, sahnig statt light. Beim Käse wächst die Nachfrage nach fetten und deshalb besonders schmackhaften Sorten bereits seit Jahren. Zugleich wächst der Käseexport kräftig. Milchfett, das für Käse verwendet wird, fehlt für die Herstellung von Butter.

KONTEXT

Die beliebtesten Marken von Butter in Deutschland

Platz 1

Kerrygold

2013

19,8 %

2014

21,2 %

2015

21,5 %

2016

21,8 %

Die Statistik zeigt das Ergebnis einer Umfrage in Deutschland zu den beliebtesten Marken von Butter in den Jahren 2013 bis 2016.

Lesehinweis: Im Jahr 2016 hatten rund 21,8 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre zum Zeitpunkt der Erhebung in den letzten 4 Wochen Kerrygold-Butter konsumiert.

Quelle: VuMA/Statista 2017; Erhebung durch IFAK; Ipsos; GfK Media and Communication Research; 2013 bis 2016 in Deutschland

Platz 2

Landliebe

2013

12,9 %

2014

12,1 %

2015

12 %

2016

12 %

Platz 3

Weihenstephan

2013

9,3 %

2014

11,4 %

2015

11,3 %

2016

11,9 %

Platz 4

Frau Antje

2013

7,2 %

2014

7,1 %

2015

7,8 %

2016

8,3 %

Platz 5

Meggle

2013

6,4 %

2014

6,9 %

2015

7,7 %

2016

8,2 %

Platz 6

Arla Kaergarden

2013

5,9 %

2014

6,5 %

2015

6,8 %

2016

7 %

Platz 7

Greenfields

2013

3,1 %

2014

3,6 %

2015

3,4 %

2016

3,6 %

Platz 8

Ravensberger

2013

2,7 %

2014

3,1 %

2015

3,1 %

2016

3,4 %

Sonstige Angaben

Sonstige Butter-Marken

Keine Butter in den letzten 4 Wochen verwendet

2013

53,4 %

13,9 %

2014

53,2 %

13,6 %

2015

51,1 %

13,8 %

2016

51,6 %

13,1 %