Die drei größten Gefahren für den Bitcoin


Der Bitcoin ist mit Verlusten ins neue Jahr gestartet und hat seinen Abwärtstrend damit fortgesetzt. Hatte der Kurs laut der Seite Coinmarketcap, die den Durchschnittswert zahlreicher Börsen ermittelt, am Silvesterabend noch bei mehr als 14.360 Dollar notiert, so fiel er am Montag bis auf 13.160 Dollar. Am Dienstag stabilisierte sich der Kurs etwas und lag zur Mittagszeit bei rund 13.700 Dollar.

Im vergangenen Jahr hatte die weltweit wichtigste Digitalwährung noch einen deutlich stärkeren Start hingelegt: Am 1. Januar 2017 stieg sie um 3,6 Prozent auf 998 Dollar und legte damit den Grundstein für weitere Höhenflüge. Bis zum 17. Dezember 2017 kletterte der Kurs auf den Rekordstand von 20.000 Dollar, rutschte zum Jahresende aber ab. Mit einem Minus hatte der Bitcoin zuletzt 2015 das Jahr eingeläutet.


Analysten nennen eine Reihe an Gründen für die anhaltende Kursschwäche. So dürften einige Marktteilnehmer vor dem Jahresende schlicht Gewinne mitgenommen und ihre Bitcoins verkauft haben. Noch wichtiger sei aber die Gefahr einer doppelten staatlichen Einmischung am Krypto-Markt. Staaten wie Nordkorea könnten Kryptowährungen zu dunklen Zwecken missbrauchen, westliche und ostasiatische Länder die Entwicklung durch Kontrolle des noch weitgehend unregulierten Handels abwürgen.

Folgt man dieser Interpretation, dann wirft die aktuelle Schwächephase ein Licht auf die großen Herausforderungen, vor denen die Krypto-Welt steht. Im Jahr 2018 könnte sich die Zukunft von Bitcoin und Co. entscheiden. 2017 war das Jahr des Übergangs – 2018 droht der Untergang der Krypto-Vision eines alternativen Weltgelds ohne staatliche Einmischung. Drei große Gefahren könnten den Aufstieg beenden.


1. Gefahr: Missbrauch durch Staaten

Zu den zahlreichen neuen Krypto-Fans gehört Russlands Präsident Wladimir Putin. Wie die Zeitung „Financial Times“ berichtet, hat Putin seine Regierung nun offiziell angewiesen, die Herausgabe eines eigenen „Krypto-Rubels“ zu prüfen. Mit dessen Hilfe könnte Russland die bestehenden westlichen Wirtschaftssanktionen im Zuge der Krim-Annexion umgehen.


Zahlreiche staatseigene Einrichtungen erforschen derzeit den Einsatz der Blockchain-Datenbank, die die technologische Grundlage des Bitcoins bildet. „Dieses Instrument hilft uns sehr bei sensiblen Aktivitäten in staatlichem Auftrag. Wir können Rechnungen auf der ganzen Welt begleichen, ohne die Beachtung von Sanktionen“, erklärte demnach Sergei Glazev, ein Wirtschaftsberater Putins. Ein möglicher „Krypto-Rubel“ könnte analog zum klassischen Rubel herausgegeben, sein Umlauf aber beschränkt werden.

Lange hatte Moskau eine kritische Position gegenüber dem wachsenden Markt für Kryptowährungen eingenommen. Handelsplätze im Internet wurden blockiert, die russische Zentralbankchefin verglich den Aufstieg des Bitcoins mit dem kalifornischen Goldrausch im 19. Jahrhundert. Seit einem Treffen mit dem kanadisch-russischen Erfinder der zweitwichtigsten Kryptowährung Ethereum, Witalik Buterin, am Rand des Petersburger Wirtschaftsforums im Juni gilt Präsident Putin aber als angesteckt vom Krypto-Hype.


Andere Staaten sind bereits tief verstrickt ins Krypto-Geschäft. Ohne Rücksicht auf Gesetze geht Nordkorea vor. Dessen Hacker greifen immer öfter Computersysteme an, um im Auftrag des Kim-Regimes Rechenleistung für die Produktion virtueller Münzen zu akquirieren. Laut Kwak Kyoung Ju, Leiter eines Analyseteams des südkoreanischen Finanzsicherheitsinstituts, hat eine Hackergruppe namens Andariel im Sommer 2017 den Server eines südkoreanischen Konzerns unter Kontrolle gebracht und etwa 70 virtuelle Münzen der Bitcoin-Konkurrenzwährung Monero produziert mit einem Wert von 25.000 Dollar.

Das nordkoreanische Regime setzt zunehmend auf alternative Einnahmequellen, um die internationalen Wirtschaftssanktionen aufgrund des Atomprogramms zu umgehen. „Andariel ist hinter allem her, was heute Cash generiert“, erklärte Kwak. Da Monero noch stärker als der Bitcoin auf Privatsphäre setzt und sich der Weg der virtuellen Münzen einfacher verbergen lasse, sei die Kryptowährung ein bevorzugtes Ziel nordkoreanischer Hacker.

Sollten Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie auf breiter Front zum Umgehen internationaler Sanktionen genutzt werden, dürfte das das Image von Bitcoin und Co. weiter verschlechtern. Doch auch der gegenteilige Effekt, eine enge staatliche Regulierung des Markts, könnte den Boom jäh beenden. Und eine dritte Gefahr bedroht das System von innen heraus.


Gefahr droht von außen – und von innen



2. Gefahr: Einmischung durch Regulierer

Lange hatte die Politik den neuen Markt ignoriert, ganz im Sinne der libertär eingestellten Krypto-Enthusiasten der ersten Stunde. Mit der Einführung von Terminkontrakten auf den Bitcoin durch zwei große Chicagoer Börsenbetreiber im Dezember 2017 ist der Boom jedoch endgültig im klassischen Finanzsystem angekommen. Schon bald will die weltgrößte Börse, die New York Stock Exchange, mit eigenen Produkten nachziehen. Politiker und Aufseher sind aufgeschreckt.

Notenbanker und Experten warnen immer schärfer vor der Unberechenbarkeit des Bitcoins und sprechen eher von einem Spekulationsobjekt als einer Währung, da eine der wichtigsten Eigenschaften des klassischen Gelds – die Wertstabilität – nicht gewährleistet sei. Besonders eindringlich warnte der Notenbank-Chef Dänemarks, Lars Rohde: „Bleiben Sie weg. Das ist tödlich“, sagte er.

„Die wesentlichen Faktoren für die zukünftige Entwicklung von Kryptowährungen bestehen darin, wie der Staat in die Entwicklung eingreift“, erklärt Christian Nolting, Investmentchef der Deutschen Bank Wealth Management. Bereits im Herbst hatten Aufsichtsbehörden in China dem Handel mit Kryptowährungen ohne Vorwarnung einen Riegel vorgeschoben. Einige Betreiber von Krypto-Börsen warfen daraufhin das Handtuch.


2018 will die Europäische Union strengere Regeln für Plattformen einführen, auf denen Kryptowährungen gehandelt werden. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire will die Regulierung des virtuellen Geldes sogar auf die Agenda des kommenden G20-Gipfels im April setzen, Deutschland unterstützt ihn dabei. Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny, Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank, fordert bereits eine Mehrwertsteuer auf den Bitcoin und sagt: „Alle Beteiligten an einem Geschäft müssen ihre Identität offenlegen. Damit würde Bitcoin zusammenbrechen“.

In Südkorea, einem der weltweit größten Märkte für virtuelles Geld, ist sogar ein komplettes Krypto-Verbot im Gespräch. „Sollte tatsächlich ein Verbot ausgesprochen werden, könnte dies für große Ernüchterung in der digitalen Währungswelt sorgen“, ist sich Timo Emden, Deutschland-Chef des Onlinebrokers DailyFX, sicher. „Dies wäre als klarer Rückschritt zu werten.“

Gleichwohl schließen Marktteilnehmer nicht aus, dass der Bitcoin-Preis trotz zunehmender Regulierung weiter steigt. Was Anleger zunächst freuen dürfte, hält jedoch die vielleicht größte Gefahr für Bitcoin und Co. bereit.



3. Gefahr: Platzen der Kursblase

Aller aktuellen Probleme zum Trotz: Bitcoin und andere Kryptowährungen faszinieren die Anleger vor allem in Asien und in den USA brennend. Der Bitcoin hat 2017 rund 1.300 Prozent an Wert zugelegt, andere Digitalwährungen haben sich noch besser entwickelt. Neben Russland prüft etwa die Schwedische Reichsbank die Einführung einer eigenen „E-Krone“, Australiens Notenbank steht entsprechenden Plänen offen gegenüber. Sollten sich die Vorhaben konkretisieren, dann könnte das Kursfeuerwerk erst richtig losgehen. Analysten der Saxo-Bank halten einen Bitcoin-Kurs von 60.000 Dollar für möglich.


Mit jedem neuerlichen Kursanstieg wächst aber auch die Gefahr eines fatalen Crashs. Schon heute ähnelt der Bitcoin-Kurs Chartanalytikern zufolge einer klassischen Spekulationsblase. Falls es zum Crash kommen sollte, fürchten Kritiker finanzielle Verwerfungen. So kommt eine Untersuchung der Anglia Ruskin University, des Trinity College Dublin und der Dublin City University zu dem Schluss: Sollte die Spekulationsblase der Kryptowährungen platzen, könne die Verkaufswelle auf die traditionellen Finanzmärkte überschwappen.

Schon heute verunsichern starke Kursschwankungen die Investoren. Hochriskante und zum Teil dubiose Krypto-Aktivitäten von Unternehmen mit dem Ziel einer Aktienkurs-Manipulation haben die US-Börsenaufsicht auf den Plan gerufen. Auch die seit Dezember handelbaren Bitcoin-Futures seien nicht ohne Risiko für die Wirtschaft, warnt der Chef des Handelshauses Interactive Brokers, Thomas Peterffy. Sollten durch hohe Schwankungen bei den Terminkontrakten Derivate-Häuser ins Straucheln geraten, könnte das eine Lawine auslösen und die Realwirtschaft destabilisieren.

In den Hintergrund gerückt, aber nach wie vor ungelöst ist auch das Skalierungsproblem beim Bitcoin: Das Netzwerk ist aufgrund der vielen neuen Anleger überlastet, Überweisungen dauern lange und kosten immer mehr. Statt für schnelle Abhilfe zu sorgen, streitet die Bitcoin-Gemeinschaft über nötige Programmverbesserungen.

Anfang Januar ist klar: Der Krypto-Markt steht 2018 am Scheideweg. Zehn Jahre nach ihrer Erfindung müssen Bitcoin und Co. die vielleicht größte Bewährungsprüfung bestehen.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

KONTEXT

Hackerangriffe auf Bitcoin & Co

Bereits knapp eine Million Bitcoin gestohlen

Börsen, an denen Bitcoin & Co. gehandelt werden, sind ein beliebtes Ziel von Hackern. Bei ihren Überfällen erbeuten sie manchmal Millionen und stürzen die Betreiber der Handelsplattformen oft in die Insolvenz. Bislang wurden insgesamt knapp eine Million Bitcoin gestohlen - zum aktuellen Kurs ist das eine Beute von 8,2 Milliarden Dollar.

Einer Studie von Tyler Moore zufolge, einem Professor für Cyber-Sicherheit an der Universität von Tulsa, wurden seit der Erfindung von Bitcoin 2009 ein Drittel aller Handelsplattformen für Krypto-Währungen gehackt. Nach Angaben der Datenschutz-Organisation Privacy Rights Clearinghouse lag die Quote bei US-Banken im gleichen Zeitraum bei einem Prozent.

Mt.Gox

Am bekanntesten ist die Attacke auf die damals weltgrößte Bitcoin-Börse Mt.Gox aus Japan. Etwa 25.000 Kunden verloren rund 650.000 Bitcoin - aktueller Wert: 5,3 Milliarden Dollar. Die Bitcoin-Börse über die seinerzeit 90 Prozent des weltweiten Handels abgewickelt wurde, schlitterte daraufhin Anfang 2014 in die Pleite. Der Insolvenz-Verwalter der Börse hat Ansprüche von Geschädigten im Volumen von 400 Millionen Dollar anerkannt.

Tether

Das jüngste Hacking-Opfer ist Tether. Das Startup teilte am 21. November 2017 mit, "externe Angreifer" hätten die gleichnamige Kryptowährung im Volumen von 31 Millionen Dollar gestohlen. Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge ist Tether mit einem Börsenwert von insgesamt 674 Millionen Dollar die Nummer 19 der insgesamt etwa 1300 Internet-Währungen.

Bitfinex

Im August 2016 erbeuteten Hacker bei einem Angriff auf die Hongkonger Handelsplattform Bitfinex 120.000 Bitcoins im damaligen Wert von etwa 70 Millionen Dollar. Gemessen am aktuellen Kurs beläuft sich der Schaden auf 982 Millionen Dollar.

Cryptsy

Im Juli 2017 wurde der Betreiber der kollabierten Börse Cryptsy dazu verurteilt, 8,2 Millionen Dollar an seine Kunden zu zahlen. Der Richter sah es als erwiesen an, dass 11.325 Bitcoin (heutiger Wert: rund 92 Millionen Dollar) gestohlen wurden. Allerdings blieb unklar, von wem.

Kraken

Am 7. Mai 2017 verloren Kunden der Handelsplattform Kraken einer Klageschrift zufolge fünf Millionen Dollar, weil sie während eines Hacker-Angriffs nicht auf ihre Konten zugreifen konnten. In dieser Zeit stürzte der Kurs der Internet-Währung Ether auf der Handelsplattform um 70 Prozent ab. Die Ether-Bestände derjenigen Anleger, die auf Pump spekuliert hatten, wurden daher zwangsverkauft.

Quelle: Reuters

KONTEXT

Finger weg oder kaufen? Zehn Fragen zum Bitcoin

1. Warum ist der Bitcoin-Kurs so stark gestiegen?

Der Bitcoin hat in diesem Jahr über 1.000 Prozent zugelegt. Das beispiellose Kursfeuerwerk hat viele Gründe. Ein wesentlicher Treiber des Preises war zuletzt das gestiegene Interesse der klassischen Finanzwelt. Hedgefonds und Investmentbanken interessieren sich plötzlich für die Kryptowährung. Kommende Woche wird der erste Bitcoin-Future an einer renommierten Börse angeboten, der CBOE. Eine Woche darauf startet die weltgrößte Terminbörse CME mit einem ähnlichen Angebot. Im ersten Halbjahr 2018 will auch die US-Technologiebörse Nasdaq nachziehen. Kein Wunder, dass mit dem zunehmenden Erfolg der digitalen Währung die Anzahl von Kleinanlegern stieg, was den Kurs ebenfalls befeuert hat. Inzwischen begeistern sich Anleger überall auf der Welt für die weltweit größte Kryptowährung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Sie ermöglicht es, digitales Geld direkt von einer Person zur anderen zu transferieren, ohne dass eine Bank als Mittelsmann eingeschaltet werden muss.

Die Hoffnung auf eine Revolution im Finanzsystem ist groß. Selbst ein Verbot von Krypto-Börsengängen (sogenannte "Initial Coin Offerings", kurz: ICOs) und die Schließung mehrerer Kryptobörsen in der einstigen Bitcoin-Nation China konnten den Erfolg der Währung nicht stoppen.

2. Ist es eine Blase?

Viele Finanzexperten sind fest davon überzeugt, dass der Bitcoin-Boom bald wieder vorbei sein wird. Schließlich ist eine digitale Währung nur so viel wert, wie die Nutzer bereit sind, dafür zu bezahlen. Den Skeptikern ist verdächtig, dass der Kurs des Bitcoins so rapide gestiegen ist - es könnte eine Blase sein. Selbst Krypto-Unternehmer, die die Branche maßgeblich mit vorantreiben, warnen private Investoren davor, große Summen ihrer Ersparnisse zu diesen Preisen in Bitcoins zu stecken. Doch es gibt auch die Optimisten: Eine große Anzahl von Visionären geht vom Erfolg des Bitcoins aus. Ob es eine Blase ist oder sich die Kryptowährung langfristig als eine Art digitales Wertaufbewahrungsmittel durchsetzen wird, kann nur die Zukunft zeigen.

3. Wie kann ich Bitcoins kaufen?

Bitcoins erstehen Anleger ähnlich wie Aktien an elektronischen Handelsplätzen. In Deutschland gehören zum Beispiel www.bitcoin.de, Kraken, Coinbase und Anycoin Direct zu den bekanntesten Kryptobörsen. Nutzer müssen sich zunächst anmelden, können dann loslegen.

Es gilt die Regel: Je größer die Beträge sind, die ein Investor handeln will, desto strenger sind die Anforderungen zur Identifizierung. Zu den meistverbreiteten Methoden gehört es, sich via Skype mit einem Mitarbeiter eines Börsenbetreibers zusammenzuschalten. Der potenzielle Anleger hält dann zur Identifizierung einen Personalausweis neben sein Gesicht.

Was Anleger im Vorfeld beachten sollten: Jede Börse erhebt unterschiedliche Gebühren für den Kauf von Bitcoins. So verlangt etwa Bitcoin.de 0,5 Prozent pro Kauf. Bei Kraken sind es dagegen 0,26 Prozent. Zudem können die Gebühren auch in Abhängigkeit des gewählten Zahlungsmittels variieren. Wer seine Bitcoins mit Kreditkarte bezahlt, muss mehr Gebühren bezahlen als bei einer Sepa-Überweisung. Dafür dauert es in der Regel zwei Tage, bis die Sepa-Transaktion abgeschlossen ist und die Bitcoins auf dem Konto des Nutzers ankommen.

Bei den meisten Börsen ist es möglich, die erworbene Kryptowährung mit Euro zu bezahlen. Davon zu unterscheiden sind Handelsplätze wie Shapeshift - reine Krypto-Börsen. Dort können beispielsweise Bitcoins in Ether oder andere digitale Währungen umgewandelt werden. Euro oder Dollar werden dagegen nicht akzeptiert.

4.Wie hoch kann der Kurs noch steigen?

Im Prinzip gibt es keine Grenze nach oben. Befürworter der Währung halten einen weiteren rasanten Kursanstieg für möglich. Sie sind jedoch oft Teil der Branche und haben damit ein eigenes Interesse am Erfolg der Währung. "Wir sind noch am Anfang der Entwicklung. Der Bitcoin-Preis kann auf lange Sicht auch auf 100.000 Dollar oder mehr steigen. Wenn Bitcoin erfolgreich bleibt und weite Verbreitung findet, gibt es keinen Grund, der dagegenspricht", sagt etwa Timo Schläfer, Mitgründer der Londoner Börse Crypto Facilities.

5. Muss ich meine Bitcoin-Gewinne versteuern?

Wer Bitcoins über eine Handelsplattform kauft, muss die Gewinne unter Umständen versteuern. Das gilt für den Bitcoin genauso wie für andere Kryptowährungen - wie Ether, Ripple und Litecoin. Der Handel "zählt steuerlich zu den privaten Veräußerungsgeschäften - auch Spekulationsgeschäfte genannt", erklärt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Entscheidend für die Besteuerung sei jedoch, wann die digitale Währung gekaut und wieder verkauft werde. "Haben Sie Bitcoin & Co. vor mehr als einem Jahr gekauft, ist die Sache einfach: Ihre Veräußerungsgewinne bleiben steuerfrei", versichern die Experten.

Wer die Bitcoins dagegen nur wenige Monate hält und sie dann mit Gewinn veräußert oder tauscht, müsse den Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. "Es gibt allerdings eine Freigrenze, die beim Sparen hilft", erklärt der Lohnsteuerverein. "Denn private Veräußerungsgeschäfte bleiben bis zu einer Freigrenze von 600 Euro pro Jahr steuerfrei."

Wie die Veräußerungsgewinne ermittelt werden, ist derzeit jedoch nicht eindeutig geregelt. Schließlich unterliegt der Bitcoin starken Schwankungen. Ein Anleger könnte daher mit einem Bitcoin einen hohen Veräußerungsgewinn erzielen, weil er ihn günstig gekauft hat, mit dem nächsten jedoch nur einen kleinen Gewinn, wenn er ihn zu einem höheren Preis erworben hat. Steuerberater empfehlen, sich daher an der sogenannten "First-in-first-out"-Methode zu orientieren. Der Bitcoin, der zuerst gekauft wurde, muss demnach auch zuerst wieder verkauft werden. In jedem Fall sollten Bitcoin-Besitzer ihre Geschäfte genau dokumentieren. Dann können sie dem Finanzamt bei Bedarf genaue Auskünfte liefern.

6. Können Bitcoins gestohlen werden?

Ja! Bei aller Euphorie sollten Nutzer nicht vergessen, dass das Besitzen von Bitcoins mit einigen Risiken verbunden ist. Bislang ist nicht bekannt, dass das eigentliche Bitcoin-Netzwerk gehackt wurde. Bei Dienstleistern wie Handelsplätzen oder den Anbietern von Wallets, einer Art digitaler Geldbörse, haben Hacker allerdings in der Vergangenheit immer wieder Bitcoins von ahnungslosen Nutzern gestohlen. Der bekannteste Hack ist der um Mount Gox aus dem Jahr 2014. Mount Gox war zu der Zeit die größte Bitcoin-Börse, die von dem Franzosen Mark Karpelès von Japan aus betrieben wurde. 850.000 Bitcoins verschwanden im Wert von damals 450 Millionen Dollar. Zu heutigen Preisen wären es bereits über elf Milliarden Dollar. Und das Risiko besteht unvermindert weiter: Erst vergangenen Mittwoch meldete der Krypto-Anbieter Nicehash, dass er Opfer eines Hackerangriffs geworden sei.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bitcoins und andere Kryptowährungen aufzubewahren. Einige Börsen bieten an, die dort gekauften digitalen Münzen auch auf ihren Rechnern zu speichern. Andere Dienste verschlüsseln die digitalen Währungen. Eine weitere Möglichkeit, zu der einige Experten raten: sogenannte "Hardware Wallets" zu benutzen - eine Art USB-Stick, auf dem sich bestimmte Kryptowährungen speichern lassen. Sie werden nur dann an den Computer angeschlossen, wenn der Besitzer kaufen, verkaufen oder digitale Währungen an andere Nutzer verschicken will. Sonst ist er offline und damit vor Hackerangriffen geschützt. Trezor heißt einer der bekannteren Anbieter. Allerdings: Nicht jede beliebige digitale Währung lässt sich auf einem Stick speichern, sondern nur jene, die von dem jeweiligen Anbieter unterstützt wird. Nachteil: Anleger sollten die Sticks nicht verlieren.

7. Sind Bitcoins reguliert?

Es war ein Teil der Faszination rund um den Bitcoin, dass die Kryptowährung zunächst weitgehend unreguliert war. So waren Bitcoins in ihren frühen Jahren ein beliebtes Zahlungsmittel im sogenannten Darknet, da sich die Transaktionen nicht so einfach zurückverfolgen ließen. Derzeit steigt mit dem zunehmenden Erfolg aber auch das Maß an Regulierung. Einige Börsen und Investmentfonds sind damit von den zuständigen Finanzaufsichten in ihrem jeweiligen Heimatland beauftragt worden. Auch die Bitcoin-Futures, die ab kommender Woche in Chicago gehandelt werden, wurden von Aufsehern abgesegnet. Zentralbanken diskutieren angesichts des Kursfeuerwerks ebenfalls über eine Regulierung von Kryptowährungen. Die Regierung in China hat Kryptobörsengänge, sogenannte ICOs, bereits verboten und den Handel mit digitalen Währungen stark eingeschränkt.

Großbritannien macht sich dafür stark, dass Regeln gegen Geldwäsche auch für Kryptowährungen gelten, ebenfalls wurden Steuerbehörden aktiv. So hat etwa die US-Steuerbehörde IRS von der größten Kryptobörse des Landes, Coinbaise, Informationen über ihre Kunden verlangt. Sie will sicherstellen, dass die neuen Kryptomillionäre ihren Reichtum auch angemessen versteuert haben.

8. Wie funktioniert das Schürfen?

Der Bitcoin basiert auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Damit wird eine dezentrale Datenbank bezeichnet, die auf weltweit Tausenden von Rechnern gespeichert ist und ständig erweitert wird. Es handelt sich sozusagen um eine lange Kette von Datenblöcken. Alle neuen Transaktionen - zum Beispiel der Kauf von Bitcoins - werden von einer Art digitalem Buchhalter gebündelt und in Form von neuen Blöcken an die Kette angehängt. Für ihre Arbeit werden sie mit Bitcoins belohnt.

Der Haken des Verfahrens: Die Buchhalter können die Datenblöcke nur hinzufügen, wenn ihre Computer Rechenaufgaben lösen, die der Bitcoin-Algorithmus vorgibt. Für jeden neuen Block, der an die Kette angehängt wird, gibt es einen Wettbewerb zwischen den Computern. Wer die Aufgabe als Erstes löst, gewinnt.

Die Aufgaben werden über die Zeit immer komplizierter. Konnte sie früher noch jeder am heimischen PC lösen, sind die Produzenten heute meist Betreiber großer Computernetzwerke. Diese lösen die zunehmend komplizierteren Rechenaufgaben. Weil das viel Energie verschlingt, sitzen die Produzenten aufgrund des billigen Stroms vor allem in China und werden Schürfer (englisch: "Miner") genannt.

Da die Rechenaufgaben komplexer werden, sinkt die Zahl der neu produzierten Bitcoins. Der Algorithmus besitzt sogar eine absolute Obergrenze: Bei 21 Millionen Münzen ist Schluss. Über 16 Millionen sind bereits produziert, das "Mining" von neuen wird schwieriger. Somit wird der Bitcoin über die Zeit seltener und wertvoller.

Das System gilt als praktisch fälschungssicher, da nicht nur eine zentrale Datenbank existiert, sondern die Blockchain auf einer Vielzahl von Rechnern gleichermaßen existiert: Jeder Teilnehmer kann die vorhandenen Kopien miteinander vergleichen. Ist in einer eine nachträgliche Manipulation versteckt, fällt das aufgrund der vielen Kopien sofort auf.

9. Können Anleger in Fonds für Bitcoins investieren?

Bisherige Versuche, börsengehandelte Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), für Bitcoins aufzulegen, sind am Widerstand der Aufsichtsbehörden gescheitert. So versuchen die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss, bekannt zunächst als Ruderer und dann als Investoren, seit Langem, von der US-Wertpapieraufsicht (SEC) die Genehmigung für einen Bitcoin-ETF zu erhalten - bisher ohne Erfolg. Erst im Frühjahr hatten sie den Versuch unternommen, den "Winklevoss Bitcoin Trust ETF" aufzulegen - erfolglos.

Die Winklevoss-Zwillinge wurden vor wenigen Tagen zu den ersten Bitcoin-Milliardären gekürt. Bereit s im Jahr 2013 haben sie für elf Millionen Dollar Bitcoins gekauft. Das war ein Teil der Entschädigung, die sie von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erstritten hatten. Sie werfen dem Facebook-Chef vor, die Idee für das "§soziale Netzwerk von ihnen gestohlen zu haben. Heute betreiben die Zwillinge die New Yorker Kryptobörse Gemini.

Einige wenige Anbieter haben klassische Investmentfonds entwickelt, die in einen Korb von verschiedenen Kryptowährungen investieren. Diese Fonds sind bislang jedoch vor allem für institutionelle Investoren zugänglich. Das könnte sich ändern. Denn auf den Start der regulierten Bitcoin-Futures kommende Woche könnten weitere Finanzprodukte folgen. So wäre es zum Beispiel denkbar, einen ETF zu entwickeln, der auf Bitcoin-Futures basiert.

10. Was sind die größten Risiken?

Zu den Risikofaktoren zählt ein möglicher und erfolgreicher Hackerangriff auf die gesamte Infrastruktur. Bislang ist das System davon verschont geblieben. Lediglich Dienstleister, die auf den Bitcoins basierende Angebote betreiben, hatten bislang mit Angriffen zu kämpfen.

Ein weiteres Risiko besteht seitens der Regulierer. Sollten die G20-Staaten zum Beispiel gemeinsam den Bitcoin-Handel verbieten - ähnlich wie in China geschehen -, würde das den Preis stark beeinflussen. Selbst wenn der Bitcoin nur strenger reguliert würde, sind die Auswirkungen unklar. Immerhin hat der Bitcoin lange Zeit davon profitiert, weitgehend unreguliert zu sein. Sobald sich alte Finanzwelt und Aufseher zu stark einmischen, könnte das die neue Kryptowährung unattraktiv machen.

Auszuschließen ist auch nicht, dass es irgendwann eine neue, bessere Kryptowährung geben wird, die den Bitcoin ablösen wird. Denn: Das Schürfen der digitalen Münzen ist extrem energieaufwendig. Berechnungen des Analysedienstes Digiconomist zufolge liegt der jährliche Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks um die 30 Terawattstunden und liegt damit auf dem Niveau von Dänemark.

Und das System kann die hohe Nachfrage kaum noch bewältigen. Rund sieben Transaktionen pro Sekunde kann die Bitcoin-Blockchain abwickeln. Zum Vergleich: Der Kreditkartenkonzern Visa schafft an normalen Tagen 2.000 Transaktionen pro Sekunde. Updates müssen her. Doch in einem dezentralen System ist das nicht so einfach.