Drei famose Franzosen in München

Mit dem 3:1 gegen Paris St. Germain hat der FC Bayern München ein Zeichen an die Konkurrenz gesetzt. Die Bayern sind wieder da! Vor allem dank der frei Franzosen und der Next Generation. Von Patrick Strasser

Kingsley Coman (M.) wird für die Bayern allmählich unverzichtbar

Gegen die Franzosen von Paris St.Germain die Franzosen vom FC Bayern spielen lassen? Also Franck Ribéry, Kingsley Coman und Corentin Tolisso? Mais oui – aber ja doch. Eine so simple wie logische und gleichzeitig effektive Schlussfolgerung.

“Natürlich hat das im Hinterkopf eine Rolle gespielt”, sagte Trainer Jupp Heynckes nach dem 3:1 im letzten Gruppenspiel der Champions-League-Vorrunde. Falsche Bescheidenheit. Denn es war seine Idee, es waren seine Entscheidungen.

Tolisso, für den die Bayern im Sommer 41,5 Millionen Euro an Olympique Lyon überwiesen, somit der Rekordtransfer der Vereinshistorie, erzielte zwei Treffer. Flügelstürmer Coman bereitete zwei Tore vor und Ribéry, zwei Monate wegen eines Außenbandrisses außer Gefecht, durfte erstmals wieder von Anfang an drauflos stürmen – und das mit der Kapitänsbinde am Arm.

Minimaler Nachteil im Achtelfinale

Alle drei Franzosen überzeugten und bildeten den Schlüssel zum Erfolg, den Prestige-Sieg gegen den milliardenschweren Hauptstadtklub mit den Superstars Neymar, Mbappé & Co., der den Bayern ein Glücksgefühl einbrachte, wegen des schlechteren Torverhältnisses jedoch nicht den Gruppensieg.

Die Revanche für das 0:3 am zweiten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase ist geglückt, der Gruppensieg allerdings war nicht mehr machbar. So gehen die Bayern mit dem minimalen Nachteil in die erste K.o.-Runde Achtelfinale (Februar/März), im Rückspiel auswärts antreten zu müssen.

Was den glücklichen Siegern jedoch ziemlich nebensächlich erschien. “Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben”, freute sich Heynckes. “wir haben taktisch clever und klug gespielt.” Dank der Franzosen-Power.

Die drei famosen Franzosen

“Ich weiß, dass Spiele gegen PSG für diese Jungs etwas Besonderes sind”, sagte der 72-Jährige vor der Partie und schickte all seine Franzosen des Kaders auf den Platz. Das Trio formidable zahlte mit Leistung zurück.

Coman begann als Rechtsaußen anstelle von Thomas Müller, über die linke Seite wirbelte wie in besten Tagen der 34-jähirge Ribéry. “Es war schön, ich hatte Spaß auf dem Platz”, sagte ein glücklicher Ribéry und fügte hinzu: “Jupp kennt mich. Wir hatten zwei gemeinsame Jahre.”

Dass ihm sein Landsmann, der erst 21-jährige Coman, auf der rechten und nach Ribérys Auswechslung auf der linken Außenbahn die Show stahl mit seinen Tempodribblings, störte den alten Platzhirschen nicht. Heynckes war begeistert von Coman, der erst in seinem dritten Jahr in München so richtig aufblüht. “Kingsley wird immer besser, behält jetzt auch die Übersicht, wenn er über die Außen durchbricht und flankt. Das ist auch ein Ergebnis unseres Trainings. Außerdem hat er jetzt auch die Anerkennung der Mannschaft und der Fans.”

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Der König ist tot, es lebe der König

Heynckes prophezeit seinem Schützling eine große Zukunft: “Er hat riesige Fähigkeiten, die er weiter perfektionieren muss. Um ein ganz großer Spieler zu werden, gehört eine große Persönlichkeit dazu. Das ist ein Reifeprozess. Er hat das Zeug dazu.”

Der “King”, wie Coman in der Mannschaft genannt wird, dürfte über kurz oder lang Ribéry, dessen Vertrag kommenden Sommer ausläuft, beerben. Dann heißt es mittelfristig: Der König ist tot, es lebe der King.

Der dritte famose Franzose des Paris-Spiels war Corentin Tolisso (23), der im zentralen Mittelfeld anstelle Arturo Vidal als offensiver Achter agierte. Und wie! Mit Wucht und Entschlossenheit. “Er hat schon in den letzten Wochen angedeutet, dass er ein großartiger Fußballer ist, dass er Torgefahr ausstrahlt”, lobte ihn Heynckes, “Tolisso ist ein sehr guter Teamplayer, läuferisch und kämpferisch stark. Für mich war es selbstverständlich, dass ich ihn bringe.” Gegen Paris – bien sur, natürlich.

Die neue Generation drängt sich auf

Coman ist 21 Jahre jung, Tolisso 23, die deutschen Nationalspieler Joshua Kimmich und Niklas Süle sind beide 22, Dazu James Rodríguez, die Real-Leihgabe, mit deutlich gestiegenen Leistungen. Der Kolumbianer, von Heynckes aufgebaut und als defensiverer Mittelfeldspieler neu erfunden, ist auch erst 26. Diese U27 der Bayern hat Zukunft.

Die neue Generation rüttelt am Thron der Routiniers wie Ribéry, Arjen Robben, Vidal, Javi Martínez sowie den Innenverteidigern Mats Hummels und Jérome Boateng, die alle 28 und älter sind. Die “next Generation” ante portas – den Bayern muss um die mittelfristige Zukunft nicht bange sein.

Auslosung des Achtelfinals am Montag

Recht kurzfristig, bereits am Montagmittag, wird den Münchner der Achtelfinal-Gegner zugelost, einer der Gruppensieger. Darunter sind Manchester City und der FC Barcelona. Das 3:1 gegen Paris, der zehnte Erfolg im elften Spiel unter Jupp Heynckes, hat die Bayern aber noch selbstbewusster gemacht. “Wir haben untermauert, dass wir eine gute Mannschaft haben, dass wir in der Champions League Ambitionen haben, dass die Mannschaft immer besser wird und an sich glaubt”, meinte der Trainer.

Und Thomas Müller betonte: “Man hatte jetzt nicht das Gefühl, dass uns eine Übermannschaft komplett überlegen war. Es wird immer so getan, als ob Paris einen Zaubertrank hätte. Vielleicht sollte man mal ein bisschen runter vom Gas, wenn es darum geht, andere Mannschaften so hochzuloben.” Denn, so Müller: “Wir sind immer noch der FC Bayern.” Nämlich Titelanwärter UND Perspektivteam.