Der große Check: Wer wird jetzt Europameister?

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Der große Check: Wer wird jetzt Europameister?
Der große Check: Wer wird jetzt Europameister?

Die Spannung steigt: Mit Italien, England, Spanien und Dänemark kämpfen noch vier Mannschaften um Europas Thron bei der EM 2021.

Wer hat die beste Form und krönt sich am 11. Juli in Wembley mit dem Titel? SPORT1 macht den Check.

1.) Italien

Die Elf von Trainer Roberto Mancini eilt von Sieg zu Sieg. Die Gruppenphase meisterte die Squadra Azzurra mit neun Zählern souverän, im Achtelfinale hatte man mit den Österreichern allerdings mehr Mühe als erwartet und gewann erst in der Verlängerung mit 2:1. Dafür wusste Italien im Viertelfinale gegen Belgien wieder zu überzeugen. Die Azzurri sind nun seit 32 Spielen ohne Niederlage. Doch was macht den viermaligen Weltmeister so stark? 

Schlussmann Gianluigi Donnarumma gilt schon jetzt als einer der weltbesten seines Fachs und trieb nicht nur beim Sieg über die Belgier in München Romelu Lukaku und Co. zur Verzweiflung. Seine jüngste Bilanz im Nationaltrikot ist mehr als beeindruckend: In elf Spielen musste der Schützling von Mino Raiola nur zweimal hinter sich greifen.

"Dieses Italien ist außergewöhnlich und wir können es mit jedem aufnehmen," machte Donnarumma nach dem Viertelfinale deutlich.

Chiellini und Bonucci sind das Maß der Dinge

Das Innenverteidiger-Pärchen Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci ist europaweit aktuell wohl derzeit das Maß der Dinge. Robust im Zweikampf, perfekt im Stellungsspiel, dazu kommt ein blindes Verständnis. Dieses Abwehrbollwerk bremst allerhand Angriffe aus. Und das zumeist mit Auge. 

Ein ganz wichtiger Baustein im System von Mancini ist auch Nicolò Barella. Der 24 Jahre alte Mittelfeldmann bringt alles mit - Technik, Power und gefährliche Läufe in den gegnerischen Strafraum. Gegen Belgien brillierte der Mann von Inter Mailand auch als Torschütze. 

Und dann wären da noch die hungrigen Ersatzspieler, die auf ihre Chance lauern, wenn ihre Zeit gekommen ist. Auffällig ist: Wenn Mancini einen Wechsel vornimmt, ist nicht einmal ein Hauch von Qualitätsverlust spürbar. Auch die Akteure auf der Bank verkörpern höchstes Niveau und den unbedingten Willen.

Wenn es mal nicht so läuft, richten die Joker es aber auch gerne einmal selbst. So brachten Federico Chiesa und Matteo Pessina die strauchelnde Elf gegen Österreich in der Verlängerung auf die Siegerstraße. "Dass sie 2018 nicht dabei waren, macht sie stark. Mancini hat eine Mannschaft zusammengestellt, die Fußball spielen kann. Auch nach vorne", betonte SPORT1-Experte Stefan Effenberg im EM Doppelpass.

Auch Jürgen Kohler ist von den Italienern begeistert. "Sie spielen einen erfrischenden Fußball, sind trotzdem sehr stabil gegen den Ball. Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. Sie haben eine gute Chance, den Titel zu holen. In der Breite gibt es bei dieser EM keine so hohe Qualität."

2.) England

Die englische Nationalmannschaft hat bei der Europameisterschaft die positive Entwicklung der letzten Jahre bestätigt und nach Platz vier bei der WM 2018 zum zweiten Mal in Folge das Halbfinale bei einem großen Turnier erreicht.

Nach einem schon eher zähen 1:0-Auftaktsieg gegen Kroatien musste sich England nach einem schwachen Auftritt ausgerechnet gegen Nachbar Schottland (0:0) viel Kritik gefallen lassen und konnte auch im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien (1:0) nur eine Halbzeit lang überzeugen.

Im Achtelfinale gegen Deutschland (2:0) legten die Three Lions dann aber schon spürbar zu und lieferten nun im Viertelfinale gegen die Ukraine (4:0) die erste richtig starke Vorstellung ab. Bemerkenswert dabei ist, dass die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate noch kein einziges Gegentor kassiert hat. "Wir wollen nicht nur ins Halbfinale, wir wollen weiter und den ganz großen Coup landen", ließ Leistungsträger Harry Maguire wissen.

Southgate führt Three Lions in neue Sphären

Ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg der Engländer ist sicherlich Coach Southgate, der lange wegen seines Fehlschusses im Elfmeterschießen im Halbfinale der Europameisterschaft 1996 in Erinnerung blieb, nun aber sein Land aus einer sportlichen Talfahrt zu neuen Höhen führt.

Dazu schießt Torjäger Harry Kane nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der EM jetzt auch wieder Tore. Effenberg glaubt allerdings: "Harry Kane muss sich erst mal gegen Bonucci oder Chiellini durchsetzen, falls England im Finale auf Italien trifft." Zuvor müssen die Engländer aber ein aufstrebendes Dänemark bezwingen.

"Wir haben viel Selbstvertrauen, aber wir wissen auch, wie gefährlich Dänemark ist. Wir müssen uns konzentrieren und alles geben. Das müsste reichen fürs Finale," forderte Jordan Henderson.

SPORT1-Experte Mario Basler sieht bei den Engländern derweil einen ganz entscheidenden Vorteil: "Sie spielen zu Hause, in Wembley."

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3.) Spanien

Lange als Mitfavorit gehandelt, erhielten die spanischen Titelhoffnungen in der Vorbereitung auf die Endrunde gleich mehrere Dämpfer. Positive Corona-Tests bei Sergio Busquets und Diego Llorente, wobei sich letzterer als falsch herausstellte, sorgten für eine Unterbrechung des regulären Trainingsbetriebes und dafür, dass den als Generalprobe gedachten Test gegen Litauen nur die U21 bestreiten konnte. Ein 0:0 gegen Portugal war somit das einzige Vorbereitungsspiel.

Ins Turnier startete Spanien gegen Schweden (0:0) und gegen Polen (1:1) nur mit zwei enttäuschenden Unentschieden. Im abschließenden Gruppenspiel aber platzte bei der Mannschaft von Trainer Luis Enrique mit dem 5:0 über die Slowakei der Knoten.

Im Achtelfinale gegen Kroatien machte es Spanien nach einer 3:1-Führung noch unnötig spannend und konnte sich letztlich erst in der Verlängerung mit 5:3 durchsetzen. Sogar ins Elfmeterschießen mussten die Iberer im Viertelfinale gegen die Schweiz, weil erneut eine deutliche Überlegenheit nicht in Zählbares umgemünzt werden konnte. 

Luis Enrique ist der Vater des spanischen Erfolgs

Die Spanier verlassen sich nicht nur auf ihre Einzelkönner, sondern dominieren ihre Gegner mit Kombinationsspiel und viel Ballbesitz. Der Vater des Erfolgs ist Trainer Luis Enrique, der aus persönlichen Gründen im Juni 2019 sein Amt zur Verfügung stellte, um nach dem Ende der Qualifikation im November wieder zurückzukehren. 

Vor dem Halbfinale gegen Italien stellt sich bei den Spaniern "die Frage, wie sie die beiden Verlängerungen überstanden haben", meinte Effenberg. "Ich sehe die Spanier nicht so stark wie die Italiener", sagte Basler.

4.) Dänemark

Der EM-Start der dänischen Nationalmannschaft hätte nach einer vielversprechenden Vorbereitung kaum schlechter verlaufen können. Der Zusammenbruch von Christian Eriksen überschattete das Auftaktspiel gegen Finnland so sehr, dass das Ergebnis der letztlich nach knapp zweistündiger Unterbrechung mit 0:1 verlorenen Partie nahezu keine Rolle spielte.

Weil danach trotz guter Leistung auch gegen Belgien eine 1:2-Pleite stand, war Dänemark schon fast ausgeschieden, ehe die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand mit einem 4:1 im letzten Gruppenspiel gegen Russland und entsprechender Schützenhilfe doch noch Zweiter wurde.

Den Schwung aus dieser Partie nahm Dänemark dann mit in die K-o.-Phase und ließ Wales im Achtelfinale mit einem 4:0-Sieg keine Chance. Im Viertelfinale legte die dänische Auswahl auch wieder furios los und ging gegen Tschechien früh in Führung.

Kjaer: "Es ist eine wahnsinnige Leistung"

Mit dem 2:0 durch Kasper Dolberg kurz vor der Pause schien die Begegnung schon entschieden, wurde nach dem tschechischen Anschlusstreffer aber nochmals spannend. Am Ende reichte es aber zum ersten Halbfinal-Einzug bei einem großen Turnier seit dem EM-Coup 1992. "Es ist Wahnsinn", sagte Kapitän Simon Kjaer. "Wir hatten vor der EM das Ziel, nach Wembley zu fahren, aber ich würde auch lügen, wenn ich sagen würde, dass wir zufrieden sind. Es ist eine wahnsinnige Leistung."

Effenberg sieht "das Kollektiv als die Stärke von Dänemark". Hjulmand hat sein Team im Laufe des Turniers gefunden, und dazu gehört auch, dass Yussuf Poulsen im Viertelfinale nur von der Bank kam. "Meine Generation ist mit den Legenden von 1986 und 1992 aufgewachsen", sagte Delaney, "so weit sind wir noch nicht, aber die Freude, die wir zu Hause erzeugen, ist eine große Antriebskraft für uns."

Basler meint: "Klar wünschen wir uns Dänemark als den großen Außenseiter. Ich glaube, wenn Eriksen beim Halbfinale auf der Tribüne sitzen würde, würde das noch mal was mit der Mannschaft machen. Auch mit England. Das würde noch mal eine richtige Gänsehaut geben."

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