Drei Dinge, die es nach einer Entlassung zu beachten gilt – und warum ihr nicht überstürzt einen neuen Job suchen solltet

Viele Menschen stürzen sich nach einer Kündigung direkt in die Jobsuche. Aber diese Hektik kann kontraproduktiv sein. - Copyright: SARINYAPINNGAM / Getty Images
Viele Menschen stürzen sich nach einer Kündigung direkt in die Jobsuche. Aber diese Hektik kann kontraproduktiv sein. - Copyright: SARINYAPINNGAM / Getty Images

Entlassungen kommen für viele Menschen überraschend. Selbst der beste Mitarbeiter kann seinen Job verlieren, wenn sich die Branche grundlegend ändert, das Unternehmen sparen muss, oder wenn sich die Prioritäten des Unternehmens ändern. Was solltet ihr also tun, wenn euer erster Schock über die Entlassung abgeklungen ist? Euch sofort auf die Suche nach der nächsten Stelle machen?

"Viele Menschen neigen instinktiv dazu, sofort aktiv zu werden", sagt Ellen Taaffe, klinische Assistenzprofessorin für Management und Organisationen und Leiterin der Programme für Frauen in Führungspositionen an der Kellogg School. Diese Hektik kann jedoch kontraproduktiv sein. Sie nimmt euch die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was ihr euch wirklich für euren weiteren Karriereweg wünscht – und was euch dabei helfen kann, dieses Ziel zu erreichen.

Selbst der altbekannte Ratschlag, die Stellensuche wie eine Vollzeitbeschäftigung anzugehen, kann nach hinten losgehen, meint Taaffe. Grund dafür ist, dass dabei der Druck entsteht, die erstbeste Gelegenheit anzunehmen – unabhängig davon, ob die Stelle zu euch passt. Taaffe gibt euch drei Tipps, wie ihr über eure Entlassung hinwegkommen und euch auf die nächsten Karriereschritte vorbereiten könnt.

1. Nehmt euch Zeit, um neue Perspektiven zu gewinnen

Unmittelbar nach einer Entlassung herrscht bei euch vermutlich ein großes Gefühlschaos. Ihr fühlt euch von eurem Arbeitgeber betrogen, seid fassungslos, wütend und schämt euch vielleicht gleichzeitig, selbst wenn ihr Teil einer größeren Entlassungswelle seid.

Es ist wichtig, eine Entlassung als ein wichtiges Lebensereignis anzuerkennen, so Taaffe. Wenn ihr versucht, sie zu verdrängen, lernt ihr aus dieser Erfahrung wahrscheinlich nur wenig.

"Wenn ihr euch die Zeit nehmt, um nachzudenken, Sport zu treiben, Zeit in der Natur zu verbringen oder Hobbys wieder aufleben zu lassen, könnt ihr neue Perspektiven gewinnen und wieder ein Gleichgewicht herstellen", rät Taaffe. "Sogar ein Wochenendtrip zu Freunden oder Verwandten kann euch dabei helfen, wieder aufzuatmen und neue Kraft zu tanken."

Natürlich ist nicht jeder in der finanziellen Lage, lange ohne Einkommen zu leben. Aber oft habt ihr mehr Zeit für eine Pause, als ihr denkt. Taaffe empfiehlt euch, während eurer Jobsuche auch die Zeit zum Ausruhen und zum Nachdenken miteinzuplanen, sofern es eure finanzielle Situation zulässt.

"Gespräche mit anderen Menschen, die eine Entlassung erlebt haben, können euch davor bewahren, in eine Abwärtsspirale negativer Gedanken zu geraten", so Taaffe. "Im Laufe der Zeit werdet ihr feststellen, dass diese Erfahrung nur ein kleiner Fleck in eurem Lebenslauf ist, auch wenn sie in Wirklichkeit sehr schmerzhaft ist. Sie kann euch ganz neue Möglichkeiten eröffnen, euch näher an euer Ziel bringen".

Mann Frau Bewerbungsgespräch
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2. Überdenkt eure Prioritäten

Eure nächste Stellensuche sollte mit einem Rückblick beginnen. Denkt darüber nach, was euch an eurer vorherigen Stelle am besten gefallen hat und was euch in Zukunft am wichtigsten ist. Taaffe empfiehlt euch, eine Liste mit den Top zehn Prioritäten für euren nächste Job zu erstellen. Vielleicht seid ihr an einer bestimmten Art von Arbeit besonders interessiert, legt Wert auf einen kürzeren Arbeitsweg oder möchtet neue Fähigkeiten entwickeln.

Diese Liste ermöglicht es euch, potenzielle neue Stellen zu bewerten und ihre Merkmale mit den Prioritäten auf eurer Liste zu vergleichen. Dadurch merkt ihr, dass ihr eine gewisse Kontrolle über den Prozess habt und dass zwar kein Job perfekt ist, aber einige Stellen besser mit euren Prioritäten übereinstimmen als andere.

"Kein Job wird zu 100 Prozent zu euch passen. Die meisten werden nicht mehr als 80 bis 90 Prozent eurer Bedürfnisse erfüllen. Aber dank der Liste erkennt ihr vielleicht, dass ein bestimmter Aspekt des Jobs ein absolutes Ausschlusskriterium ist", so Taaffe.

Nachdem Taaffe während der Finanzkrise 2008 bis 2009 ihre Stelle im Markenmanagement bei Whirlpool verloren hatte, prüfte sie ähnliche Stellen in anderen Branchen. Dabei habe sie festgestellt, dass sie es satthatte, den ganzen Tag lang Präsentationen zu halten und in Meetings zu sitzen.

"Ich wollte mit guten, klugen Menschen zusammenarbeiten, um Marken voranzubringen und auf Verbraucherwünsche einzugehen", sagt sie rückblickend. "Ich wollte schon immer etwas Unternehmerisches ausprobieren."

Nachdem sie 25 Jahre lang in einem US-Unternehmen gearbeitet hatte, wechselte sie zu einer kleinen Firma im Bereich Marktforschung- und Markenstrategie. Dort hatte sie die Möglichkeit, ein kleines Unternehmen mit einer erstaunlichen Unternehmenskultur zu leiten, das Produkt- und Dienstleistungsportfolio zu diversifizieren und aktiver im Bereich der Coaching- und Geschäftsentwicklungsarbeit zu sein, die sie sehr mochte.

Um herauszufinden, inwieweit bestimmte Möglichkeiten mit euren Prioritäten übereinstimmen, braucht ihr jedoch etwas Zeit und Mühe. Etwa ein Beratungsprojekt zu übernehmen, sei ein hilfreicher Weg, um zu lernen, wie Teammitglieder interagieren und Aufgaben erledigen. So leitete auch Taaffe zunächst eine Sitzung über strategisches Engagement, bevor sie den Sprung in ihr neues Unternehmen wagte. Sie konnte sich dadurch davon überzeugen, dass dies der ideale nächste Schritt sein würde, sagt sie heute.

Ohne Einblick in die inneren Abläufe eines Unternehmens kann es schwierig sein, über die Stellenbezeichnung und die Vergütung hinauszusehen und euer Interesse an der Arbeitsstruktur, der Unternehmenskultur und den Entwicklungsmöglichkeiten abzuwägen. Taaffe empfiehlt, bei Vorstellungsgesprächen die derzeitigen Mitarbeiter zu fragen, wie sie die Unternehmenskultur beschreiben würden, welche Arten von Menschen in dem Unternehmen erfolgreich seien und was passiere, wenn etwas schiefläuft.

"Manche Unternehmen sind der Meinung, dass sie nicht innovativ genug sind, wenn sie nicht jedes Jahr mit einem Produkt am Markt scheitern. Bei anderen Unternehmen fliegt nach einer gescheiterten Produkteinführung jeder aus dem Team raus. Es geht darum, zu verstehen, wie die Firma mit Risiken umgeht. Am wichtigsten ist es aber, sich selbst zu fragen: Bietet das Unternehmen eine Kultur, in der ich dazulernen und mich entfalten kann?"

3. Nutzt euer Netzwerk

Wenn ihr wieder in den Arbeitsmarkt einsteigt, ist es euch womöglich etwas unangenehm, euer Netzwerk zu reaktivieren, das ihr im Laufe eurer Karriere aufgebaut habt. Taaffe rät ihren Studenten und Studentinnen zwar, ständig mit ihrem Netzwerk in Verbindung zu bleiben und sich nicht nur dann zu melden, wenn sie etwas benötigen. Aber es ist nicht immer leicht, die Mühe dazu aufzubringen.

"Nach einer Entlassung neigen Menschen dazu, ihr Netzwerk nicht mehr so schnell aus den Augen zu verlieren", so Taaffe. "Aber wenn ihr zum ersten Mal in so einer Situation seid, kann es Überwindung kosten, diese Beziehungen zu reaktivieren."

Taaffe hat ein paar einfache Regeln, wie ihr Menschen kontaktieren könnt, mit denen ihr lange nicht gesprochen habt: Nehmt die Pause zur Kenntnis und erklärt, dass ihr den Kontakt wiederherstellen möchtet. Teilt den Personen dann mit, dass ihr entlassen worden seid und gerne erfahren würdet, wie deren Erlebnisse und Karriereschritte bei der Planung eurer nächsten Schritte helfen könnten.

Manchen Entlassenen fällt es dagegen leichter, auf ein persönliches Gespräch zu verzichten und sich ganz öffentlich Input und Empfehlungen geben zu lassen. Eine von Taaffes ehemaligen Studentinnen etwa teilte kürzlich die Nachricht von ihrem Arbeitsplatzverlust in einem Linkedin-Post und bat ihr Netzwerk um Hilfe.

Frau Event
Frau Event

Manche zögern aus Scham davor, andere Menschen zu kontaktieren, selbst wenn diese Scham unbegründet ist. Ihr müsst euch immer wieder vor Augen führen, dass eine Entlassung zu vielen, wenn nicht sogar zu den meisten, Karrieren dazugehört und nicht persönlich gemeint ist. Wenn ihr euch abgeschottet fühlt, so Taaffe, solltet ihr zunächst mit den Personen sprechen, denen ihr am meisten vertraut. Dann könnt ihr herausfinden, wie ihr auch mit anderen Menschen am besten über eure Situation sprechen und den Kreis der Eingeweihten erweitern könnt.

Beim Networking empfiehlt Taaffe jedoch, immer mit einer konkreten Anfrage an die Personen heranzutreten. "Vermeidet die gefürchtete Frage, 'Darf ich dich mal ein bisschen ausfragen?'", sagt Taaffe. "Das signalisiert, dass ihr euch nicht die Zeit genommen habt, eure Gedanken zu sortieren. Ihr müsst es sehr beschäftigten Menschen leichtmachen, zu verstehen, wie sie euch helfen können.

Größere Chancen auf Erfolg habt ihr demnach, wenn ihr jemanden aus eurem Netzwerk um ein 30-minütiges Treffen bittet, um beispielsweise zu erfahren, wie diese Person vom Vertrieb ins Marketing gewechselt ist und was ihr daraus lernen könnt. Das ist besser, als in Meetings nur aufzuarbeiten, was bei eurem letzten Job schiefgelaufen ist.

"Was in der Vergangenheit passiert ist, sollte nur zehn Prozent des Gesprächs ausmachen. In 90 Prozent davon sollte es darum gehen, was als Nächstes ansteht, was ihr lernen möchtet und welche Veränderungen ihr bewirken möchtet", erklärt Taffee.

Dieser Artikel wurde von Stefanie Michallek aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.