Draghi sieht Zukunft der Eurozone optimistisch

EZB-Präsident Draghi

EZB-Chef Mario Draghi sieht die Zukunft der Eurozone optimistisch. Nach Jahren der Unsicherheit, ob die Eurozone ihre Arbeitsmärkte reformiert, herrsche in Europa nun neues Vertrauen, sagte Draghi am Dienstag bei der jährlichen Tagung der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra. "Es gibt ein neues Vertrauen in den Reformprozess und eine neue Unterstützung des europäischen Zusammenhalts, was dazu beitragen kann, aufgestaute Nachfrage und Investitionen freizusetzen."

Draghi warnte zugleich davor, die expansive Geldpolitik der EZB zu verändern. Zwar drohe keine Deflation mehr. Aber "die Dynamik der Inflation ist noch nicht dauerhaft und selbsterhaltend", sagte der EZB-Chef. "Deshalb muss unsere Geldpolitik beständig bleiben."

Laut Draghi haben die von der EZB auf den Weg gebrachten Anleihenkäufe von 60 Milliarden Euro im Monat sowie niedrige Zinsraten eine Deflation abgewendet, die zu einer Spirale aus niedrigen Löhnen und geringem Konsum führen kann. Draghi sprach sich aber für eine schrittweise Anpassung der Geldpolitik aus.

In der EU sieht Draghi einen "großen Unterschied" der Stimmung im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das Brexit-Votum der Briten im vergangenen Jahr hatte populistischen Stimmen in der EU Auftrieb gegeben. Die Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten im Mai stärkte nun wieder die Stimmen des pro-europäischen Lagers. Macron steht für eine stärkere Integration Europas.

"Die schweigende Mehrheit Europas hat wieder eine Stimme", sagte Draghi. Die Aussichten für wirtschaftliche Erholung hätten sich verbessert, und die Stimmen, die den Niedergang von EU und Euro forderten, seien zu kaum hörbaren "Flüsterern" geworden.