Darum ist die Drägerwerk-Aktie in wenigen Tagen um über 20 % eingebrochen

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Drägerwerk Flaggen

Ja, manchmal läuft es an der Börse nicht, wie man will. Da ist der Kurs der Drägerwerk (WKN:555060)-Aktie im Oktober noch schön um die Marke von 100 Euro gependelt und jetzt dieser krasse Absturz.

Das war passiert

Am Montag (13.11.) gab das Management in einer Telefonkonferenz Erläuterungen zu einer Ad-hoc-Meldung vom 10.11. Die Anleger reagierten sensibel auf die zurückhaltenden Aussichten für die Margenentwicklung. In der ersten Novemberhälfte wurden über 20 % Börsenwert vernichtet, nachdem schon die Quartalsmitteilung (02.11.) keine große Begeisterung auslöste. Das ist ein starkes Stück für einen doch eigentlich grundsoliden Traditionskonzern, der sich erfolgreich in der Medizin- und Sicherheitstechnik tummelt.

Dabei hat sich das Management alle Mühe gegeben, das alles festlich zu verpacken. Man wolle beim Umsatzwachstum auf die Tube drücken und dafür seien eben Investitionen nötig, die erst mal nicht die gewohnten Renditen abwerfen.

Für das dritte Quartal wurden zuvor ordentliche Zahlen präsentiert, wobei leicht negativ zwei Dinge ins Auge sprangen: Eine zurückgehende Dynamik beim Auftragseingang und im Verhältnis zum Umsatz steigende Verwaltungskosten.

Na und?

Als kritischer Beobachter kann man da schon zum Schluss kommen, dass sich da etwas zusammenbraut, denn warum wohl sucht das Management die Flucht nach vorne? Aber selbst wenn man das ignoriert, werden Analysten gezwungen, ihre Zahlenmodelle anzupassen — und da gleicht etwas mehr Umsatz den erwarteten Rückgang bei der Marge von zuletzt 5 bis 7 % auf 4 bis 6 % in den Jahren 2018 und 2019 offenbar nicht aus.

Trotzdem muss man aber auch berücksichtigen, dass steigende Forschungs- und Entwicklungsausgaben langfristig positiv zu sehen sind. Sie vergrößern den Graben gegenüber dem Wettbewerb und sorgen gleichzeitig für die Erschließung von neuen Umsatzquellen.

Und jetzt?

Also auf mich wirkt das Ganze durchaus schlüssig. Im Konsolidierungsjahr 2016 wurde das Kerngeschäft per Kostensenkungsprogramm gestärkt und jetzt wo es dort wieder ziemlich rund läuft, versucht man wieder Gas zu geben.

Für ein stabiles und profitables Unternehmen mit Umsätzen von weit über 2 Mrd. Euro erscheint eine Marktkapitalisierung von 1,2 Mrd. Euro nicht mehr teuer, gerade wenn ich an die langfristigen Chancen denke.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2017