dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 23.09.2021 - 17.00 Uhr

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GESAMT-ROUNDUP: Notenbanken nehmen vorsichtig Kurs auf Straffung der Geldpolitik

WASHINGTON/LONDON - Eineinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie zeichnet sich ein schrittweiser Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik ab. Die US-Notenbank Federal Reserve könnte bei der nächsten Sitzung im November eine Drosselung der milliardenschweren Wertpapierkäufe beschließen, sagte ihr Chef Jerome Powell. Setzt sich die aktuelle Konjunkturerholung fort, könnten die Käufe bis Mitte 2022 eingestellt werden. Zugleich deuten neue Prognosen auf eine Zinserhöhung im kommenden Jahr hin.

USA: Frühindikatoren steigen stärker als erwartet

WASHINGTON - Die konjunkturellen Aussichten in den USA haben sich im August stärker als erwartet verbessert. Der Sammelindex der wirtschaftlichen Frühindikatoren stieg um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das private Forschungsinstitut Conference Board am Donnerstag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg um 0,7 Prozent gerechnet. Allerdings war der Anstieg im Juli mit 0,8 Prozent etwas schwächer ausgefallen als zunächst ermittelt.

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe steigen stärker als erwartet

WASHINGTON - Am US-Arbeitsmarkt hat sich die Lage in der vergangenen Woche überraschend verschlechtert. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe - ein Frühindikator für den Arbeitsmarkt - legten im Wochenvergleich um 16 000 auf 351 000 zu, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 320 000 Anträgen gerechnet.

ROUNDUP: Bank of England stellt moderate geldpolitische Straffung in Aussicht

LONDON - Die britische Notenbank hat erneut vorsichtige Signale für eine geldpolitische Straffung gegeben. Einige Entwicklungen hätten zuletzt zusätzliche Gründe für eine "moderate" Straffung geliefert, heißt es in einer Mitteilung des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England (BoE) vom Donnerstag. Es blieben aber "bedeutsame Unsicherheiten".

ROUNDUP: Türkei senkt überraschend Leitzins - Lira auf Rekordtief

ANKARA - Die türkische Zentralbank hat die Finanzmärkte mit einer überraschenden Zinssenkung geschockt. Wie die Notenbank am Donnerstag in Ankara mitteilte, sinkt der Leitzins trotz einer extrem hohen Inflation um einen ganzen Prozentpunkt auf 18,0 Prozent. Experten und Anleger wurden komplett auf dem falschen Fuß erwischt. Kaum ein Analyst hatte überhaupt mit einer Senkung gerechnet, erste recht nicht in dieser Höhe. Die türkische Lira geriet nach der Entscheidung erheblich unter Druck und fiel zum US-Dollar auf ein Rekordtief.

ROUNDUP: Norwegens Notenbank hebt Leitzins erstmals seit Beginn der Pandemie an

OSLO - Die Notenbank von Norwegen hat ihren Leitzins erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie angehoben. Der Leitzins steigt von null auf 0,25 Prozent, wie die Norges Bank am Donnerstag in Oslo mitteilte. Ökonomen hatten mit der Anhebung gerechnet. Zuletzt hatte die Notenbank im September 2019 die Zinsen angehoben. In der Pandemie wurde der Leitzins im Mai 2020 auf Null gesenkt.

ROUNDUP: Unternehmensstimmung im Euroraum trübt sich deutlich ein

LONDON - Die Unternehmensstimmung in der Eurozone hat sich im September deutlich eingetrübt, wenn auch von hohem Niveau aus. Der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit fiel gegenüber dem Vormonat um 2,9 Punkte auf 56,1 Zähler, wie die Marktforscher am Donnerstag in London mitteilten. Der Rückgang fiel wesentlich stärker aus als von Analysten erwartet. Markit begründete die Abschwächung mit anhaltenden Lieferengpässen im Welthandel und Sorgen wegen der andauernden Corona-Pandemie.

Institut für Weltwirtschaft senkt Konjunkturprognose für dieses Jahr

KIEL - Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Wachstumsprognose wegen der anhaltenden Corona-Pandemie verbunden mit Lieferengpässen in der Industrie nach unten korrigiert. Statt mit 3,9 Prozent rechne man beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr nun mit einem Zuwachs von nur noch 2,6 Prozent, teilte das IfW am Donnerstag mit. Im kommenden Jahr sehen die Konjunkturexperten dagegen deutlich bessere Zeiten auf Deutschland zukommen. Statt um 4,8 Prozent - wie bislang angenommen - werde das BIP voraussichtlich sogar um 5,1 Prozent steigen. Für das Jahr 2023 wiederum geht das IfW von einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um 2,3 Prozent aus.

Großbritannien: Unternehmensstimmung trübt sich weiter ein

LONDON - Wachstums- und Inflationssorgen haben die Unternehmensstimmung in Großbritannien weiter belastet. Der von IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex fiel von August auf September um 0,7 Punkte auf 54,1 Zähler, wie die Marktforscher am Donnerstag in London mitteilten. Es ist der vierte Rückgang in Folge. Mit mehr als 50 Punkten deutet die Kennzahl aber immer noch auf Wachstum hin.

ROUNDUP 2: Europäische Unternehmen besorgt über Chinas neuen Kurs

PEKING - Europäische Unternehmen sehen den neuen Wirtschaftskurs der chinesischen Führung mit großer Sorge. "Auf den ersten Blick scheint im Reich der Mitte zwar alles in Ordnung zu sein", sagte der Präsident der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, am Donnerstag in Peking. So hätten viele Unternehmen im vergangenen Jahr wieder einmal Rekordzahlen bei Umsatz und Gewinn erzielt, was sich in naher Zukunft auch nicht ändern dürfte. Und auch kurzfristig blieben die Aussichten für europäische Unternehmen, die in China tätig sind, insgesamt positiv. Es gebe jedoch "besorgniserregende Anzeichen" dafür, dass sich China zunehmend nach innen wende.

Schweizer Notenbank tastet Leitzinsen nicht an

BERN - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet die Leitzinsen weiter nicht an und führt damit ihre sehr expansive Geldpolitik fort. Sie belässt ihren Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei minus 0,75 Prozent, wie die SNB am Donnerstag im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung mitteilte.

Spanische Wirtschaft wächst deutlich schwächer

MADRID - Die spanische Wirtschaft ist im Frühjahr wesentlich schwächer gewachsen als bisher gedacht. Im zweiten Quartal erhöhte sich die Wirtschaftsleistung (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 1,1 Prozent, wie das Statistikamt INE am Donnerstag in Madrid mitteilte. In einer vorherigen Schätzung war noch ein deutlich stärkerer Zuwachs um 2,8 Prozent ermittelt worden.

Frankreich: Geschäftsklima hellt sich auf

PARIS - In Frankreich hat sich die Unternehmensstimmung im September nach zwei Rückgängen in Folge wieder aufgehellt. Das Geschäftsklima erhöhte sich im September gegenüber August um einen Punkt auf 111 Zähler, wie das Statistikamt Insee am Donnerstag in Paris mitteilte. Analysten hatten mit 110 Punkten gerechnet.

Kundenhinweis:

ROUNDUP: Sie lesen im Konjunktur-Überblick eine Zusammenfassung. Zu diesem Thema gibt es mehrere Meldungen auf dem dpa-AFX Nachrichtendienst.

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