dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 21.07.2022 - 17.10 Uhr

ROUNDUP/Inflation treibt EZB zum Handeln: Erste Zinserhöhung seit 2011

FRANKFURT - Die Rekordinflation zwingt die Euro-Währungshüter zu einem höheren Tempo bei ihrer ersten Zinserhöhung seit elf Jahren. Die Zinsen steigen um jeweils 0,50 Prozentpunkte, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Damit entfällt zur Freude der Sparer der Negativzins von minus 0,50 Prozent für geparkte Gelder von Geschäftsbanken. Viele Institute gaben diese Belastung in den vergangenen Jahren an Privatkunden als sogenanntes Verwahrentgelt weiter. Der Leitzins, zu dem sich Kreditinstitute bei der EZB Geld leihen können, steigt von null Prozent auf 0,50 Prozent. Für die nächsten Sitzungen kündigte die EZB weitere Zinserhöhungen an.

EZB will sich mit neuem Instrument auf öffentliche Anleihen konzentrieren

FRANKFURT - Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich mit ihrem neuen geldpolitischen Instrument TPI auf den Ankauf öffentlicher Wertpapiere konzentrieren. Dazu zählen etwa Staatsanleihen. Die Restlaufzeit der Papiere solle sich zwischen einem und zehn Jahren bewegen, teilte die EZB nach ihrer Zinssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit. Der Kauf privater Wertpapiere, etwa Unternehmensanleihen, könne erwogen werden, falls dies erforderlich sei.

ROUNDUP: Italiens Staatschef nimmt Rücktritt von Ministerpräsident Draghi an

ROM - Italiens Staatschef Sergio Mattarella hat den Rücktritt von Ministerpräsident Mario Draghi angenommen. Das teilte der Quirinalspalast am Donnerstag in Rom mit. Die Regierung bleibe für die Abwicklung der laufenden Geschäfte aber noch im Amt.

GESAMT-ROUNDUP: Nord Stream 1 läuft wieder, aber Zweifel bleiben

LUBMIN/BERLIN/MOSKAU - Russland liefert wieder Gas durch Nord Stream 1 - die Sorgen um eine stabile Energieversorgung im Winter sind aber alles andere als verflogen. Mit dem Betriebsbeginn der Ostsee-Pipeline am Donnerstag nach einer Wartungspause bewahrheiteten sich Befürchtungen, Moskau könnte den Hahn zugedreht lassen, zunächst nicht. Regierung, Wirtschaft und Experten bereiten sich dennoch auf ein Fortdauern oder gar eine mögliche Verschärfung der Gaskrise vor. Wirtschaftsminister Robert Habeck kündigte ein Energiesicherungspaket an. Vielfach hieß es, es gebe noch keinen Grund zur Entwarnung.

USA: Philly-Fed-Index fällt überraschend tiefer in den negativen Bereich

PHILADELPHIA - Das Geschäftsklima in der US-Region Philadelphia hat sich im Juli überraschend weiter eingetrübt. Der Indikator für die Industrie (Philly-Fed-Index) fiel um 9,0 Punkte auf minus 12,3 Zähler, wie die regionale Zentralbank am Donnerstag in Philadelphia mitteilte. Es ist der vierte Rückgang des Stimmungsindikators in Folge.

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erneut gestiegen

WASHINGTON - Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich in der vergangenen Woche erneut etwas ungünstiger entwickelt. Die Lage bleibt aber grundsätzlich gut. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg um 7000 auf 251 000, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur 240 000 Anträge erwartet. Es ist der dritte Anstieg der Hilfsanträge in Folge.

USA: Frühindikatoren fallen stärker als erwartet

WASHINGTON - Die konjunkturellen Aussichten in den USA haben sich im Juni weiter eingetrübt. Der Sammelindex der wirtschaftlichen Frühindikatoren fiel gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent, wie das private Forschungsinstitut Conference Board am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang um 0,6 Prozent gerechnet. In diesem Ausmaß war der Indikator im Vormonat gefallen.

Türkische Notenbank belässt Leitzins trotz hoher Inflation bei 14 Prozent

ANKARA - Die türkische Notenbank hält an ihrem geldpolitischen Kurs trotz der hohen Inflation im Land fest. Der Leitzins betrage unverändert 14 Prozent, teilte die Zentralbank am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung in Ankara mit. Analysten hatten mit dieser Entscheidung weitgehend gerechnet. Auf dem aktuellen Niveau liegt der Leitzins seit Ende vergangenen Jahres.

Schwacher Yen hilft japanischen Exporten - Handelsbilanzdefizit sinkt kräftig

TOKIO - Die japanischen Exporte haben im Juni dank des schwachen Yen stärker als erwartet angezogen. Der Wert der Ausfuhren sei um fast ein Fünftel auf 8,6 Billionen Yen (61 Mrd Euro) gestiegen, teilte das Finanzministerium am Donnerstag auf Basis vorläufiger Daten mit. Der Anstieg fiel etwas höher aus, als Analysten im Schnitt erwartet hatten. Zudem lag das Plus über dem Wert des Vormonats.

Japanische Notenbank hält an lockerer Geldpolitik weiter fest

TOKIO - Japans Zentralbank widersetzt sich weiterhin dem globalen Trend zur geldpolitischen Straffung und lässt die Zügel trotz der steigenden Inflation und der rasanten Talfahrt des Yen extrem gelockert. Die Bank of Japan (BoJ) beschloss am Donnerstag nach einer zweitägigen Tagung, ihre wichtigsten geldpolitischen Hebel weiterhin unverändert zu lassen. So sollen die kurzfristigen Zinssätze bei minus 0,1 Prozent und die langfristigen bei etwa null bleiben. Die Entscheidung war in Marktkreisen erwartet worden.

Kundenhinweis:

ROUNDUP: Sie lesen im Konjunktur-Überblick eine Zusammenfassung. Zu diesem Thema gibt es mehrere Meldungen auf dem dpa-AFX Nachrichtendienst.

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