dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 16.11.2022 - 17.00 Uhr

ROUNDUP/Polen und Nato: Raketeneinschlag war kein gezielter Angriff

WARSCHAU/BRÜSSEL/NUSA DUA - Der Raketeneinschlag in Polens Grenzgebiet zur Ukraine war nach Angaben von Präsident Andrzej Duda und der Nato kein gezielter russischer Angriff. Es gebe keine Beweise dafür, dass die Rakete von Russland abgefeuert worden sei, sagte Duda am Mittwoch in Warschau. Es handele sich vielmehr mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine ukrainische Flugabwehrrakete. Moskau hatte zuvor bestritten, Ziele im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet beschossen zu haben, und von einer gezielten Provokation gesprochen.

ROUNDUP: EZB warnt vor steigenden Risiken für Finanzstabilität im Euroraum

FRANKFURT - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht wachsende Risiken für die Finanzstabilität im Euroraum. "Die Menschen und die Unternehmen spüren bereits die Auswirkungen der steigenden Inflation und der Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit", erklärte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos anlässlich der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Notenbank am Mittwoch in Frankfurt. "Unserer Einschätzung nach haben die Risiken für die Finanzstabilität zugenommen, und eine technische Rezession im Euroraum ist wahrscheinlicher geworden", sagte der EZV-Vizepräsident. Schrumpft die Wirtschaft zwei Vierteljahre in Folge zum Vorquartal, sprechen Ökonomen von einer "technischen Rezession".

ROUNDUP: Enttäuschung über G20: 'Verantwortung wieder nicht gerecht geworden'

NUSA DUA - Entwicklungsorganisationen haben sich enttäuscht über den Ausgang des Gipfels der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) gezeigt. Die G20-Führer hätten keine konkreten Schritte im Kampf gegen Armut, Hunger und Klimawandel ergriffen, wurde nach dem Ende des Gipfels am Mittwoch auf der indonesischen Insel Bali kritisiert.

USA: NAHB-Immobilienindex fällt elftes Mal in Folge

WASHINGTON - Die Stimmung auf dem US-Häusermarkt hat sich im November zum wiederholten Male verschlechtert. Der NAHB-Hausmarktindex fiel um 5 Punkte auf 33 Zähler, wie die National Association of Home Builders am Mittwoch in Washington mitteilte. Es ist der mittlerweile elfte Rückgang in Folge. Analysten hatte im Schnitt mit einer Abschwächung auf 36 Punkte gerechnet.

ROUNDUP: Keine Nachteile für Besitzer von Wärmepumpen bei Preisbremsen

BERLIN - Besitzer von Wärmepumpen sollen bei den geplanten Energiepreisbremsen nicht benachteiligt werden. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte zu diesem Zweck am Mittwoch eine Sonderregelung an. Um den Einbau von Wärmepumpen in Deutschland zu beschleunigen, sollen außerdem Produktionskapazitäten ausgebaut und im Handwerk mehr Fachkräfte gewonnen werden. Das teilte das Wirtschaftsministerium in Berlin nach einem "Wärmepumpengipfel" mit Vertretern unter anderem der Industrie und des Handwerks mit.

USA: Industrie produziert weniger

WASHINGTON - Die US-Industrie hat im Oktober etwas weniger produziert. Die gesamte Herstellung sank gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent, wie die US-Notenbank Fed am Mittwoch in Washington mitteilte. Analysten hatten dagegen einen Anstieg um im Schnitt 0,1 Prozent erwartet. Zudem wurde die Entwicklung im Vormonat von plus 0,4 auf plus 0,1 Prozent revidiert.

ROUNDUP: Deutsche Hafenwirtschaft beklagt zu geringes Planungstempo

HAMBURG - Die Deutsche Hafenwirtschaft hat von der Politik deutlich mehr Engagement beim Ausbau und Erhalt der Infrastruktur gefordert. "Wir erwarten vom Bund eine deutlich ehrgeizigere und strategischere Hafenpolitik, die unserer nationalen und europäischen Bedeutung gerecht wird. Unsere Nachbarländer kaufen uns, was das angeht, deutlich den Schneid ab", sagte der Präsident des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Frank Dreeke, am Mittwoch in Hamburg. Die nationale Hafenstrategie des Bundes sei ein guter Schritt in die richtige Richtung. Sie müsse aber schnell entwickelt und auch umgesetzt werden.

USA: Einfuhrpreise steigen deutlich schwächer

WASHINGTON - Der Preisauftrieb von in die USA importierten Gütern hat sich im Oktober deutlich abgeschwächt. Die Einfuhrpreise erhöhten sich zum Vorjahresmonat um 4,2 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Das ist die niedrigste Rate seit Februar 2021. Im Vormonat waren die Einfuhrpreise noch um 6,0 Prozent gestiegen.

EU-Kommission erwägt Gaspreisdeckel am Großhandelsplatz TTF

BRÜSSEL - Die Europäische Kommission arbeitet an einem festen Gaspreisdeckel am Großhandelsplatz TTF. Der Deckel würde greifen, wenn der Preis am TTF einen vorher festgelegten Höchstwert erreicht und gleichzeitig die Preise am Weltmarkt für Flüssiggas (LNG) übersteigt, wie aus einem Entwurf der EU-Kommission hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ab welchem Wert der Mechanismus ausgelöst würde, stand noch nicht fest. Um Engpässe bei der Versorgung zu vermeiden, sollte der Preisdeckel zudem regelmäßig überprüft und jederzeit außer Kraft gesetzt werden können, heißt es in dem Papier.

USA: Einzelhandel steigert Umsätze stärker als erwartet

WASHINGTON - Der US-Einzelhandel hat seine Umsätze im Oktober deutlicher ausgeweitet als erwartet. Die Erlöse seien gegenüber dem Vormonat um 1,3 Prozent gestiegen, teilte das Handelsministerium am Mittwoch in Washington mit. Experten hatten im Schnitt mit einem Zuwachs um 1,0 Prozent gerechnet.

ANALYSE: LBBW erwartet Anfang 2023 deutsche Rekordinflation bei 12 Prozent

FRANKFURT - Die Verbraucherpreise in Deutschland werden nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in den kommenden Monaten weiter stark steigen. Während die Teuerung in den USA den Höhepunkt bereits überschritten habe, erwartet die LBBW den Spitzenwert bei der deutschen Inflationsrate erst im kommenden Februar bei zwölf Prozent. "Ein Rekordwert in der Geschichte der Bundesrepublik", sagte LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer am Mittwoch in Frankfurt.

ROUNDUP: 137 000 offene Stellen für IT-Experten trotz Massenentlassungen

BERLIN - Trübe Wirtschaftsaussichten zwingen in diesen Wochen etliche global agierende Tech-Konzerne dazu, im großen Stil Kosten zu senken. Leidtragende sind vor allem Zehntausende Beschäftigte, die ihre Jobs verlieren. Die Entlassungswelle rollt zwar vor allem durch die Konzernzentralen in den USA, doch auch in Deutschland wurden etliche Stellen gestrichen. Andererseits gibt es in Deutschland laut dem Branchenverband Bitkom 137 000 offene Stellen für IT-Experten.

ROUNDUP: Brasilien will 2025 Weltklimakonferenz im Amazonasgebiet ausrichten

SCHARM EL SCHEICH - Brasilien bietet sich den Vereinten Nationen als Gastgeber der Weltklimakonferenz im Jahr 2025 an. Darüber werde er mit UN-Generalsekretär António Guterres sprechen, schrieb der gewählte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Mittwoch auf Twitter. Das Treffen solle im Amazonasgebiet stattfinden. "Ich denke, es ist wichtig, dass die Menschen, die den Amazonas verteidigen, die Region und die konkrete Realität kennen lernen."

Trotz sinkender Energie-Exporte macht Russland Kasse

BERLIN/WIESBADEN - Der Linken-Politiker Sören Pellmann hat eine "ehrliche Debatte" über die Russland-Sanktionen gefordert. "Die Sanktionen schaden Russland bisher kaum, durch steigende Preise erhöhen sie offenkundig Putins Einnahmen deutlich", sagte der Ostbeauftragte der Linksfraktion im Bundestag der "Augsburger Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch). "Wir brauchen eine ehrliche Debatte über die Frage, ob die Maßnahmen in die richtige Richtung gehen und wem sie wirklich schaden", meinte der Politiker mit Blick auf die wertmäßig gestiegenen Importe Russlands nach Deutschland. Sie ergeben sich aus einer Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage der Linksfraktion, die der Zeitung vorliegt.

ROUNDUP/WHO: Mehr als 1,5 Grad wäre 'Sabotage unserer Gesundheit'

SCHARM EL SCHEICH - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Mediziner aus aller Welt haben auf dem Klimagipfel in Ägypten Alarm geschlagen und die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels gefordert. "Alles andere wäre Sabotage unserer Gesundheit", warnte die WHO-Direktorin für Klima und öffentliche Gesundheit, Maria Neira, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Welt dürfe nicht einmal darüber nachdenken, dieses Ziel zu reißen. Bislang reichen die Anstrengungen der Staaten bei weitem nicht aus und drohen das Limit zu verfehlen.

Italien: Inflation nicht ganz so hoch wie gedacht

ROM - In Italien sind die Lebenshaltungskosten im Oktober stark gestiegen, allerdings nicht ganz so stark wie zunächst ermittelt. Die nach europäischen Standards ermittelten Verbraucherpreise (HVPI) erhöhten sich zum Vorjahresmonat um 12,6 Prozent, wie das Statistikamt Istat am Mittwoch in Rom nach einer zweiten Schätzung mitteilte. Eine erste Erhebung hatte einen Anstieg um 12,8 Prozent ergeben.

Bundesbank-Vorstand: Digitaler Euro frühestens im Herbst 2026

FRANKFURT - Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz rechnet frühestens Ende 2026 mit der Einführung eines digitalen Euro. "Bis zum Ende der Untersuchungsphase im Herbst 2023 wird der EZB-Rat in enger Zusammenarbeit mit dem europäischen Gesetzgeber entscheiden, ob die Realisierungsphase für den digitalen Euro eingeleitet werden soll", sagte Balz am Mittwoch laut Redetext bei einer Konferenz in Frankfurt. "Anschließend könnte der digitale Euro eingeführt werden, jedoch meines Erachtens nicht vor Herbst 2026."

Großbritannien: Inflation steigt auf mehr als 11 Prozent

LONDON - Die Inflation in Großbritannien hat sich von bereits sehr hohem Niveau aus weiter verstärkt und ist auf über elf Prozent gestiegen. Im Oktober legten die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 11,1 Prozent zu, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch in London mitteilte. Im Vormonat hatte die Teuerungsrate bereits hohe 10,1 Prozent betragen. Analysten wurden von der Stärke des Preisanstiegs überrascht.

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