dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 14.07.2022 - 17.15 Uhr

ROUNDUP: EU-Kommission rechnet mit Rekord-Inflation - Wachstum 2023 schwächer

BRÜSSEL - Die europäische Wirtschaft ächzt unter den Folgen des Kriegs in der Ukraine. Die EU-Kommission rechnet in diesem Jahr durchschnittlich mit 7,6 Prozent Inflation im Euro-Raum - ein historischer Höchstwert. Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni erklärte am Donnerstag in Brüssel: "Der Anstieg der Inflation wurde erneut durch die Energie- und Lebensmittelpreise verursacht."

Regierungskrise in Rom: Fünf Sterne verweigern Draghi Vertrauensvotum

ROM - Italiens mitregierende Fünf-Sterne-Bewegung ist einer wichtigen Parlamentsabstimmung ferngeblieben, in der es auch um die Zukunft der Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi ging. Die Abgeordneten verzichteten am Donnerstag in Rom im Senat darauf, Draghi das Vertrauen auszusprechen. Der frühere Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) machte sich daraufhin auf den Weg zu Präsident Sergio Mattarella. Mehrere Medien spekulierten, dass dabei um den Fortbestand seiner Vielparteienregierung gesprochen werden solle. Draghi - selbst parteilos - ist seit Februar vergangenen Jahres im Amt.

ROUNDUP: Israel droht Iran bei Biden-Besuch wegen Atomprogramms mit Gewalt

JERUSALEM - Beim ersten Israel-Besuch von US-Präsident Joe Biden hat der neue Regierungschef Jair Lapid dem Iran wegen dessen Atomprogramm offen mit Gewalt gedroht. "Das Einzige, was den Iran aufhalten wird, ist die Gewissheit, dass die freie Welt Gewalt anwenden wird, wenn das Land sein Atomprogramm weiter ausbaut", sagte Lapid am Donnerstag bei einem Treffen mit Biden. Der Iran könne nur mit einer "glaubwürdigen militärischen Drohung" vom Besitz nuklearer Waffen abgehalten werden. Auch Biden bekräftigte: "Wir werden nicht zulassen, dass der Iran in den Besitz einer Atomwaffe gelangt."

ROUNDUP/Statistik: 178 000 Wohnungslose in Unterkünften

WIESBADEN/BERLIN - In Deutschland sind Ende Januar dieses Jahres rund 178 000 wohnungslose Menschen in Not- und Gemeinschaftsunterkünften sowie vorübergehenden Übernachtungsmöglichkeiten untergebracht gewesen. Die deutliche Mehrheit davon waren mit 62 Prozent Männer, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

ROUNDUP: Lebensmittel-Tafeln verzeichnen Rekord-Ansturm

BERLIN - Soviel Menschen wie nie zuvor stellen sich bei den Tafeln in Deutschland für Lebensmittel an. Eine Umfrage unter den 962 Tafeln im Land ergab, dass die Zahl der Kundinnen und Kunden seit Jahresbeginn um etwa die Hälfte gestiegen sei, hieß es am Donnerstag vom Dachverband "Tafel Deutschland". "Damit suchen deutlich über zwei Millionen armutsbetroffene Menschen Unterstützung bei der Ehrenamtsorganisation - so viele wie nie zuvor."

ROUNDUP: Heizen nur bis 19 Grad? Brüssel plant Schritte für Gas-Lieferstopp

BRÜSSEL - Auf Wirtschaft und Verbraucher könnten angesichts der drohenden Gas-Krise erhebliche Energiesparmaßnahmen zukommen. Ein Entwurf für einen Notfallplan der Europäischen Kommission sieht vor, dass öffentliche Gebäude, Büros und kommerzielle Gebäude ab Herbst bis maximal 19 Grad beheizt werden sollen. "Jetzt handeln kann die Auswirkungen einer plötzlichen Versorgungsunterbrechung um ein Drittel reduzieren", heißt es in dem Text, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Es gebe mittlerweile ein "erhebliches Risiko", dass Russland in diesem Jahr Gaslieferungen nach Europa stoppt.

GESAMT-ROUNDUP/Ukraine: Tote bei Treffer in Bürozentrum - Hoffnung auf Getreide

KIEW - Bei russischen Raketenangriffen sind in der Ukraine erneut zahlreiche Zivilisten und Soldaten getötet worden. Im Zentrum der Großstadt Winnyzja ist Behördenangaben zufolge ein Bürozentrum getroffen worden. 12 Menschen seien ums Leben gekommen, weitere 90 seien verletzt worden, teilte der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, am Donnerstag mit. Die jüngsten Luftschläge haben laut Moskau die Ukrainer bis zu 1000 Soldaten und mehr als 100 Militärfahrzeuge und Waffensysteme gekostet. Kiew seinerseits startete erneut vereinzelte Gegenangriffe zur Rückeroberung von Gebieten. In Den Haag begannen die Beratungen über eine strafrechtliche Ahndung möglicher russischer Kriegsverbrechen.

USA: Erzeugerpreise steigen schneller - Druck auf US-Notenbank wächst

WASHINGTON - In den USA hat sich der Preisauftrieb auf Herstellerebene wieder beschleunigt. Nachdem der Schub im Mai etwas nachgelassen hatte, legten die Erzeugerpreise im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,3 Prozent zu, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit 10,7 Prozent gerechnet. Im Mai hatte der Anstieg revidiert 10,9 (zunächst 10,8) Prozent betragen. Das dürfte die US-Notenbank Fed weiter unter Druck setzen, den Leitzins im Juli deutlich anzuheben.

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestiegen

WASHINGTON - Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich in der vergangenen Woche etwas ungünstiger entwickelt. Die Lage bleibt aber grundsätzlich gut. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg um 9000 auf 244 000, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem unveränderten Wert von 235 000 Anträgen gerechnet.

Russischer Lieferstopp: Deutschlands Speicher werden wieder angezapft

BONN - Nach dem Stopp der russischen Gas-Lieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 greifen die Gasversorger auch wieder auf die Gasspeicher zurück, um den Bedarf zu decken. Nach Informationen von Europas Gasinfrastruktur-Betreiber (GIE) sank der Füllstand der deutschen Gasspeicher am Mittwoch geringfügig um 0,06 Prozent. Am Vortag war er noch um 0,09 Prozent angestiegen.

Volkswirte erwarten hohe Inflation für mehrere Jahre

MÜNCHEN - Volkswirte rund um den Globus erwarten bis in die Mitte dieses Jahrzehnts eine hohe Inflation. Im laufenden Jahr rechnen 663 vom Münchner Ifo-Institut und dem Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik befragte Ökonomen im Schnitt mit einer Teuerungsrate von 7,7 Prozent. Für 2023 und 2026 liegen die Schätzungen bei weltweit durchschnittlich 6,2 beziehungsweise 4,5 Prozent, wie das Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. "Die Inflation ist weltweit gekommen, um zu bleiben", sagte Ökonom Niklas Potrafke.

RKI registriert 152 149 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz bei 720,4

BERLIN - Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstagmorgen mit 720,4 angegeben. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.00 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche bei 691,8 gelegen (Vorwoche: 690,6; Vormonat: 447,3). Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen und Übermittlungsprobleme zur Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Kundenhinweis:

ROUNDUP: Sie lesen im Konjunktur-Überblick eine Zusammenfassung. Zu diesem Thema gibt es mehrere Meldungen auf dem dpa-AFX Nachrichtendienst.

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