dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 01.07.2021 - 17.00 Uhr

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ROUNDUP: Deutschland nähert sich bei Delta Portugal und Großbritannien

BERLIN - Deutschland nähert sich bei der Verbreitung der ansteckenderen Delta-Variante nach Erwartung der Bundesregierung immer mehr den Verhältnissen von Großbritannien oder Portugal. Beide Länder sollen in wenigen Tagen von ihrem Status als Virusvarianten- zum Hochinzidenzgebiet heruntergestuft werden, wenn die Delta-Anteile in Deutschland vergleichbar sind. Das kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin an. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts geht mindestens jede zweite Corona-Ansteckung in Deutschland bereits auf Delta zurück. Jetzt kommt es aus Spahns Sicht darauf an, die absolute Zahl solcher Infektionen klein zu halten. Die Bundespolizei kontrolliert laut Innenminister Horst Seehofer (CSU) verstärkt Rückkehrer und Einreisende an Flughäfen.

USA: Bauausgaben sinken überraschend

WASHINGTON - In den USA sind die Bauausgaben im Mai unerwartet gesunken. Gegenüber dem Vormonat fielen sie um 0,3 Prozent, wie das US-Handelsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten mit einem Zuwachs um 0,4 Prozent gerechnet.

USA: Industriestimmung etwas schlechter als erwartet

TEMPE - Die Stimmung in der US-Industrie hat sich im Juni etwas stärker eingetrübt als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex ISM fiel im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Punkte auf 60,6 Zähler, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Donnerstag in Tempe mitteilte. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 61,0 Punkte gerechnet.

ROUNDUP/Altmaier: Aufschwung für Ausbau der Chipfertigung nutzen

DRESDEN - Deutschland und Europa müssen nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Aufschwung nach der Corona-Krise für einen Ausbau der Kapazitäten in der Halbleiterfertigung nutzen. Der Trend, dass der Weltmarktanteil der Europäer in diesem Bereich immer mehr schrumpfe, müsse gestoppt und umgekehrt werden, betonte der CDU-Politiker am Donnerstag beim Besuch der Halbleiterhersteller Infineon <DE0006231004> und Globalfoundries am Donnerstag in Dresden. "Wir reden von einer enormen Wachstumsindustrie." Ein Teil des Wachstums müsse in Deutschland und Europa stattfinden.

ROUNDUP 2: Online-Einkäufe aus Nicht-EU-Staaten werden teilweise teurer

BRÜSSEL - Teils höhere Kosten, aber auch keine bösen Preisüberraschungen mehr: Für Online-Einkäufe aus Nicht-EU-Staaten wie China oder den USA gelten seit Donnerstag neue Regeln. Kleinere Waren mit einem Wert unter der bisherigen Freigrenze von 22 Euro sind künftig auch umsatzsteuerpflichtig, wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte. Zugleich sollen aber auch versteckte Zusatzkosten wegfallen und die Transparenz für Kundinnen und Kunden erhöht werden.

Opec-Vorsitzender mahnt vorsichtige Ölförder-Politik an

WIEN - Vor einer Entscheidung über künftige Ölfördermengen hat der Vorsitzende des Opec-Kartells vor Risiken für die Nachfrage gewarnt. "Wir haben in dieser Pandemie schon viele falsche Hoffnungsschimmer erlebt", sagte der Vorsitzende und angolanische Ölminister Diamantino Azevedo zu Beginn der Online-Beratungen der Ölexporteure. Am Abend waren breitere Gespräche zwischen der von Saudi-Arabien dominierten Opec und einer von Russland angeführten Gruppe von Kooperationspartnern geplant, um Fördermengen ab August festzulegen.

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sinken deutlich

WASHINGTON - Auf dem US-Arbeitsmarkt hat die Erholung vom Corona-Einbruch wieder Fahrt aufgenommen. In der vergangenen Woche ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, ein Kurzfristindikator für den Jobmarkt, deutlich gesunken. Im Wochenvergleich gab es einen Rückgang um 51 000 auf 364 000, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte.

Britischer Finanzminister: Keine Einigung mit der EU für Finanzsektor

LONDON - Großbritannien macht sich nach Aussagen des britischen Finanzministers Rishi Sunak derzeit keine Hoffnung mehr auf ein Post-Brexit-Abkommen mit der EU für den Finanz- und Dienstleistungssektor. "Das hat nicht stattgefunden", sagte Sunak am Donnerstag in der Londoner City dem Sender Sky News zufolge über eine angestrebte Einigung über die gegenseitige Anerkennung von Standards. Zwar arbeite man weiter in Fragen des globalen Finanzwesens zusammen, aber als souveräne Partner mit jeweils eigenen Prioritäten. "Wir haben nun die Freiheit, Dinge anders und besser zu machen, und das wollen wir vollumfänglich nutzen", erklärte Sunak.

RKI: So wenige wöchentliche Corona-Labortests wie noch nie 2021

BERLIN - Die Zahl der wöchentlichen Labortests auf das Coronavirus ist mittlerweile so niedrig wie noch nie in diesem Jahr. Für die vergangene Woche weist das Robert Koch-Institut 705 520 Testungen aus, wie aus dem Lagebericht vom Mittwochabend hervorgeht. Das ist weniger als halb so viel wie in der Woche vom 19. bis 25. April, als noch rund 1,4 Millionen Tests erfasst worden waren.

WHO Europa warnt vor einer neuen Infektionswelle im Herbst

KOPENHAGEN - Der Europadirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO warnte vor einer neuen Welle von Corona-Infektionen. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte Hans Kluge, dass durch die Lockerungen der Beschränkungen in vielen Ländern und die vermehrte Reiseaktivität die Infektionsgefahr größer werde. Nach zehn Wochen Rückgang sei die Zahl der Infizierten in Europa in der vergangenen Woche wieder um zehn Prozent gestiegen.

EM/ROUNDUP: Weiter Kritik an Zuschauerplänen - UEFA verweist auf lokale Behörden

BERLIN - Die Kritik an der Europäischen Fußball-Union in der Diskussion um die Zuschauerzulassung bei der derzeit laufenden Europameisterschaft hält an. Er halte die Position der UEFA für "absolut verantwortungslos", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag. Die UEFA verweist bei der Entscheidung über die genaue Anzahl der zugelassenen Zuschauer bei den EM-Partien derweil weiter auf die lokalen Behörden. Und die machen für die Fußballspiele im Londoner Wembley-Stadion bei weitem keine Ausnahme.

ROUNDUP: Industriestimmung im Euroraum erreicht überraschend Rekordhoch

LONDON - Die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone ist im Juni auf ein Rekordhoch gestiegen. Der Einkaufsmanagerindex des Forschungsunternehmens IHS Markit legte um 0,3 Punkte auf 63,4 Zähler zu, wie Markit am Donnerstag in London nach einer zweiten Erhebung mitteilte. Schon im Mai hatte der Indikator bei 63,1 Punkten den bis dahin höchsten Wert seit Beginn der Umfrage im Juni 1997 erreicht. Außerdem liegt der Indexwert seit mittlerweile zwölf Monaten über der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird.

Eurozone: Arbeitslosigkeit geht zurück

LUXEMBURG - Die Lage auf dem Arbeitsmarkt der Eurozone hat sich verbessert. Die Arbeitslosenquote fiel von April auf Mai um 0,2 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einer Quote von 8,0 Prozent gerechnet.

Großbritannien: Stimmung in der Industrie trübt sich stärker ein als erwartet

LONDON - Die Industriestimmung in Großbritannien hat sich im Juni stärker eingetrübt als erwartet. Der Markit-Einkaufsmanagerindex fiel von einem Rekordhoch im Mai bei 65,6 Zähler auf 63,9 Punkte, wie das Forschungsunternehmen IHS Markit am Donnerstag in London nach einer zweiten Schätzung mitteilte. In einer ersten Erhebung war noch ein Indexwert von 64,2 Punkten gemeldet worden. Analysten hatten eine Bestätigung erwartet.

Lagarde: Dividendenbeschränkung für Banken könnte im September auslaufen

BRÜSSEL/FRANKFURT - Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde stellt ein Auslaufen von Ausschüttungseinschränkungen der Geschäftsbanken der Eurozone in Aussicht. In einer Rede vor dem Europaparlament verwies die Notenbankchefin am Donnerstag auf jüngste Aussagen des Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), wonach Einschränkungen auslaufen könnten, falls sich die Bedingungen im Finanzsektor nicht wesentlich verschlechtern sollten. Lagarde kündigte an, dass der ESRB die Einschränkungen beim nächsten Treffen im September überprüfen werde.

Britisches Kurzarbeitergeld wird gekürzt - Kritik an Regierung

LONDON - Gewerkschaften in Großbritannien haben die Regierung in London zu einer weiteren Verlängerung des Kurzarbeitprogramms aufgerufen. Das "Job Retention Scheme" wird von diesem Monat an stufenweise zurückgefahren. Das obwohl die geplante Aufhebung aller Corona-Maßnahmen wegen der starken Ausbreitung der Delta-Variante in dem Land um vier Wochen bis zum 19. Juli verschoben wurde.

Mindestlohn in Deutschland steigt auf 9,60 Euro

BERLIN - Zum ersten Juli ist der gesetzliche Mindestlohn um zehn Cent auf 9,60 Euro je Stunde gestiegen. Die Anpassung ist Teil einer schrittweisen Steigerung: Zum 1. Januar 2022 erhöht sich der Mindestlohn erneut auf 9,82 Euro und ein halbes Jahr später auf 10,45 Euro. Ausgehandelt hatten Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter diese Schritte nach langem Streit in der Mindestlohnkommission, die laut Gesetz alle zwei Jahre die künftige Höhe der Lohnuntergrenze neu festlegen muss. Auf Empfehlung der Kommission hatte die Bundesregierung dann die Erhöhung beschlossen.

Deutscher Einzelhandel legt im Mai wieder stark zu

WIESBADEN - Der deutsche Einzelhandel hat seine Umsätze im Mai stark gesteigert und sich vom Dämpfer im Vormonat erholt. Im Monatsvergleich legten die Erlöse real (preisbereinigt) 4,2 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten im Mittel einen noch etwas stärkeren Anstieg um 4,6 Prozent erwartet. Nominal (nicht preisbereinigt) setzten die Einzelhändler 4,5 Prozent mehr um.

China: 'Caixin'-Industriestimmung deutet trotz Rückgang auf Wachstum hin

PEKING - In China ist die Stimmung bei kleineren und mittelgroßen Industriebetrieben stärker gesunken als erwartet. Da der vom Wirtschaftsmagazin "Caixin" ermittelte Einkaufsmanagerindex aber über der Schwelle von 50 Zählern blieb, deutet er wie schon der am Vortag veröffentlichte staatliche Indikator auf ein weiteres Wachstum des Sektors hin. Der "Caixin"-Index fiel im Juni zum Vormonat um 0,7 Punkte auf 51,3 Punkte, wie das Magazin am Donnerstag in Peking mitteilte. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem minimalen Rückgang auf 51,9 Zähler gerechnet.

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ROUNDUP: Sie lesen im Konjunktur-Überblick eine Zusammenfassung. Zu diesem Thema gibt es mehrere Meldungen auf dem dpa-AFX Nachrichtendienst.

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