Dow Jones springt erstmals über 25.000 Punkte


Der Dow Jones hat die nächste Schallmauer durchbrochen. Am Donnerstag reichten wenige Minuten und Punkte, um den Standardwerte-Index erstmals in seiner Geschichte über die 25.000-Punkte-Marke zu hieven. Zuletzt notierte er zum Frankfurter Handelsschluss am frühen Abend mitteleuropäischer Zeit mit 25.048 Zählern ein halbes Prozent fester – neue Bestmarke: 25.105 Punkte. Auch die anderen beiden Leitindizes erklommen neue Allzeithochs.

Der S & P500 legte 0,4 Prozent zu auf 2722, hier lautet der neue Wert, den es zu schlagen gilt, 2728. Am Vortag hatte der Index erstmals in seiner Geschichte über der Marke von 2700 Punkten geschlossen. Der Composite der Nasdaq, der alle Titel der Technologiebörse zusammenfasst, dagegen legte nur 0,3 Prozent zu. Schon die Anleger in Fernost und Europa hatten sich in sehr gute Laune gezeigt. In Tokio war der Nikkei mehr als drei Prozent gestiegen, rauf auf ein 26-Jahres-Hoch. In Frankfurt legte der Dax genau anderthalb Prozent zu, der Euro-Stoxx-50 brachte es zeitweise auf einen Aufschlag von zwei Prozent.

„Wir nehmen diese wichtigen Hürden immer zügiger“, sagte ein Händler. Allein im vergangenen Jahr hatte der Dow fünf Tausendermarken hinter sich gelassen. Der Schwung für die Fortsetzung der Rally kam am Donnerstag vom Arbeitsmarkt, der sich in blendender Verfassung präsentiert.


So waren an der Konjunkturfront die Zahlen des Personaldienstleisters ADP stärker ausgefallen als von Experten erwartet. Laut dem privaten Arbeitsvermittler haben die US-Firmen im Dezember 250.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Analysten hatten im Schnitt mit lediglich 190.000 neues Stellen gerechnet. Der ADP-Report ist vor allem deswegen wichtig, weil er einen Vorgeschmack gibt auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht, den das US-Arbeitsministerium am morgigen Freitagnachmittag veröffentlicht.

Die Beschäftigungssituation ist eine der entscheidenden Zielgrößen der US-Notenbank Federal Reserve. Laut Satzung ist die Fed neben Preisstabilität auch einem hohen Beschäftigungsstand verpflichtet. Dementsprechend hohe Aufmerksamkeit erregt der erste Freitag eines jeden Monats, dann kommt der Job-Report aus Washington. Und weil der US-Arbeitsmarktbericht quasi Vollbeschäftigung erreicht hat, haben die Währungshüter längst die Normalisierung ihrer Geldpolitik eingeleitet.

In der vergangenen Dezember-Sitzung hatte die Fed-Führung rund um die scheidende Präsidentin Janet Yellen die dritte Zinserhöhung binnen eines Jahres beschlossen, es war die insgesamt fünfte seit der Finanzkrise. Das war keine Überraschung.


Für 2018 sieht das schon anders aus. Aktuell rechnen die meisten Marktteilnehmer mit drei weiteren Zinsschritten im laufenden Jahr. Wenn aber die Konjunkturdaten so anders ausfallen als erwartet, nährt das Spekulationen um die Geschwindigkeit, mit der die Zinsen steigen.

Gebremst wurde der Dow allerdings durch Intel. Die Titel des Chip-Weltmarktführers fielen um vier Prozent, nachdem sie am Mittwoch schon 3,4 Prozent verloren hatten. Ein von Intel seit Jahren verkaufter Mikroprozessor hat eine Sicherheitslücke, die es Hackern ermöglichen kann, Passwörter auszulesen. Auch Chips des Rivalen AMD bergen laut Experten Risiken. AMD setzten aber ihren Aufwärtstrend vom fort und gewannen sechs Prozent, nachdem sie am Mittwoch schon 5,2 Prozent gewonnen hatten.

Abwärts ging es auch mit Tesla: Der Elektroauto-Pionier enttäuschte Anleger mit seinen Absatzzahlen und weiteren Verzögerungen bei der Fertigung seines Hoffnungsträgers Model 3. Die Aktien verloren zwei Prozent.

KONTEXT

Risiken für die Aktienmärkte

Diese Gefahren lauern 2018

Das Börsenjahr 2017 war für Aktienanleger ein erfolgreiches: Die Wall Street hangelte sich von Rekord zu Rekord und der Dax verbuchte mit einem Plus von 12,5 Prozent den größten Jahresgewinn seit 2013. Dank des weltweiten Wirtschaftsaufschwungs rechnen Experten für 2018 mit weiteren Kursgewinnen. Sie verweisen allerdings auch auf einige Risiken, die den Investoren die Partylaune verderben könnten.

Quelle: Reuters

Aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank

Wegen des kräftigen US-Wachstums könnte die US-Notenbank die Zinsen schneller anheben als gedacht. Analysten rechnen bislang meist damit, dass die Fed den Schlüsselsatz 2018 wie von ihr signalisiert drei Mal anhebt. Eine aggressivere Straffung der Geldpolitik würde die Renditen der Staatsanleihen nach oben treiben, sagt Portfolio-Manager Paul Nolte vom Vermögensverwalter Kingsview. Dadurch würden Bonds zu einer ernstzunehmenden Anlage-Alternative zu Aktien.

Anstieg der Inflation

Als möglichen Auslöser für eine raschere Straffung der Geldpolitik sehen Experten einen kräftigen Anstieg der Inflation. "Dies könnte für die Aktien- und Anleihemärkte zu einem Wendepunkt werden", betonen die Analysten der Bank of America Merrill Lynch. In Europa könnte die anziehende Teuerung die Diskussion um einen raschen Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus ihrem Anleihe-Ankaufprogramm befeuern.

Wahlen

Die für März erwartete Parlamentswahl in Italien ist für Raphael Chemla, Leiter Finanz- und Hochzinsanleihen beim Vermögensverwalter Edmond de Rothschild, das größte politische Risiko in Europa. Ein Sieg der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung würde Anleger nervös machen. In den USA werden im Herbst Teile des Kongresses neu gewählt. "Sollten die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus, im Senat oder in beiden Kammern verlieren, wäre das ein großer Belastungsfaktor für die Märkte", warnt John Praveen, Chef-Anleger des Vermögensberaters Prudential. Denn damit werde es für US-Präsident Donald Trump schwerer, seine Wahlversprechen umzusetzen.

Politische Spannungen

Wiederaufflammende Spannungen zwischen den USA und Nordkorea sowie im Nahen Osten sind nach Ansicht von Keith Leiner, Chef-Analyst des Vermögensverwalters SunTrust, ebenfalls große politische Risikofaktoren für die Aktienmärkte. "Außerdem schwingt das Pendel weltweit in Richtung Populismus und Nationalismus."

Überzogene Bewertungen

Viele Firmen erhoffen sich zwar durch die jüngst beschlossenen US-Steuersenkungen zusätzliche Gewinne im kommenden Jahr. Einige Experten bezweifeln jedoch, dass der Anstieg ausreicht, um die bereits hohen Aktienbewertungen zu rechtfertigen. Im US-Index S & P 500 liegt das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KVG) bei 18,5. Das bedeutet, dass der Aktienkurs den Gewinn je Aktie um das 18,5-fache übertrifft. Das ist der höchste Wert seit 2002. Im Dax liegt das KGV mit 16,2 ebenfalls über dem langjährigen Mittel von rund 15. Das Risikobarometer der Citigroup signalisiere eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs der Aktienkurse 2018, sagt Tobias Levkovich, Chef-Anlagestratege für die USA bei der Großbank.

Turbulenzen bei Bitcoin & Co.

Die große Unbekannte für die Aktienmärkte ist die Entwicklung des Bitcoin. Der Kurs der Cyber-Devise stieg 2017 um rund 1400 Prozent. Diese Aufwärtsdynamik könne aber schnell verpuffen, sagt Bob Doll, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Nuveen. Wenn die Preis der ältesten und wichtigsten virtuellen Währung prozentual zweistellig verliere, könnten sich Anleger fragen, ob es ihren Aktien nicht genauso ergehen werde.