Dow Jones: Höher, schneller, weiter...

Jochen Kauper

Zu sagen, dass die Situation an den Aktienbörsen nun wieder normal ist, wäre eine Übertreibung. Dow Jones, Nasdaq und DAX kommen in den letzten Wochen einfach nicht richtig zur Ruhe. Trotzder letzten Kursverluste bleiben die Aussichten nicht schlecht. "Zu verdanken ist dies der Aussicht auf ein hohes Wachstum der Unternehmensgewinne in den USA. Das Marktforschungsinstitut FactSet schätzt selbiges 2018 im S&P 500 Index auf 14,8 Prozent, damit drei Prozentpunkte höher als noch vor zwei Monaten und näher an den Flüsterschätzungen von 20 Prozent. Die zügige Verabschiedung der Steuerreform samt Anhebung der Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben durch die Regierung Trump trägt Früchte. Ein Beispiel: die Boeing-Aktie, ein Schwergewicht im Dow, steigt auf ein neues Rekordhoch. Alles scheint an der Wall Street auch nach der Korrektur höher, schneller, weiter zu gehen. Und tatsächlich wird es in diesem Jahr nicht nur jedes Quartal steigende Gewinne bei den US-Unternehmen geben, das Gewinnwachstum wird auch in jedem Quartal noch einmal höher sein als im Quartal zuvor", sagt jochen Stanzl von CMC Markets.

"Die erwartete Gewinnsteigerung ist ein starkes Argument für die Bullen, die sich zudem an der Aussicht laben, die von Jerome Powell geführte Federal Reserve könne ein Preisband einführen, um das fixe Inflationsziel zu ersetzen. Das würde bedeuten, dass man in den USA mit Blick auf Durchschnittswerte von etwa 2,5 bis drei Prozent Inflation über sechs bis neun Monate künftig Geldpolitik machen wird, was nichts anderes bedeutet, als dass man die Toleranz gegenüber höheren Inflationsraten institutionalisieren würde. Das ist es, worauf man sich als Anleger vorbereiten muss: Die Zentralbanken als verlängerter Arm überschuldeter Regierungen wollen finanzielle Repression zur Entschuldung einsetzen, indem sie durch Inflation Kaufkraftentwertung akzeptieren", ergänzt Stanzl.

Den Zentralbanken kam die Korrektur an den Aktienmärkten als gerade recht. War doch der Vorwurf, dass sie mit ihrer Strategie als Nebenwirkung Preisblasen quasi mit erzeugen, Ende Januar recht laut geworden.

"Der Gaul an den Aktienbörsen wird geritten, bis er tot umfällt. Und wenn man sich das Alter des Gauls betrachtet, dann kann man manchmal ins Grübeln kommen, ob er das noch lange mitmachen wird. Wenn alte Gäule in Gang kommen, sind sie nicht mehr zu bremsen", sagt Stanzl.

Leider ist der DAX im internationalen Vergleich der großen Aktienindizes das schwarze Schaf der Familie geworden. "Daher wäre es wünschenswert, dass die Politik in Berlin, Madrid, Rom, Paris und den anderen Mitgliedsstaaten der Eurozone bald einen gemeinsamen Plan für die Wirtschaftspolitik vorlegt, denn früher oder später muss der Staffelstab der Geldpolitik in der Eurozone ebenso erfolgreich von der EZB an die Regierungen übergeben werden, wie das in den USA zu beobachten ist. Die Regierungen der Eurozone sind nun gefragt, mit einer Stimme zu sprechen und Lösungen vorzuschlagen. Wie erfolgreich sie dabei sind, wird sich täglich an der relativen Entwicklung des DAX zum Dow Jones ablesen lassen", sagt Jochen Stanzl von CMC Markets.