Dortmunds Schlüssel zum Sieg gegen Real

Christoph Küppers
Die Dortmunder sind in der Bundesliga das Maß der Dinge. Nun möchten sie in der Champions League gegen Real Madrid durchstarten.

Bislang jubelt sich Borussia Dortmund nur so durch die Saison. Nach dem furiosen 6:1-Sieg am Wochenende gegen Borussia Mönchengladbach grüßt Schwarzgelb in der Bundesliga mit einer fast perfekten Statistik von der Tabellenspitze: Sechs Spiele, fünf Siege, ein Remis, 16 Punkte, 19:1 Tore.

Wenn selbst der sonst so zurückhaltende Trainer Peter Bosz seine Mannschaft überschwänglich lobt ("Wir haben mit und ohne Ball gut gespielt. Es hat mir Spaß gemacht uns so spielen zu sehen.") und Manager Michael Zorc Attribute wie "überragend" oder "hervorragend" nutzt, bestätigt das die neue Euphorie rund um den Signal Iduna Park. Die Stimmung könnte nach den atmosphärisch immer mal wieder gestörten Jahren unter Thomas Tuchel wohl kaum besser sein.


Ausnahme: die Champions League. In der Königsklasse kassierte die Bosz-Truppe ihre bislang einzige Pflichtspiel-Niederlage. Vor knapp zwei Wochen mussten sich die Dortmunder in London Tottenham Hotspur 1:3 geschlagen geben.

Am Dienstagabend (20 Uhr Fantalk XXL ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) wartet im zweiten Spiel mit Real Madrid gleich die nächste Hammer-Aufgabe. Und will der BVB in der komplizierten Gruppe H ernsthaft um die vorderen beiden Plätze mitspielen, sollte er gegen den Titelverteidiger vor heimischem Publikum mindestens einfach punkten.

Dabei steht vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Funktioniert das Bosz-System auch gegen eine Spitzenmannschaft wie die Königlichen?

Lob für faszinierenden Offensivfußball

Klar ist: Die Art und Weise, wie Borussia Dortmund in dieser Saison auftritt, begeistert. Nach gerade einmal zwei Monaten intensiver Arbeit greift das System Bosz überraschend präzise. "Sie spielen einen faszinierenden Offensivfussball. Das ist alles sehr strukturiert und erinnert mich an Klopp", lobt SPORT1-Experte Marcel Reif.


Die 24 geschossenen Tore in acht Pflichtspielen sprechen Bände - offensiv braucht sich der BVB vor keiner Mannschaft in Europa zu verstecken. Auch in London erarbeiteten sich Aubameyang, Yarmolenko und Co. einige gute Möglichkeiten und hatten Pech, dass ein reguläres Tor vom Schiedsrichter aberkannt wurde.

Probleme gegen spielstarke Gegner

Die Sorgen, ob der BVB unter Bosz auch schon gegen ein Kaliber wie Real Madrid bestehen kann, fußen eher auf dem schwarzgelben Defensiv-Verhalten. Am Wochenende gegen Gladbach offenbarten die Dortmunder wie schon in London die Schwächen ihres neuen Spielsystems.

Verlieren die Dortmunder in ihren druckvollen Angriffsphasen den Ball oder bekommen in einer der intensiven Pressing-Situation keinen Zugriff auf das Spielgerät, drohen gegen spielstarke Gegner Probleme. Tottenham zeigte das bei jedem der eigenen drei Treffer in Perfektion auf – auch die Borussia aus Mönchengladbach hätte am Samstag gut und gerne drei Treffer nach schnellen Gegenstößen erzielen können.


"Das ist sehr offensiver Fußball mit Risiko. Hoch gestellt und hoch gezockt. Das kann auch mal nach hinten losgehen", erklärt SPORT1-Experte Reif. Auch Bosz mahnte nach dem Gladbach-Spiel an: "Wir haben zu viele einfache Bälle verloren und dann hat der Gegner Chancen bekommen."

Ein Problem, das der BVB gegen Real Madrid abstellen sollte. Denn geht der Plan des extrem hohen Verteidigens und Balleroberns gegen die Königlichen schief, drohen gefährliche Tempogegenstöße.

Reals Schwäche ist Dortmunds Chance

Gut für den BVB ist allerdings: Real schwächelt aktuell wie in den vergangenen Jahren selten zuvor. Die Königlichen haben in der Liga bereits einmal verloren und zweimal Unentschieden gespielt. Der Rückstand auf den Tabellenführer und größten Konkurrenten FC Barcelona beträgt nach dem schlechtesten Saisonstart seit 22 Jahren sieben Punkte.

Dabei kriselt es bei Real vorne wie hinten: Nach sechs Liga-Spielen hat das Team von Zinedine Zidane bereits sechs Gegentreffer kassiert. Linksverteidiger Marcelo und Innenverteidiger Theo Hernandez sind verletzt. Vorne riss bei Real in der vergangenen Woche bei der bitteren 0:1-Niederlage gegen Betis Sevilla die eindrucksvolle Serie von 73 Spielen mit eigenem Treffer.

Nach zwei Champions-League-Triumphen könnte es sein, dass man es bei Real in dieser Saison etwas ruhiger angehen lässt, vermutet Reif.

Das alles gibt Borussia Dortmund Hoffnung - zumal sich der BVB wie aufgezeigt in absolut konträrer Form befindet. Gibt die Bosz-Truppe Real nicht derart viele Räume wie zuletzt den Spurs oder Gladbach und zeigt die bislang gewohnte offensive Effizienz, könnte es für den BVB am Dienstag zum großen Coup reichen.