Warum Dortmund schon BVBosz-Fußball spielt

Christoph Küppers, Lukas Rott, Matthias Becker
Borussia Dortmund steht nach zwei Spieltagen an der Tabellenspitze

Kurz nach Abpfiff ließen es sich die Fans auf der Dortmunder Südtribüne nicht nehmen, gemeinsam mit ihrer Mannschaft einen Klassiker anzustimmen. Und so schallte am Samstagabend nach dem souveränen 2:0-Sieg gegen Hertha BSC aus über 20.000 Kehlen: "Wer wird deutscher Meister? BVB Borussia! Wer wird deutscher Meister? Borussia BVB!"

Dortmund und der BVB sind euphorisiert! Vergessen die Wechselquerelen um Pierre-Emerick Aubameyang oder Ousmane Dembele aus dem Sommer. Nach zwei Spieltagen thront der BVB an der Tabellenspitze. Sechs Punkte, fünf geschossene Tore, kein Gegentreffer. Die Borussia ist wieder obenauf - vor dem Rest der Liga.

Dabei beeindruckte am Samstagabend vor allem die Art und Weise, wie der BVB auftrat. "Wir haben verstanden, was der Trainer von uns verlangt. Schneller als wir selbst oder vielleicht sogar ganz Deutschland das erwartet haben", sagte Matchwinner Nuri Sahin (ein Tor, eine Vorlage) nach dem Spiel am SPORT1-Mikrofon. "Die Ergebnisse sind gut, dadurch kriegt man immer wieder Vertrauen." 

Doch warum sind die Dortmunder nach nur wenigen Wochen mit dem neuen Trainer Peter Bosz so gut in Fahrt?

Der BVB fast wie unter Klopp

Ganz einfach: Das System Bosz greift trotz einer nicht idealen Vorbereitung schon richtig gut - und erinnert dabei stark an das Dortmunder Spiel unter Vorvorgänger Jürgen Klopp. Besonders auffällig: Das extrem druck- und wirkungsvolle BVB-(Gegen-)Pressing. 


Nach Ballverlusten setzten zwei bis teilweise fünf Spieler die Hertha-Spieler postwendend unter Druck und zwangen sie so zu Fehlern. Einziges Manko: Zu selten münzte die BVB-Offensive um Aubameyang, Christian Pulisic und Maximilian Philipp ihre schnellen Gegenstöße in Zählbares, also Tore, um. 

Wie schwer es dennoch aktuell ist, gegen den BVB zu spielen, gab Berlins Sebastian Langkamp zu. "Sie verschieben viel, haben viel Ballbesitz, spielen viel über die Außen und versuchen Dreiecke aufzubauen, sodass man nicht in Pressing-Situationen kommt", erklärte er SPORT1.

"Wir haben sehr intelligente Spieler"

Weitere Pluspunkte des 'neuen, alten' BVB: Die fast permanente Unterstützung der beiden agilen Flügelstürmer Pulisic und Philipp durch die beiden Außenverteidiger sowie ein lauf- und passstarkes Mittelfeld unter der Regie von Nuri Sahin. Immer wieder stieß ein Akteur aus dem Trio Sahin/Götze/Castro in die Spitze vor, sorgte so für zusätzliche Gefahr im Zentrum.

Die schnelle Erfolgsformel dieses Bosz'schen Fußballs? "Laufen, laufen, aggressiv sein. Tore schießen, keine Tore bekommen", so Sahin lapidar. Der Mittelfeldspieler schoss erstmals seit dem 13. Februar 2015 wieder ein Bundesligator. Unter Thomas Tuchel gelitten, unter Peter Bosz auferstanden. Kaum jemand verkörpert das neue BVB-Gefühl so wie Sahin.


"Das System greift im Moment und wir sind sehr glücklich darüber", sagte er. Und Neuzugang Philipp, von der Atmosphäre bei seinem ersten Bundesliga-Heimspiel noch sichtlich geflasht, lobte die Zusammenarbeit mit dem Coach:

"Wir haben sehr intelligente Spieler und können das, was der Trainer von uns verlangt, sehr schnell umsetzen. Innerhalb von ein paar Tagen haben wir das drin."

Peter Bosz sieht noch Verbesserungsbedarf

Der einzige, der aktuell nur bedingt zufrieden ist, ist der Vater des Systems selbst: Peter Bosz zeigte sich überraschend unbeeindruckt von der Tabellenführung, der maximalen Punkteausbeute und einer mehr als ordentlichen Partie.


"Mit dem Spiel bin ich nicht ganz zufrieden, gerade beim Ballbesitz. Da muss man den Ball in einem hohen Tempo laufen lassen, muss schnell die Seiten wechseln. Das haben wir nicht gut gemacht. Das müssen wir besser machen", analysierte er:

"Wenn wir zu viele einfache Bälle verlieren, müssen wir oft Druck machen. Wenn wir weniger Bälle verlieren, haben wir mehr Energie für das Fußballspielen."

Tatsächlich gibt es noch ein paar Stellschrauben, an denen der BVB drehen muss. "Aber das", versicherte Bosz, "wird normalerweise jede Woche ein bisschen besser."