Dortmund fehlt es an Qualität

Ivo Hrstic

Das souveräne 3:1 des FC Bayern im Liga-Gipfel bei Borussia Dortmund war ein echtes Statement im Kampf um die Meisterschaft. Der Heynckes-Effekt ist beeindruckend.

Bevor Jupp Heynckes den FC Bayern übernahm, lag dieser fünf Punkte hinter dem BVB, daraus wurden blitzschnell sechs Zähler Vorsprung (DATENCENTER: Die Tabelle). Wer auf eine spannende Meisterschaft gehofft hatte, ist spätestens jetzt wieder in der Realität angekommen.

Denn dass die Bayern so schnell wieder an die Spitze der Liga zurückkehren konnten, liegt nur zum Teil an der Verbesserung im eigenen Spiel. Doch Gegnern wie dem BVB fehlt ganz offensichtlich die Qualität an entscheidenden Stellen.

Für den BVB geht es jetzt darum nach der Länderspiel-Pause in Stuttgart dringend zu punkten (DATENCENTER: Spielplan und Ergebnisse). Das Wort Krise, zumindest Ergebnis-Krise, ist auf jeden Fall angebracht. Dabei halte ich die Diskussion um das 4-3-3-System von Peter Bosz für überwertet. Das System ist nur eine grundsätzliche Ausrichtung einer Mannschaft, die sich während des Spiels situativ mehrfach ändert. So wurde bei Ballbesitz der Bayern die Dortmunder Vierkette auch mal zur Fünferkette.


Viel entscheidender als das System waren die zahlreichen individuellen Fehler und die fehlende Aggressivität der Dortmunder bei den Gegentreffern. Alle Bayern-Tore hatten absolut gar nichts mit einer hochstehenden BVB-Abwehr zu tun. Ganz im Gegenteil - dem Führungstreffer durch Arjen Robben ging eine zu tief stehenden Abwehrkette voraus, die in entscheidenden Momenten den Bayern zu viel Räume gewährte.

Für mich ist es viel mehr eine Frage der Qualität. So war es auch schon bei der Niederlage in Hannover oder den schwachen Ergebnissen in der Champions League. Hier widerspreche ich auch Bosz, der am Samstagabend sagte, er glaube nicht, dass es mit mangelnder Qualität zu tun habe. Es fehlt vor allem im Defensiv-Verhalten, das hohe Verteidigen und von Bosz gewünschte Gegenpressing erfordern höchste Konzentration, Fitness und Spielintelligenz. Das sehe ich auf bestimmten Positionen in der Innenverteidigung und auf der Sechserposition nicht immer gegeben.

Deshalb würde es mich nicht wundern, wenn der BVB in der Winterpause für die Defensive nachlegt. In der Offensive sehe ich dagegen keine grundsätzlichen Probleme. Die aktuelle Torflaute von Aubameyang ist nur temporär und in der Rückrunde wird es mit Marco Reus neue Optionen der Offensive geben.


Tatsache ist aber, dass der BVB unter Thomas Tuchel näher am FC Bayern dran war als derzeit mit Peter Bosz. Wenn Borussia Dortmund wieder den Anschluss an den Rekordmeister finden will, muss sich die Diskussion weniger um das System drehen, sondern um echte Verstärkungen für die Defensive.

Das Thema werden wir am Sonntag auch im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 diskutieren. Ich sitze in der Runde und würde mich freuen, wenn Sie einschalten.