Doppelt geimpft, aber womöglich trotzdem infiziert: Wie sehr kann man sich dann auf Schnelltests verlassen?

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Bislang will die Ständige Impfkommission für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren keine allgemeine Impfempfehlung geben. Für Jüngere gibt es ohnehin noch keinen Impfstoff. Für immer mehr Eltern ergeben sich damit praktische Fragen: Wie wahrscheinlich können vollgeimpfte Eltern ihre Kinder anstecken und wie sehr können Schnelltests hierbei Gewissheiten geben? Können geimpfte Kinder in der Schule andere Kinder anstecken, auch wenn sie sich trotz Impfschutzes vor dem Schulbesuch getestet haben?

Business Insider erklärt es: Eine Covid-Infektion ist trotz Impfschutz nicht ausgeschlossen - auch wenn das Risiko dafür sinkt. Allerdings ist die Viruslast von infizierten, aber geimpften Menschen deutlich geringer als bei ungeimpften Personen, davon geht das RKI inzwischen aus. Das könnte auch erklären, warum Geimpfte Personen deutlich besser vor einem schweren Krankheitsverlauf oder Long-Covid geschützt sind.

Was die Menschen vor gesundheitlichen Schäden schützt, könnte aber dazu führen, dass Schnell- und Selbsttests ein falsch-negatives Ergebnis anzeigen. Denn eine reduzierte Viruslast führt dazu, dass ein Coronatest eine Infektion schlechter erkennt. Im schlimmsten Fall wiegt sich eine Person in doppelter Sicherheit: Geimpft und negativer Test. Trotzdem kann man infiziert sein und weitere Personen anstecken. Dazu kommt, dass Geimpfte bei einer Infektion nicht unbedingt Symptome erfahren müssen und eine Infektion nicht erkennen.

"Es könnte zu Ansteckungen kommen"

Hartmut Hengel ist ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinikum Freiburg und forscht zu PCR- und Antigen-Schnelltests. Zu Business Insider sagt der Mediziner: "Es ist durchaus anzunehmen, dass die Nachweisbarkeitsrate einer Infektion bei geimpften Personen durch die relativ unsensiblen Schnelltests weiter sinkt. Die Höhe der Viruslast ist bei den Schnelltests ja entscheidend und wenn diese geringer ist, ist der Test häufiger falsch negativ. Es könnte so zu Ansteckungen anderer Menschen durch negativ getestete Personen kommen."

Vergleichbar ist die Situation mit ungeimpften Menschen, die sich gerade erst infiziert haben oder bei denen die Infektion schon länger zurückliegt. Auch hier können Schnelltests zu einem negativem Ergebnis führen, da die Viruslast zu Krankheitsbeginn und Krankheitsende deutlich reduziert ist.

Abschließende Studien dazu gibt es bislang nicht. Die Frage, die die Wissenschaft noch klärt, ist, wie ansteckend Vollgeimpfte sein können und wie gut Schnelltests eine Infektion bei geringerer Viruslast nachweisen. Für den epidemologischen Verlauf ist die Frage allerdings erstmal irrelevant. Studien zeigen, dass Geimpfte keinen signifikanten Einfluss mehr auf das Infektionsgeschehen der Gesamtbevölkerung haben.

PCR-Tests bringen deutlich mehr Sicherheit

Trotzdem: Wer Angehörige und Mitmenschen schützen will, sollte auch mit Impfung nicht blind auf Schnelltests vertrauen. Deutlich mehr Sicherheit bieten PCR-Tests. Bei der Polymerase Chain Reaction - Methode wird nach dem Erbgut des Virus gesucht. Dafür werden gefundene RNA-Stränge des Abstrichs wiederholt verfielfacht, weswegen bei einem PCR-Test sogar die Viruslast festgestellt werden kann. Müssen die Prozesse häufig wiederholt werden, spricht das für eine geringere Viruslast. Wer also Corona-Symptome trotz vollständigem Impfschutz hat, sollte - um auf Nummer sicher zu gehen - statt eines Schnelltests einen PCR-Test machen. Nachteil: Das Ergebnis kommt erst 48 Stunden später.

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