Doppelt geimpft und trotzdem infiziert: Welche Menschen das vor allem betrifft, zeigt eine Studie

·Lesedauer: 2 Min.
Patient im israelischen Ziv Medical Centre
Patient im israelischen Ziv Medical Centre

In Deutschland sind mittlerweile 46,7 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Einige Impfungen, wie zum Beispiel die von Biontech, schützen mit einer knapp 95-prozentigen Wirksamkeit vor dem Coronavirus. Trotzdem werden auch immer wieder Fälle öffentlich, bei denen sich bereits Geimpfte mit dem Virus infizieren. Eine neue Studie aus Israel, die in der Fachzeitschrift „Clinical Microbiology and Infection“ veröffentlicht wurde, zeigt nun, welche Personen am häufigsten von Impfdurchbrüchen – also Infektionen trotz Impfung – betroffen sind.

Israel war eins der ersten Länder, das eine schnelle und effektive Impfkampagne durchführen konnte. Anfang Juli hatten dort bereits knapp 90 Prozent der über 50-Jährigen einen doppelten Impfschutz. Allerdings mussten laut israelischem Gesundheitsministerium bis Ende April 2021 insgesamt 397 vollständig Geimpfte wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden. 234 von ihnen erkrankten schwer. 90 starben an der Virusinfektion.

Das Forschungsteam vom Samson Assuta Ashdod University Hospital analysierte die Daten von insgesamt 152 Patientinnen und Patienten, die in 17 verschiedenen Krankenhäusern behandelt wurden. Das berichtet der „Spiegel“. Sie waren alle vollständig mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft worden. Die Forschenden stellten fest: Vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen kam es zu Impfdurchbrüchen. Nur sechs der 152 Patienten waren zuvor völlig gesund gewesen, die anderen hatten schon vorher an verschiedenen Erkrankungen gelitten, die Auswirkungen auf das Immunsystem haben.

Diese Vorerkrankungen fanden die Forscher am häufigsten

71 Prozent der Erkrankten hatten Bluthochdruck, bei 48 Prozent wurde Diabetes und bei 32 Prozent chronisches Nierenversagen diagnostiziert. Auch Herzleiden (28 Prozent), Lungenerkrankungen (24 Prozent), Krebs (24 Prozent) und Demenz (19 Prozent) kamen häufig vor. Außerdem waren 40 Prozent der doppelt geimpften Corona-Patienten immunsupprimiert, zum Beispiel durch die Behandlung mit Kortison, eine Chemotherapie oder Organtransplantationen.

Die Prognose für die Patientinnen und Patienten war ähnlich wie bei Ungeimpften: 61 Prozent entwickelten einen schweren Krankheitsverlauf, 22 Prozent starben an der Infektion.

Die Ergebnisse der Studie weisen also darauf hin, dass eine kleine Minderheit der vollständig Geimpften trotz der hohen Wirksamkeit des Impfstoffes eine schwere Corona-Infektion entwickeln kann. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen und Vorerkrankte, die ein geschwächtes Immunsystem haben.

Weiter Vorsicht und Herdenimmunität

Wie kann man diese Menschen schützen? Die Forschenden schreiben, dass weitere Studien nötig sind, um gefährdete Menschen zu identifizieren und Handlungsempfehlungen zu geben. Weitere Vorsichtsmaßnahmen, um Personen mit schwachem Immunsystem zu schützen, seien auch sinnvoll, genau wie eine mögliche Auffrischung der Impfung. Der beste Schutz jedoch sei eine Herdenimmunität, schreiben die Autoren.

hr

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.