Doppelsieg! Herrmann in Östersund wie im Rausch

Denise Herrmann wechselte vom Langlauf zum Biathlon

Denise Herrmann reckte ihren Arm jubelnd in den schwedischen Flockenwirbel und schüttelte nach dem nächsten Winterwunder fast ungläubig den Kopf: Die Umsteigerin hat beim Weltcup in Östersund auch die Verfolgung gewonnen und Biathlon-Königin Laura Dahlmeier mit Bravour vertreten.

Zwei Tage nach dem Triumph im Sprint behielt Herrmann im Jagdrennen in beeindruckender Manier die Nerven und feierte sensationell ihren zweiten Weltcup-Sieg.

"Es ist richtig geil zu gewinnen", sagte Herrmann, die mit Laufbestzeit glänzte, im ZDF. Der Sieg am Sonntag war noch einen Tick schöner als der am Freitag, weil sie direkt im Ziel die Gewissheit hatte. "Es ist noch geiler, als Erste über die Ziellinie zu laufen. Es ist unglaublich, wunderbar. Ich hatte noch nie so ein Gefühl."


Historisches Ergebnis

Herrmann schrieb Geschichte, zwei deutsche Einzel-Siege waren zum Weltcup-Auftakt zuletzt Martina Beck 2007 gelungen. Mit etwas Glück könnte die 28-Jährige, die erst vor einem Jahr den Sprung vom Langlauf ins Lager der Skijäger gewagt hatte, schon in der kommenden Woche beim Weltcup in Hochfilzen (8. bis 10. Dezember) das Gelbe Trikot der Gesamtweltcup-Führenden übernehmen.

In der Wertung belegt sie aktuell den zweiten Platz mit vier Punkten Rückstand auf die Französin Justine Braisaz, die in der Verfolgung Zweite wurde. Kleiner Trost für Herrmann: Sowohl die Sprint- als auch die Verfolgungswertung führt sie an und wird dort in den nächsten Rennen im Roten Trikot antreten.

Das Rennen am Sonntag über 10 km begann perfekt - nicht nur, weil Herrmann mit einem Polster von rund 15 Sekunden in die Loipe gegangen war. Ihr Vorsprung vergrößerte sich nach der ersten fehlerfreien Schießeinlage, auch die zweiten fünf Scheiben räumte sie liegend alle ab. Zur Halbzeit des Rennens hatte sich schon die Überraschung angedeutet.

Herrmann läuft Braisaz davon

"Ich bin extrem gut reingekommen, habe versucht, mein eigenes Rennen zu machen", sagte Herrmann, die dann beim ersten Stehendanschlag bei den letzten beiden Schüssen aber etwas wackelte. Zweimal zielte sie daneben, zwei Strafrunden musste sie drehen - Braisaz übernahm mit einem knappen Vorsprung die Spitze.

Als Herrmann beim letzten Schießen, dem finalen Showdown, dann aber wieder alle Scheiben traf, war der Sieg praktisch perfekt. Denn in der Loipe kommt keine andere Athletin an die Sächsin heran, die schon im Einzel und im Sprint die besten Laufzeiten erzielt hatte. Als Braisaz überholt war, glichen die letzten Meter einer Ehrenrunde.

Olympia-Ticket für Hammerschmidt und Hinz

"Liegend zwei mal null - das hat mich gefreut. Das ist die Basis. Beim dritten Schießen habe ich ein bisschen gewackelt. Am Ende habe ich alles rausgehauen. Ich bin froh, dass es kein Kampf bis zur Ziellinie war. So konnte ich das hinten heraus noch genießen", sagte Herrmann, die zwar der hellste, aber nicht der einzige deutsche Lichtblick an diesem Tag war.

Maren Hammerschmidt als Fünfte und Vanessa Hinz auf Rang acht rundeten das tolle Ergebnis für den Deutschen Skiverband (DSV) ab und sicherten sich ihr Olympia-Ticket. "Ich hätte nicht daran gedacht, dass sich die Frage schon nach Östersund erledigt hat. Da fällt ein Riesenstein vom Herzen", sagte Hammerschmidt.