Zur Niederlage rotiert? 95 Prozent reichen Bayern nicht

Stefan Moser, Martin Quast, Sportinformationsdienst (SID)
Der FC Bayern kassiert in Hoffenheim die erste Saisonniederlage

Es war die Schlüssel-Szene des Spiels: Hoffenheims Mark Uth (27.) trifft aus dem Nichts zum 1:0 gegen den FC Bayern München. (Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker)

Ein Tor, das so überraschend wie kurios war. Denn zum Zeitpunkt des Treffers war - weit weg vom Spielgeschehen - ein zweiter Ball im Spiel.

Die heftigen Proteste der Münchner nutzten nichts, Schiedsrichter Daniel Siebert erkannte das Tor zu Recht an.

Bayern vom Rückstand geschockt

Mit Folgen für die Bayern: Die Mannschaft war durch den Rückstand blockiert, Hoffenheim übernahm bis zur Pause das Kommando und erhöhte kurz nach dem Seitenwechsel  - wieder durch Uth – auf 2:0.

Gleichzeit der Endstand. (3. Spieltag: Ergebnisse im Überblick)


Damit warten die Münchner seit drei Partien auf einen Sieg gegen die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann.

Zudem gehen die zurückliegenden beiden Liga-Niederlagen des Meisters auf das Konto der Hoffenheimer. Ganz nebenbei ist die TSG seit nunmehr 19 Heimspielen ungeschlagen. (Service: Die Bundesliga-Tabelle)


FCB überlegen, Hoffenheim effektiv

"Das fühlt sich gut an", sagte Nagelsmann - räumte aber auch ein: "Das 1:0 war vom Spielverlauf her unverdient. Insgesamt waren wir den Bayern in allen spielerischen Statistiken unterlegen. Außer bei den Toren."

Tatsächlich hatten die Münchner mehr als doppelt so viel Ballbesitz (67,3 Prozent) wie der Gegner, gewannen die Zweikampfstatistik mit 54 Prozent und hatten am Ende mit 19 zu 6 Abschlüssen auch bei den Torschüssen deutlich die Nase vorn.

"Hoffenheim war drei Mal im Strafraum. Einmal hat Manuel Neuer gehalten, zwei Mal war der Ball im Tor", verwies auch Carlo Ancelotti auf die Zahlen zum Spiel.

Ancelotti: "Waren nicht bei 100 Prozent"

Daher war der Bayern-Trainer überraschend zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft:

"Alle Spieler waren insgesamt gut. Wir waren nicht bei 100 Prozent, aber zumindest 95 Prozent. Wir waren nur nicht fokussiert und konzentriert genug."

Im Detail meinte er damit den Ballverlust vor dem 0:2 - und vor allem das Offensivspiel seiner Bayern: "Wir hatten viele Flanken, aber das Positionsspiel unserer Stürmer im Strafraum war nicht perfekt. Deshalb haben wir nicht getroffen."


Die einzig wirklich gefährliche Szene im Strafraum hatte der Rekordmeister bereits nach fünf Minuten: Robert Lewandowski verzog freistehend aus fünf Metern, sein Ball prallte von der Latte ins Aus.

Offensive ohne Tempo und Ideen

Ansonsten wirkte die Offensive speziell nach dem ersten Gegentor oft schwerfällig und unkonzentriert und vor allem: ohne Tempo und Ideen.

Die Erkenntnis: 95 Prozent reichen eben auch einer Startruppe nicht, um in Hoffenheim zu gewinnen. Und dass die berühmten fünf Prozent fehlten, lag womöglich auch an Ancelottis Rotation.

Der Italiener ließ überraschend sowohl Franck Ribery als auch Arjen Robben auf der Bank, auf den Außen starteten Kingsley Coman und Thomas Müller, der in der 78. Minute für James Rodriguez ausgewechselt wurde - mit zwei Torschüssen und einer Zweikampfquote von 20 Prozent.

"Ancelotti hatte heute mit Sicherheit kein glückliches Händchen bei der Mannschaftsaufstellung", sagte Sky-Experte Lothar Matthäus, der mutmaßte, die Bayern hätten im Hinblick auf das Champions-League-Spiel am Dienstag gegen den RSC Anderlecht (Di., ab 20.30 Uhr im Liveticker) Robben und Ribery geschont.

Generalprobe für Anderlecht verpatzt

"Die beiden sind die Gesichter und die Schlüsselspieler des FC Bayern", so Matthäus weiter:

"Im Vergleich zum Spiel am Dienstag war das heute die schwierigere Aufgabe. Bei allem Respekt vor Anderlecht, aber darum hätte ich heute auf jeden Fall mit der 1A-Mannschaft gespielt, um in der Bundesliga als einzige Mannschaft mit neun Punkten dazustehen."

So aber verpatzten die Münchner nicht nur die Generalprobe für die Champions League, sondern müssen sich fürs Erste mit sechs Punkten aus drei Spielen, Platz fünf in der Tabelle und einigen unliebsamen Diskussionen begnügen.