Doncic wird zu Dirkules: Mavs wieder eine Macht

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Doncic wird zu Dirkules: Mavs wieder eine Macht
Doncic wird zu Dirkules: Mavs wieder eine Macht

Es war ein emotionales und in gewisser Weise schon jetzt legendäres Foto, das in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Staples Center geschossen wurde. (NEWS: Alles zur NBA)

Luka Doncic reißt seine Arme nach oben, doch er ist nur von hinten und verschwommen zu sehen. Der Fokus liegt auf Dirk Nowitzki, den es vom Sitz gerissen hat - und der ebenfalls seine Arme in die Höhe reißt.

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Die Hände zu Fäusten geballt. Der alte und der neue Superstar der Dallas Mavericks. Beide auf einem Bild festgehalten, in ein und demselben emotionalen Moment.

Doncic führte die Mavs in der besagten Nacht zu einem 127:121-Erfolg bei den Los Angeles Clippers. Es war bereits der zweite Sieg in der Playoff-Serie, in der die Franchise aus Texas nun recht überraschend mit 2:0 führt.

Plötzlich lebt in Dallas die Hoffnung, dass die Mavericks zum ersten Mal seit 2011 wieder eine Playoff-Serie gewinnen können. Zur Erinnerung: Damals hatte Nowitzki das Team zum Titel geführt.

Doncic glänzt bei Mavs - Nowitzki jubelt

Der Hauptgrund für die heutige Hoffnung ist Doncic, der zwei überragende Spiele aneinanderreihte. In der ersten Partie legte der Slowene ein Triple-Double mit 31 Punkten auf. Nun kam er auf 39 Punkte, sieben Rebounds und sieben Assists.

In den acht Playoff-Spielen seiner Karriere hat der Ausnahmeathlet nun 256 Zähler angehäuft, 76 Rebounds gesammelt und 70 Assists verteilt. Mehr noch: Doncic ist damit der erste Spieler der NBA-Geschichte, der in den ersten acht Playoff-Spielen mindestens 250 Punkte, 70 Rebounds und 70 Assists aufgelegt hat.

Nowitzki sah die Aktionen des 22-Jährigen von der Gäste-Bank aus, auf der er etwas überraschend aufgetaucht war - und fieberte mit. (SERVICE: Die Tabellen der NBA)

"Ich bin mir sicher", sagte Mavs-Coach Rick Carlisle nach dem Sieg mit einem Lächeln, "dass er unser Glücksbringer war". Nowitzki war gar mehr als das - er stand gewissermaßen für sich selbst als Symbol.

Doncic als legitimer Nowitzki-Nachfolger

Der Würzburger steht für die erfolgreichste Zeit der Franchise-Geschichte und für den größten Erfolg. Und er steht auch für die Mavs an sich. In Doncic akzeptiert Nowitzki mit seinem Auftreten in gewisser Weise nun seinen legitimen Nachfolger.

Dazu passt, dass Doncic auch auf dem Court Ähnlichkeiten mit seinem Vorgänger aufweist. Mehrfach traf er mit einem einbeinigen "Step-back Fadeaway Jumper" - jenem Sprungwurf, den Nowitzki praktisch erfunden hat.

Die ersten Fans fragen auf den Sozialen Netzwerken schon vorsichtig, in wie vielen Jahren sie die Diskussion um Doncic als GOAT aufmachen dürften. Dieses Thema dürfte noch etwas warten - aber dass Doncic die Mavericks in den nächsten Jahren zu einem Titel führen könnte, bezweifelt nach den ersten beiden Partien gegen die Clippers kaum jemand.

Mavs und Kleber beeindrucken mit Teamwork

Wer weiß, was in diesen Playoffs schon alles möglich sein wird. (SERVICE: Der Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Doncic dominierte die ersten beiden Partien, und das nicht mal in einer reinen One-Man-Show. Denn Dallas fällt durch Geschlossenheit auf. Als Doncic in Spiel 1 im letzten Viertel von den Clippers abgemeldet wurde, sprangen seine Mitspieler ein. Der Slowene machte nur einen Punkt, die Mavericks tüteten den Auftakt-Sieg trotzdem ein.

Für das Teamplay der Mavericks steht nicht zuletzt auch Maxi Kleber - was sich kurioserweise in einer wenig schmeichelhaften Situation für den Deutschen zeigte.

Was war passiert? Der 29-Jährige wurde von Kawhi Leonard aufs Poster genommen. Der Monster-Dunk des LA-Stars war beeindruckend, Kleber lag danach etwas hilflos auf dem Parkett. Was dann folgte, sorgte für eine kurzzeitige Überhitzung der Szenerie.

Leonard stellte sich vor den Deutschen und blickte auf ihn herunter. "Ich bin der Meinung, dass es dafür ein technisches Foul hätte geben müssen", sagte Kleber nach der Partie. Durch seine weiteren Aussagen setzte er dann ein deutlicheres Zeichen als Leonard mit seinem Dunk zuvor.

"Das sind die Playoffs, also werde ich versuchen, einen Wurf zu verteidigen", sagte Kleber weiter. "Ich kümmere mich nicht darum, auf einem Highlight-Video zu sein. Man versucht nicht, einfache Körbe zu verschenken. Ich würde es zu jeder Zeit wieder tun."

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Sein Signal: Diese Szene gehörte zwar Leonard. Das Spiel aber gehörte den Mavs.

Clippers neigen zur Arroganz

Bei den Clippers offenbarte sich dagegen: Sie haben mit Leonard und Paul George zwei Superstars, dafür indes kein wirklich kraftvolles Teamgefüge. Sinnbildlich: Leonard duckte sich bei einem Dunking von Dallas'Kristaps Porzingis weg.

Zudem neigen rund um die Franchise aus Los Angeles einige zur Arroganz. "Ich bin nicht besorgt", sagte Clippers-Trainer Tyronn Lue trotz des Rückstands. "Sie haben zwei Spiele bei uns gewonnen und jetzt müssen wir uns revanchieren."

Ein recht irritierendes Selbstverständnis, zumal: In den vergangenen Playoffs hatten die Clippers mit dem Aus in den Conference Semifinals eher enttäuscht und waren weit weg vom Titel. Zudem blieb das Team Comeback-Qualitäten in den Playoffs stets schuldig.

Was den Clippers ebenso kaum Sympathiepunkte beschert hat: Die letzten Spiele der Regular Season hatten Lues Mannen quasi abgeschenkt, schonte der Coach seine wichtigsten Spieler.

Haben sich Clippers Playoffs-Serie "ertankt"?

Folglich setze es zuletzt zwei Niederlagen. Es steht die Behauptung im Raum, dass dies nicht ganz unabsichtlich passierte.

Denn: Durch die Pleiten gingen die Clippers nämlich den Portland Trail Blazers als Erstrunden- und den Los Angeles Lakers als potenziellen Zweitrundengegner aus dem Weg. Der Vorwurf lautet demnach: Tanking.

Die Mavs dagegen nehmen die Clippers offenbar gern, immerhin hatten sie LA schon im Vorjahr in der ersten Runde mit 4:2 aus dem Weg geräumt.

Nun könnte das Team aus Dallas Leonard und Co. erneut zum Verhängnis werden.

"Wenn die Mavs gesund bleiben und Luka eine großartige Serie hat, könnte es interessant werden", sagte Nowitzki bereits vor der Serie.

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