Fragwürdige Behauptung: Ist Trump beliebter als Lincoln?

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania vor dem Lincoln Memorial in Washington. (Bild: AP Photo)

Rund drei Monate vor den Midterm Elections in den USA kämpfen die Parteien um die Gunst der Wähler. In einem Tweet behauptet Donald Trump nun, die Republikaner stünden laut einer Umfrage unter seiner Führung besser da als zur Zeit Abraham Lincolns. Dabei gab es zu dessen Lebzeiten noch gar keine Umfragen.

Am 6. November findet in den Vereinigten Staaten von Amerika eine politische Weichenstellung statt: Werden US-Präsident Donald Trump und seine Parteikollegen die republikanische Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat halten können? Oder werden diesmal die angeschlagenen Demokraten als Sieger bei der Parlamentswahl hervorgehen?

Wenn es nach Donald Trump geht, dann zeichnet sich schon jetzt ab, welche Partei bei den Kongresswahlen im November die Nase vorne haben wird. Denn laut einer Umfrage, so Trump, befinde sich die Grand Old Party, wie die Republikanische Partei auch genannt wird, derzeit in einem historischen Umfragehoch.


„Wow, die besten Umfragewerte in der Geschichte der Republikanischen Partei. Der ehrliche Abe Lincoln und Ronald Reagan inbegriffen. Da muss ein Fehler passiert sein, bitte prüft diese Umfrage!“

Was Trump in seinem Tweet verschweigt, ist, woher er diese Information bezog. Die „New York Post“ schreibt: „Es ist unklar, auf welche Umfrage er sich bezieht, aber Gallup war die erste Firma, die im Jahr 1936 eine Befragung für eine Präsidentenwahl durchführte.“ Laut dem Roper Center for Public Opinion Research an der Cornell University im Bundesstaat New York begannen Meinungsumfragen erst in den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts.

Am 19. Januar 2017, dem Tag von Donald Trumps Amtseinführung, würdigen er und seine Frau Melania den großen Präsidenten Abraham Lincoln vor dessen berühmtem Denkmal in Washington, D.C. (Bild: Getty Images)

Die Webseite „RealClearPolitics.com“, die regelmäßig die wichtigsten politischen Meinungsumfragen aggregiert – darunter Umfragen der Sender NBC und FOX sowie der Meinungsforschungsinstitute Gallup und Harris – zeigt ein anderes Bild, als Trump es in seinem Twitter-Beitrag darstellt. In den vergangenen drei Wochen lag die Zustimmung zu Trumps Politik demnach zwischen 38 und 46 Prozent, die Ablehnung dagegen bei 50 bis 58 Prozent.

Nicht nur der Vergleich mit Lincoln, zu dessen Zeit es noch keine landesweiten Umfragen gab, hinkt – sondern auch der Vergleich mit Ronald Reagan. Dieser kam zur gleichen Zeit in seiner Präsidentschaft auf einen Zustimmungswert von 42 Prozent, was exakt dem Durchschnittswert aller aktuellen Umfragen zu Trump entspricht. Besser als Reagan steht Trump also keineswegs da.

Ronald Reagan, Präsident von 1981 bis 1989, genießt vor allem unter Republikanern bis heute hohes Ansehen. (Bild: AP Photo)

Zwar schreibt der US-Präsident in seinem Tweet „Das muss ein Fehler sein, bitte prüft diese Umfrage!“, doch dürfte dieser Zusatz ironisch gemeint sein. Denn bereits vor einigen Tagen behauptete Trump im Rahmen seines London-Besuchs gegenüber der britischen Zeitung „The Sun“: „Wissen Sie, eine Umfrage kam gerade heraus, die besagt, dass ich die populärste Person in der Geschichte der Republikanischen Partei bin. Ich schlage Lincoln. Ich schlage unseren ehrlichen Abe.“

Hohe Umfragewerte erzielt der 72-Jährige aber dennoch, und zwar unter Republikanern. Laut einer Gallup-Umfrage aus dem Zeitfenster vom 9. bis 15. Juli 2018 erreicht Trump bei seinen eigenen Parteigängern eine Zustimmungsrate von 90 Prozent. Unter unabhängigen und Wechselwählern kommt er immerhin auf 38 Prozent, unter Demokraten lediglich auf 8 Prozent.