Donald Trump will zurück ins Weiße Haus – an diesen fünf Problemen könnte er scheitern

Donald Trump will 2024 noch einmal US-Präsident werden. Doch auf den ehrgeizigen Republikaner warten fünf enorme Herausforderungen.

Neue Kandidatur, altes Ziel: Donald Trump will Amerika „wieder großartige machen“  (Bild: Reuters)
Neue Kandidatur, altes Ziel: Donald Trump will Amerika „wieder großartige machen“ (Bild: Reuters)

Nun ist sie da, die zuvor lautstark angekündigte „große Mitteilung“: Donald Trump will noch einmal US-Präsident werden. Am Dienstagabend (Ortszeit) teilte er in seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida mit, offiziell ins Rennen um die Kandidatur der Republikaner bei der Wahl 2024 einzusteigen.

Vor einem Saal aus geladenen Gästen kündigte der 76-Jährige selbstbewusst an: „Ich werde kämpfen, wie noch niemand je gekämpft hat.“ In Richtung der Hauptstadt Washington, D.C. drohte er: „Das Establishment will uns zum Schweigen bringen, aber das werde ich nicht zulassen. Ich bin eure Stimme.“ Seine eigentliche Hauptbotschaft übermittelte Trump allerdings ohne großen Tusch: „Um Amerika wieder groß und glorreich zu machen, gebe ich heute Abend meine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten bekannt.“

In seiner rund einstündigen Rede wagte Trump einen ungewöhnlichen Balanceakt aus bekannt-ideologischer Kritik und abgeschwächter Rhetorik. Auf der einen Seite sprach er davon, den „tiefen Staat“ zu demontieren, das Land aus den Klauen „radikaler Linker“ zu befreien und die unter seinem Nachfolger Joe Biden „scheiternde Nation“ vor dem Untergang zu bewahren. Auf der anderen Seite versprach er, dass es in seiner Kampagne um Visionen gehen werde, „große Ideen“ und „kühne Träume“. Er fügte an: „Es reicht nicht aus, sich nur zu beschweren. Wir wollen keine Nörgler sein.“ Ein durchaus überraschendes Statement.

Für den für Trump-Verhältnisse fast normalen Auftritt gibt es einen Grund. Bei den jüngsten Zwischenwahlen („Midterms“) mussten die Republikaner, die Partei des Ex-Präsidenten, einen unerwarteten Rückschlag hinnehmen. Es gelang ihnen nicht, die Mehrheit im Senat zu gewinnen, im Abgeordnetenhaus steht aktuell eine hauchdünne Mehrheit zu Buche. Viele Konservative machten schnell klar, wer aus ihrer Sicht das politische Fiasko zu verantworten hat: Trump. Dessen handverlesene Kandidatinnen und Kandidaten traten oft so polarisierend auf, dass viele republikanische Wählerinnen und Wähler lieber zuhause blieben, als zur Wahl zu gehen.

Der Ausgang der „Midterms“ hat Trumps größte Probleme auf seinem erhofften Weg ins Oval Office offengelegt. Ein Überblick:

1. Die eigene Partei

Nach den Wahlen wächst die Zahl der Republikaner, die dazu aufrufen, den Ex-Präsidenten hinter sich zu lassen, jeden Tag. Selbst dessen früherer Vize, Mike Pence, sagte jüngst, er glaube, dass es in der Zukunft bessere Alternativen gebe als Trump. Pence macht inzwischen keinen Hehl mehr daraus, dass er selbst über eine Präsidentschaftsbewerbung nachdenkt. Und so ist nun realistisch, was vor ein paar Monaten noch unvorstellbar erschien: eine Reihe von Gegenkandidaten für Trump.

Gefährlich werden könnte vor allem einer: Floridas Gouverneur Ron DeSantis, der neue starke Mann in der Republikanischen Partei. Nachdem der 44-Jährige mit einem beeindruckenden Ergebnis als Gouverneur wiedergewählt wurde, drängen ihn Dutzende Parteikollegen öffentlich, 2024 anzutreten. Mick Mulvaney, Trumps ehemaliger Stabschef im Weißen Haus, dürfte vielen Parteikolleginnen und -kollegen aus dem Herzen gesprochen haben, als er im US-Sender CNN über seinen ehemaligen Chef sagte: „Ich glaube, dass er der einzige Republikaner ist, der verlieren könnte.“

2. Die Familie

Vor und während seiner Präsidentschaft dürfte Trumps älteste Tochter Ivanka seine wichtigste Beraterin gewesen sein. Nun hat sie entschieden, ihren Vater nicht länger unterstützen zu wollen. Im Saal in Mar-a-Lago fehlt sie. Auch Ehemann Jared Kushner will sich offenbar nicht weiter engagieren. Dabei soll Milliardär Trump laut einem Bericht der „New York Post“ beide angefleht haben, ihn in seinem Wahlkampf zu unterstützen.

3. Die Justiz

Trump ist aktuell in diverse rechtliche Auseinandersetzungen verstrickt – wegen der Mitnahme geheimer Regierungsdokumente, der Kapitol-Attacke, dubioser Geschäftspraktiken und wegen seiner Versuche, den Ausgang der Wahl 2020 nachträglich zu kippen. Das drohende juristische Unheil könnte ihn dazu veranlasst haben, seine Präsidentschaftskampagne so ungewöhnlich früh zu starten. Offenbar besteht die Hoffnung, dass ihn das vor einer Strafverfolgung schützen oder ihm neue Argumente an die Hand geben könnte, um jedes Vorgehen gegen ihn als politisch motiviert anzuprangern. Wirklich geschützt wäre er aber erst bei einem erneuten Einzug ins Weiße Haus.

4. Die Demokraten

Für Joe Bidens Partei waren die Kongresswahlen ein unerwarteter politischer Schub. Statt einer prognostizierten „roten Welle“ kam in der Hauptstadt lediglich ein Rinnsal an. Der gestärkte demokratische Präsident sagte: „Ich bin unglaublich erfreut über den Ausgang. Ich fühle mich gut und freue mich auf die nächsten beiden Jahre. Ich weiß, dass ich gestärkt hineingehe.“ Die demokratische Partei kann abwarten und darauf hoffen, dass ein mögliches Trump-DeSantis-Duell die Republikaner im Vorwahlkampf endgültig in einen moderaten und einen „MAGA“-Teil („Make America Great Again“) spaltet.

5. Die Medien

Noch immer ist der ehemalige Präsident Trump ein Zuschauermagnet für die US-Fernsehsender. Das zeigt die großflächige Berichterstattung rund um seinen Auftritt in Mar-a-Lago. Doch ausgerechnet der äußerst konservative Sender Fox News beendete nach 45 Minuten ungewöhnlich früh seine Übertragung. Ein Zufall? Ganz bestimmt nicht. Der Sender bemüht sich seit Wochen darum, sich von seinem einstiegen Liebling Trump zu distanzieren. Nach den Wahlen stellte Kolumnistin Liz Peer fest: „Ron DeSantis ist der neue Anführer der Republikaner.“ Die „New York Post“ – wie Fox News ein Teil des großen Rupert Murdoch-Medienimperiums – spottete auf ihrer Titelseite gar über „Trumpty Dumpty“ und seine Bilanz als Staatschef.

All das zeigt: Auf Trump warten enorme Herausforderungen. Seine Kandidatur als aussichtslos abzustempeln, wäre allerdings ein Fehler. Auch vor der Präsidentschaftswahl 2016 galt der Republikaner als abgeschlagen, als aussichtsloser Kandidat ohne Chance gegen Hillary Clinton. Bis zur Wahl 2024 sind es noch fast zwei Jahre. Und wenn die jüngste Vergangenheit eines bewiesen hat, dann wohl, dass in der US-Politik alles möglich ist.

VIDEO: Trump kündigt Kandidatur für 2024 an – Biden ist nicht beeindruckt