Donald Trump ignoriert eine wichtige Lektion von „Ferris macht blau“

Ben Steins Vortrag in „Ferris macht blau“ erklärt, wie Protektionismus nach hinten losgehen kann. Quelle: Paramount Pictures

Am Donnerstag sagte US-Präsident Donald Trump, er werde Aluminium und Stahl mit Zöllen belegen. Seine Entscheidung hat kaum Befürworter in Wirtschaftskreisen, dazu zählen auch seine Berater – mit Ausnahme von Peter Navarro, dem Direktor des Nationalen Handelsrates. Für Ökonomen sind die Zölle für Stahl (25 %) und Aluminium (10 %), die Trump nächste Woche absegnen will, von einem Déjà-vu begleitet.

1930 wurden durch den Smoot-Hawley Tariff Act die Zölle für 20.000 amerikanische Güter angehoben, die im Ausland gekauft wurden. Die Importrate fiel deutlich ab, doch Kanada und andere Länder wehrten sich, was zu einem Handelskrieg führte, wodurch die Große Depression noch verschlimmert wurde.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich viele Menschen an die Details erinnern. Man müsste über 80 Jahre alt sein, um Smoot-Hawley selbst miterlebt zu haben und vermutlich über 45, um in der Schule davon gehört zu haben.

Doch Smoot-Hawley ist irgendwo in unserem Unterbewusstsein verankert. Immerhin gab der Ökonom, Redenschreiber, Gameshow-Moderator, Politikexperte und Gelegenheitsschauspieler Ben Stein 1986 in „Ferris macht blau“ einen Kurs über das Gesetz, während Ferris blau machte.

Vor seiner schlafenden Klasse hält der von Stein gespielte Lehrer folgenden Monolog:

„1930 hat das von den Republikanern kontrollierte Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschiedet zur Milderung der – Wer weiß es? Wer weiß es? – der Großen Depression. Dieses Gesetz hieß – Wer weiß es? Wer weiß es? – das Zollgesetz. Das Hawley-Smoot-Zollgesetz“, schwadronierte Stein, während die Schüler Kaugummi kauten, sabberten und schliefen. „Welches die Zölle senkte oder hob? – Wer weiß es? – das die Zölle anhob, mit der Absicht, die Staatseinnahmen zu erhöhen. Hat das Gesetz funktioniert? – Weiß das jemand? Weiß jemand von den Folgen? – Es hat nicht funktioniert und die Vereinigten Staaten fielen noch tiefer in die Depression.“

In einer Zeit, in der Trumps wirtschaftlicher Protektionismus wieder in Mode kommt, ist die Smoot-Hawley (oder Hawley-Smoot) Lektion für Stein, der zu Trumps Unterstützern zählt, auch heute noch relevant.

„Das ist eine von Mr. Trumps schlechtesten Ideen“, sagte Stein in einem Interview mit Yahoo Finance. „Er hat einige nicht besonders gute Ideen, er hat einige schlechte Ideen und einige sehr gute Ideen. Protektionismus ist vermutlich die allerschlimmste Idee.“

Stein, der für einen freien Handel appelliert und als ehemaliger Redenscheiber für die US-Präsidenten Nixon und Ford mit Politik vertraut ist, sieht die Beschränkung von Importen und die Eindämmung des Handels als massives Problem, das einen ähnlichen Effekt wie im Jahr 1930 haben könnte.

„Es wird einen Gegenschlag geben. Mr. Trump will einen Handelskrieg und er wird ihn bekommen“, sagte Stein ebenso gelassen wie in seinem TV-Monolog. „All diese Länder werden sich nicht herumschubsen lassen.“

Am Donnerstag tauchte die Nachricht eines Analytikers von Goldman Sachs auf, in der vor dieser Möglichkeit gewarnt wurde. Darin heißt es, für die Zölle seien nicht wirtschaftliche Überlegungen verantwortlich, sondern jene bezüglich der nationalen Sicherheit.“

„Es könnte dazu führen, dass andere Handelspartner ähnliche Maßnahmen setzen und das könnte letztendlich die internationalen Handelskonventionen schwächen, wie die Regeln der Welthandelsorganisation im weiteren Sinne“, hieß es in der Nachricht.

Stein ist der Ansicht, diese Zölle, die geschaffen wurden, um die US-Herstellungsindustrie zu unterstützen und Trumps Mauer zu finanzieren, könnten schlicht und ergreifend dazu führen, dass die Unternehmen die Zusatzkosten an die Kunden weitergeben. Mit anderen Worten: die amerikanischen Konsumenten werden für die Zölle bezahlen – und für die Mauer.

„In Amerika ist jeder Konsument. Nicht jeder ist in der Herstellungsindustrie“, sagte Stein und schätzt die Anzahl der Fertigungsarbeiter auf rund acht Prozent. „Die meisten, die ihren Job verloren haben, haben sie wegen der Automatisierung verloren, nicht wegen ausländischen Wettbewerbern. Das Ganze war also schon von Anfang an ein Pseudo-Problem und die Vorstellung, Zollschranken einzuführen, um amerikanische Arbeiter zu schützen, ist eine Katastrophe. Das ist eine völlig unnötige Provokation und ein Affront gegen die Konsumenten.“

Seit Trumps Sieg haben die Märkte sich trotz Angst vor Protektionismus und höheren Preisen für Importgüter erholt. Wie Stein und andere bemerken, liegt das vor allem an den niedrigeren Körperschaftssteuern und der schwachen Regulierung – zwei Faktoren, die eine Grenzsteuer ausgleichen.

Es könnte allerdings sein, dass es bei der Grenzsteuer oder den Zöllen gar nicht um Wirtschaftspolitik geht, sondern um Trumps Mauer. Anstatt den Kongress zu bitten, amerikanische Steuergelder verwenden zu dürfen, würden die Zölle den Anschein erwecken, als würden Unternehmen – und Mexiko – dafür bezahlen, obwohl das Ganze über die Preiserhöhungen für Konsumenten finanziert würde. Es würde außerdem die Rückkehr zu einer ziemlich gemäßigten republikanischen Wirtschaftspolitik bedeuten, die auf dem Trickle-Down-Prinzip basiert, was wiederum im Widerspruch zu der populistischen Kernbotschaft steht, gleiche Bedingungen für den „kleinen Mann“ schaffen zu wollen.

„Diese ganze Idee, Mexiko die Mauer bezahlen zu lassen, war von Anfang an so lächerlich, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, sagte Stein. Das ist eine bekloppte Idee. Ich meine, ich mag Trump, ich habe Trump gewählt, ich würde ihn wieder wählen, aber dieser ganze Protektionismus ist einfach nur eine schreckliche Idee und die Vorstellung, dass Mexiko die Mauer bezahlen soll, macht einfach keinen Sinn.“

Laut Stein sind Globalisierung und freier Handel unvermeidbar und er hält es für unwahrscheinlich, dass diese Zölle tatsächlich eingehoben werden. „So funktioniert die Welt nun mal“, sagte er. „Wir sollten diesen Arbeitern Geld geben, damit sie neue Fertigkeiten erwerben, anstatt alle amerikanischen Konsumenten zu bestrafen.“

Ethan Wolff-Mann