Donald Trump droht mit Handelskrieg: Was hat das genau zu bedeuten?

Hannah Klaiber
Freie Journalistin
Donald Trump ist sich sicher, dass Handelskriege “gut und leicht zu gewinnen sind”. (Bild: AFP)

Nach der Strafzoll-Ankündigung und einem provozierenden Tweet des US-Präsidenten brechen die Börsen-Indizes in den USA, Asien und Europa ein. Das sind die ersten Auswirkungen eines Handelskriegs, der noch nicht einmal richtig begonnen hat. Lenkt Trump nicht bald ein, wird das am Ende allen schaden. Das zeigt auch der Blick in die Vergangenheit.

Nun macht Donald Trump also ernst mit seiner „America First“-Politik. Der US-Präsident kündigte Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium in Höhe von bis zu 25 Prozent an und weil ihm die weltweite Empörung darauf nicht schon groß genug war, legte er über Twitter nach: Handelskriege seien „gut und leicht zu gewinnen”, schrieb er. Was ihn zu dieser Annahme bringt, ist fraglich. Die größten Handelskriege der Geschichte schadeten am Ende nämlich allen Seiten.

Was bedeutet Trumps Wirtschaftspolitik für Deutschland?

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ist – außer ab und an von ein paar Journalisten – nicht sehr leicht aus der Fassung zu bringen. Dass ihn Trumps Ankündigungen in „größte Sorge“ versetzen, ist ein Indiz dafür, wie heikel die Situation jetzt schon ist und welche schlimmen Auswirkungen die Einfuhrzölle für die deutsche Wirtschaft haben könnten. „Ein solcher weltweiter amerikanische Rundumschlag würde gerade unsere Exporte und Arbeitsplätze mit am stärksten betreffen“, sagte Gabriel den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Experten: Es wird schmerzlich, aber nicht bedrohlich

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl rechnet laut „Handelsblatt“ damit, dass Strafzölle deutsche und europäische Unternehmen vermutlich vollständig vom amerikanischen Markt verdrängen würden. Demnach wäre vor allem die Stahlindustrie in Deutschland betroffen, da die Vereinigten Staaten mit einem Volumen von knapp einer Million Tonnen der wichtigste Markt nach der Europäischen Union für Walzstahlexporte aus Deutschland sei.

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Wie das Wirtschaftsblatt weiter berichtet, seien Strafmaßnahmen für jedes einzelne deutsche Unternehmen zwar schmerzlich, aber nicht bedrohlich. Betroffen wären allenfalls zwei bis drei Prozent des gesamten Ausstoßes.

Experten sind sich einig: Die deutsche Stahlindustrie wird leiden. (Bild: AFP)

Auch ifo-Chef Clemens Fuest sieht keinen Grund, ein Schreckensszenario zu zeichnen: Wenn die USA gegen Importe aus allen Ländern Zölle einführen, seien sie selbst die Hauptverlierer, sagt er zur „Berliner Morgenpost“. Die Auswirkungen auf Deutschland wären seiner Meinung nach spürbar, aber nicht groß genug, um Deutschland in eine Rezession zu stürzen.

Das sind die indirekten Folgen für Deutschland

Da nicht nur die deutsche Stahlindustrie von den Zöllen betroffen ist, könnte sich eine neue Importkrise entwickeln. Schließlich produzieren auch andere Länder wie China oder Südkorea erhebliche Mengen Stahl, die sie dann höchstwahrscheinlich anderweitig – nämlich in den EU-Markt – exportieren werden. Dadurch drohe eine Stahlschwemme in Europa, sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl zum „Handelsblatt“.

Erste Auswirkungen: Der Dax verliert 260 Punkte

Der Dax fiel bis Freitagmittag erstmals seit Ende August vergangenen Jahres wieder unter die Marke von 12.000 Punkten. Besonders hart trafen die Pläne des US-Präsidenten die europäischen Stahlkonzerne: Thyssenkrupp gab mehr als 3 Prozent nach, Aktien von Salzgitter verloren im MDax mehr als 4 Prozent. Die ebenfalls im MDax notierten Titel von Aurubis gaben rund 3 Prozent nach.

Unter Verkaufsdruck gerieten auch die Aktien der deutschen Autobauer, die unter einem Preisanstieg des für den Fahrzeugbau notwendigen Rohstoffs Stahl leiden würden. Die US-Stahlwerte stiegen hingegen deutlich, der Dow Jones schloss aber klar im Minus.

Was passiert bei einem Handelskrieg?

Vereinfacht erklärt ist ein Handelskrieg ein Wettstreit zwischen zwei oder mehreren Ländern um internationale oder inländische Handelsanteile, der durch aggressive politische Maßnahmen ausgefochten wird. Ziel ist es, die eigene Volkswirtschaft auf Kosten anderer Länder besser zu positionieren. Donald Trump möchte amerikanischen Unternehmen durch die hohen Strafzölle für ausländische Firmen stärken und damit neue Jobs schaffen. Er begründet diesen Schritt damit, dass die heimische Branche über Jahrzehnte hinweg durch die ausländische Konkurrenz beschädigt worden sei.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigt an, nicht tatenlos zuzusehen. (Bild: AFP)

Ausbrechen wird der Handelskrieg, wenn die von den Zöllen betroffenen Staaten wiederum Gegenmaßnahmen einleiten würden. Ein Schritt, der absehbar ist: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden“, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Der US-Nachbar Kanada kündigte genau wie Brasilien „Maßnahmen auf multilateraler oder bilateraler Ebene” an.

Wie könnte die Europäische Union kontern?

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, könnte die EU binnen weniger Tage mit Gegenzöllen auf amerikanische Produkte reagieren. Im Fokus stünden insbesondere landwirtschaftliche Exportprodukte, darunter Kartoffeln und Tomaten.

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Darüber hinaus wollten die Europäer die Regierung von Donald Trump durch Gegenzölle auf Produkte treffen, die für die Wahlkreise von Unterstützern des Präsidenten wirtschaftlich interessant seien. Dazu gehören der FAZ zufolge unter anderem Harley Davidson und Jack Daniels.

Die Folgen vergangener Handelskriege

Berühmt wurde der sogenannte „Hähnchen-Krieg“ von 1964 zwischen den USA und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), bei dem es um europäische Einfuhrzölle auf Geflügel ging. Die EWG hatte hohe Zölle auf amerikanisches Geflügel eingeführt, daraufhin belegten die USA französische Kognak-Brennereien und das Volkswagenwerk mit hohen Einfuhrzöllen. Die Folgen: Weil die verschiedenen Hersteller versuchten, die Zölle durch höhere Preise zu kompensieren, konnten sie nicht mehr so viele Produkte verkaufen. Schlussendlich ging die Rechnung also für keine beteiligte Seite auf.

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Schon im Januar 2017 erinnerte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) Donald Trump zudem an den „Spaghetti-Krieg“ aus den 80er-Jahren. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan verfügte, die Einfuhrzölle auf europäische Nudeln um das Hundertfache heraufzusetzen, die Europäischen Gemeinschaft konterte mit drastischen Zöllen für amerikanische Zitronen. „Am Schluss hat es Amerika auch nicht durchhalten können“, so Kauder. Nachdem die US-Zitrus-Produzenten Verluste über 50 Millionen Dollar im Jahr hinnehmen mussten, wurde der Handelskonflikt beigelegt.

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