Dolmetscher im Europaparlament protestieren gegen längere Arbeitszeiten

Im Europaparlament sind die Dolmetscher in einen Arbeitskampf getreten. In einem Streikaufruf protestieren sie vor allem gegen die von der Parlamentsverwaltung beschlossene Verlängerung ihrer Arbeitszeit von sieben auf acht Stunden pro Tag. Sie wollen höchsten siebeneinhalb Stunden in ihren Kabinen verbringen. Außerdem fordern sie, dass sie pro Woche nicht mehr als zwei Abende eingesetzt werden.

Zu wesentlichen Behinderungen der derzeit in Straßburg laufenden Plenarsitzung kam es trotz des Arbeitskampfes nicht - weil ein Großteil der Dolmetscher von der Verwaltung zwangsverpflichtet wurde. Dagegen protestierten Dolmetscher am Mittwoch in einer Durchsage: Die Gewerkschaften hätten der Zwangsverpflichtung nicht zugestimmt, die Maßnahme sei somit ein Eingriff in das Streikrecht.

Im Europaparlament gibt es den weltweit größten Dolmetscherdienst: Die Plenardebatten in Straßburg und Brüssel werden in die 24 Amtssprachen der EU verdolmetscht - was 552 mögliche Sprachenkombinationen ergibt.

Der Sprachendienst der EU-Volksvertretung zählt 330 angestellte Dolmetscher. Für die Plenarsitzungen verfügt er über eine Reserve von rund 1800 Freiberuflern, die bei Bedarf nach Straßburg oder Brüssel anreisen. Die Kosten für Dolmetscher und Übersetzer verschlingen nach Angaben des Parlaments rund ein Drittel seines Haushalts.