Documenta 15 Skandal: antisemitisches Bild erst verhüllt, jetzt entsorgt

Nach massiver öffentlicher Kritik und einem Aufschrei in den sozialen Medien haben die Verantwortlichen der documenta 15 das antisemitische Kunstwerk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi zunächst vollständig verhüllt - jetzt soll es aber doch noch an diesem Dienstag komplett abgebaut werden.

Nur wenige Tage nach der Eröffnung der Weltkunstausstellung hat das Werk mit antisemitischen Darstellungen und das zögerliche Verhalten der documenta-Direktoren für eine Debatte gesorgt.

Der Jude als Nazi

Einige Organisationen, unter anderem die Bildungsstätte Anne Frank und die israelische Botschaft, forderten die Entfernung des Werks. Auch Rücktrittsforderungen wurden laut. Das American Jewish Committee Berlin forderte die sofortige Entlassung der documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann.

Auf dem großflächigen Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi, das in seinem Stil an NS-Propaganda erinnert, ist unter anderem ein Soldat zu sehen, mit Schweinsgesicht, Halstuch mit Davidstern und einem Helm mit der Aufschrift "Mossad" - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes.

Eine andere karikierte Judenfigur ist mit Hakennase, Schläfenlocken, Reißzähnen, blutigen Augen und SS-Insignien dargestellt - der Jude als Nazi.

Umstrittenes Werk wurde erst kurz vor der Eröffnung aufgehängt

Gewundert habe man sich über die späte Reaktion von Verantwortlichen der Ausstellung, Kunstexperten, Journalisten und Politiker. In den ersten Kritiken zur documenta war nichts von "antisemitischen Positionen" (ttt ARD) oder überschrittenen "roten Linien" (Tagesspiegel) zu lesen gewesen.

Mehrere Journalisten schreiben jetzt, dass das Bild während des Presserundgangs noch nicht ausgestellt war und erst kurt vor der Eröffung aufgehängt worden sein muss.

Die Generaldirektorin der Documenta, Sabine Schormann, hatte noch am Montag um Verständnis für das Werk gebuhlt: "Wir nehmen die deutsche Verantwortung sehr ernst und beschäftigen uns auch damit, auch die Künstlerinnen und Künstler haben sich sehr eng damit auseinandersetzt. Nur der gesamte Ansatz dieser Documenta ist ja in die Zukunft gerichtet und deswegen ist diese eindeutige Beschäftigung mit der deutschen Vergangenheit an dieser Stelle einfach nicht das Thema."

Doch dem indonesischen Kuratoren-Kollektiv Ruangrupa war schon vor Monaten vorgeworfen worden, Organisationen einzubinden, die den kulturellen Boykott Israels unterstützten.

In einer Erklärung auf der Website der Documenta hieß es, dass das Werk bereits 2002 entstanden ist und sich gegen Militarismus und Gewalt während der 32-jährigen Militärdiktatur in Indonesien richtet. Dargestellt seien Symbole, die während dieser Zeit in Indonesien verwendet wurden, sie hätten nichts mit Antisemitismus zu tun.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle schaltete sich ein und erklärte Dienstagnachmittag, dass das Kunstwerk noch im Laufe des Tages abgebaut werde.

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