DKB-Chef weist Verkaufsgerücht zurück, erweitert Negativzins

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(Bloomberg) -- DKB-Chef Stefan Unterlandstättner erwartet keinen Verkauf seiner Bank durch die BayernLB, obwohl die Mutter die profitable Tochter in den vergangenen Wochen stärker in die Eigenständigkeit geführt und damit Spekulationen zu einem Verkauf angetrieben hatte. Der Manager wertet die gewonnene Unabhängigkeit als Chance für eigenes Wachstum, etwa durch Übernahmen. Gleichzeitig will er mehr Geld mit Bestandskunden verdienen.

Die in Berlin ansässige DKB werde zwar “flügge”, sagte Unterlandstättner in einem Interview mit Bloomberg News. “Doch es gibt keine Bestrebungen der BayernLB, die DKB zu veräußern.”

Die BayernLB als Mitglied der Sparkassen-Finanzgruppe hatte vor kurzem mit der Entscheidung überrascht, die DKB in die gesetzliche Einlagensicherung der privaten Banken ziehen zu lassen. Das befeuerte Spekulationen, ein Verkauf der DKB stehe bevor. Zudem kündigte die BayernLB ihre Patronatserklärung für die Tochter. Der Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag zwischen beiden Häusern soll ebenfalls beendet werden.

“Künftig können wir nun Kapital selbst bilden und es dann für unser eigenes Wachstum einsetzen”, sagte Unterlandstättner. Anorganisches Wachstum sei dabei kein Tabu. “Wir können uns vorstellen, Kunden- oder Kreditportfolien anderer Banken zu übernehmen – beispielsweise wenn diese ihre Strategie ändern und etwas zum Verkauf stellen.” Derzeit jedoch ist Unterlandstättner zufolge wenig Attraktives auf dem Markt.

Die DKB ist die zweitgrößte Direktbank in Deutschland, nach der ING und vor der Comdirect - bis zu deren Verschmelzung auf die Mutter Commerzbank AG im November 2020. Die BayernLB-Tochter will ihre Privatkundenzahl von zuletzt rund 4,8 Millionen auf 8 Millionen bis 2024 erhöhen.

Das Ziel ist ambitioniert. Viele Neo-Banken drängen auf den Markt. Zudem hat die DKB negative Zinsen für neue Kunden eingeführt, was das Wachstum bremsen könnte. Auch einige Bestandskunden sollen demnächst so genannte Verwahrentgelte auf hohe Sparsummen zahlen.

“Nach reiflichen Überlegungen haben wir uns aufgrund des kontinuierlich wachsenden Einlagendrucks dazu entschlossen, den Negativzins der EZB in Form eines Verwahrentgelts zukünftig an ausgewählte Kundengruppen weiterzugeben”, sagte Unterlandstättner.

Der Manager lässt keine Zweifel daran, dass er die Einnahmen der DKB erhöhen will, nachdem viele Jahre lang ein kostenloses Girokonto samt Gratis-Karte das Wachstum angetrieben hatten. “Wir müssen schauen, dass wir unser Kunden-Portfolio profitabilisieren”, sagte er. Das Wertpapiergeschäft beispielsweise habe zuletzt deutlich zugelegt, als anderes Beispiel nannte er die Vermittlung von Versicherungsprodukten.

Zudem nimmt Unterlandstättner Veränderungen im Karten-Portfolio vor. Neukunden werden in Kürze standardmäßig mit einer Debit- statt mit einer Kreditkarte ausgestattet, was die Risiken senkt. Weitere Kundengruppen sollen folgen. “Der Zeitpunkt zur Einführung für unsere Bestandskunden wird im kommenden Jahr sein”, sagte er. Die Kreditkarte werde aber auch weiterhin erhältlich sein. Details nannte er nicht.

Provisionsergebnis dreht

Die Strategie scheint Früchte zu tragen. Unterlandstättner zufolge hat die DKB in den ersten sechs Monaten 2021 ein positives Provisionsergebnis verbucht, verglichen mit einem Fehlbetrag im Vorjahreszeitraum. Details will die Bank am morgigen Dienstag vorlegen.

Aus den bereits veröffentlichten Zahlen der BayernLB lässt sich ablesen, dass die DKB im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von rund 267 Millionen Euro erzielt hat. Das ist etwa die Hälfte des gesamten Konzerngewinns der Mutter, der sich auf 485 Millionen Euro belief.

Getragen werden die guten Zahlen der DKB nicht von Geschäften mit Millionen von Privatkunden, die derzeit für viel Geld ausgebaut werden, sondern von Geschäftskundensegmenten. Das soll sich aber zukünftig ändern.

“Das Infrastrukturkreditgeschäft und das Firmenkundengeschäft tragen derzeit den höchsten Teil zum Gewinn bei und finanzieren damit unsere Expansion im Privatkundengeschäft”, sagte Unterlandstättner weiter. “Nach dem Ende der Expansionsphase, also 2024, soll aber ganz klar das Privatkundengeschäft den größten Anteil zum Gewinn beisteuern.”

(Neu: Kartenstrategie im 9. Absatz)

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