DIW-Präsident Fratzscher: Eliten dürfen Ungleichheit nicht tolerieren

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert angesichts des Wahlerfolgs der AfD einen stärkeren Einsatz gegen soziale Ungleichheit in Deutschland. Das starke Ergebnis der rechtspopulistischen Partei bei der Bundestagswahl sei auch "eine Niederlage der sogenannten Eliten", sagte der Ökonom der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die Privilegierten in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft müssten "ihre Scheuklappen ablegen und endlich eingestehen, dass die Ungleichheit in Deutschland einen enormen sozialen Sprengstoff darstellt", sagte Fratzscher. "Die soziale Marktwirtschaft erfüllt nicht mehr ihr Versprechen der Chancengleichheit, Eigenverantwortung und Teilhabe."

Die Löhne nach Inflation sowie die Einkommen der unteren 40 Prozent seien heute niedriger als vor 20 Jahren, kritisierte der Ökonom. Jeder Fünfte befinde sich in atypischer Beschäftigung. Fratzscher forderte eine "Investitionsoffensive in Bildung, Qualifizierung, Teilhabe und Innovation".

Ähnlich wie Fratzscher hatte sich bereits Siemens-Chef Joe Kaeser am Montag geäußert. Die Wähler der AfD seien als Menschen am Rande der Gesellschaft abgetan worden, hatte der Lenker des Industriekonzerns gesagt. Menschen, die sich zurückgesetzt fühlten, müssten eingebunden werden und eine Perspektive erhalten.