Das Dividendenportfolio: Eine hohe Dividendenrendite als Warnsignal?

Michael Grünauer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Ein großes Ziel vieler Menschen ist die Erwirtschaftung eines passiven Einkommens, das im Laufe der Zeit das Arbeitseinkommen aufbessern oder gänzlich ersetzen soll. Anlagemöglichkeiten, die ein passives Einkommen erwarten lassen, gibt es viele. Manche Investoren setzen auf Immobilien, andere auf Anleihen oder eben auf Aktien bzw. ETFs (Exchange Traded Funds).

In diesem Artikel möchte ich vor allem darauf eingehen, was du beachten solltest, wenn du vermehrt in Aktien investierst, um über Dividendenausschüttungen ein passives Einkommen zu erwirtschaften. Denn es lauern viele Gefahren auf Dividendeninvestoren, die du besser vermeiden solltest.

Warnsignal 1: Hohe Dividendenrendite

Oftmals kann eine hohe Dividendenrendite für Anleger sehr attraktiv wirken. Unter der Dividendenrendite versteht man die Summe aller Ausschüttungen in einem Jahr dividiert durch den derzeitigen Aktienkurs. Werte von beispielsweise 4 bis 7 % stehen in manchen Branchen wie im Bankensektor oder der Erdölindustrie auf der Tagesordnung.

Eine Dividendenrendite von beispielsweise 4 % würde demnach implizieren, dass man seine ursprüngliche Investition in 25 Jahren durch Dividenden wieder vereinnahmt hätte, vorausgesetzt, man müsste keine Steuern bezahlen. Demnach hätte sich die Aktie in 25 Jahren amortisiert und der Anleger hätte sein ursprüngliches Investment wieder in der Tasche, mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass er auch die Aktie immer noch hat.

Nichtsdestotrotz sind hohe Dividendenrenditen ein Warnsignal, denn dadurch wird verdeutlicht, dass der Kapitalmarkt entweder kein oder nur ein sehr geringes Wachstum für das betreffende Unternehmen oder die gesamte Branche für möglich hält. Denn hohe Dividendenrenditen und ein hohes Unternehmenswachstum gibt es in der Regel nicht.

Das wäre wie eine äußerst günstige Wohnung in einem Nobelviertel in München oder ein spottbilliges Luxusauto. Anhand dieser Beispiele ist den meisten von uns klar, dass diese Angebote in der Regel einen Haken haben. Genauso verhält es sich bei Dividendenaktien. Denn die hohe Dividendenrendite hat ihren Preis, meist ist das ein Geschäftsmodell, dessen Zukunftsfähigkeit infrage steht.

Warnsignal 2: Steigende Ausschüttungsquote

Eine hohe Dividendenrendite ist zwar ein Warnsignal, muss einen Anleger jedoch nicht zwangsweise von einem Investment abhalten. Sollte sich jedoch eine hohe Dividendenrendite mit stetig steigenden Ausschüttungsquoten paaren, solltest du als Anleger gut aufpassen.

Unter der Ausschüttungsquote versteht man jenen prozentualen Anteil des Gewinns eines Unternehmens, der an Aktionär ausgeschüttet wird. Selbst stabile und krisensichere Unternehmen wie Microsoft oder Apple schütten nicht 100 % ihres Gewinns an die Aktionäre aus, denn ein Unternehmen sollte wie jede Privatperson Rücklagen für unsichere Zeiten bereithalten oder Kapital für zukünftige Investitionen ansparen.

Steigt nun beispielsweise bei einem Unternehmen aus der Erdölindustrie von Jahr zu Jahr die Ausschüttungsquote an, ist das ein guter Indikator dafür, dass einerseits nur geringe Rücklagen gehalten werden. Auf der anderen Seite wird jedoch dadurch auch verdeutlicht, dass mehr und mehr Substanz des Unternehmens abgebaut wird. Denn das Kapital fehlt dem Unternehmen auch für zukünftige Investitionen, die Gewinne sichern und ausbauen sollten.

Sollte nun die Ausschüttungsquote ein gefährliches Niveau von 90 % oder mehr erreichen, steigt meiner Meinung nach die Gefahr von Dividendenkürzungen an. Ein Albtraumszenario vieler Dividendenaktionäre, denn dadurch sinkt das passive Einkommen.

Auf Dividendenaktien verzichten?

Solltest du nun also völlig auf Dividendenaktien verzichten und Wachstumsaktien übergewichten? Nein, definitiv nicht. Denn stabile Dividendenaktien tragen auf jeden Fall zur Diversifikation deines Aktienportfolios bei. Jedoch solltest du bedenken, dass die Höhe der Dividendenrendite nicht das wichtigste Kriterium für oder gegen eine Aktie sein sollte.

Ganz im Gegenteil, denn Faktoren wie das Geschäftsmodell, das erwartbare Wachstum sowie eine umfassende Branchen- und Konkurrenzanalyse sind weiterhin unabdingbar. Würde man sich nur auf die Dividendenrendite versteifen, wäre das Portfolio voraussichtlich gefüllt mit Werten aus dem Bankensektor und der Erdöl- und Tabakindustrie. Ob diese Branchen eine gute Zukunft haben, steht zweifelsohne in den Sternen, persönlich glaube ich jedoch nicht daran.

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Michael besitzt Aktien von Microsoft und Apple. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Microsoft und empfiehlt die folgenden Optionen: Long Januar 2021 $85 Calls und Short January 2021 $115 Call auf Microsoft.

Motley Fool Deutschland 2020